Fritz & Macziol Schweiz ist am Ende

Imtech stösst ihre gesamte ICT-Division ab. Davon ist eigentlich auch die in die Seco-Affäre verstrickte IT-Firma Fritz & Macziol Schweiz betroffen. Doch für diese hat Imtech andere Pläne.

» Von Fabian Vogt , 23.04.2014 18:50.

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Fritz & Macziol Schweiz wird es bald nicht mehr geben. Der Schweizer Ableger der Fritz & Macziol Group hat sich sein eigenes Grab geschaufelt. Seitdem bekannt wurde, dass die Firma bei der Vergabe von IT-Aufträgen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) in Korruptionsfälle verwickelt war, ging es immer steiler bergab. Erst wurden Mitarbeiter verhaftet, dann wurden Aufträge zurückgezogen, Angestellte sprangen ab und vor wenigen Wochen verkündete der holländische Mutterkonzern Imtech Royal schliesslich, den verbliebenen Stellenbestand von 45 auf 20 Stellen zu reduzieren. Wie Computerworld nun von Imtech erfuhr, arbeiten mittlerweile nicht einmal mehr diese 20 Leute bei Fritz & Macziol Schweiz. «Fritz & Macziol Schweiz befindet sich weiterhin in einer Restrukturierungsphase und wird kleiner und kleiner werden», sagte uns eine Imtech-Medienbeauftragte auf Anfrage. «Wir gehen davon aus, dass es die Firma bald nicht mehr geben wird.»

In welchem Ausmass die Schliessungsabsichten mit der Seco-Affäre zu tun haben, wollte die Imtech-Vertreterin nicht sagen. Allerdings machte Fritz & Macziol Schweiz noch im Jahr 2012 einen Umsatz von 28 Millionen Franken, mit damals 60 Mitarbeitern. Vor dem Hintergrund, dass die gesamte ICT-Division von Imtech mit 2380 Mitarbeitern im letzten Jahr 570 Millionen Franken Umsatz erwirtschaftete, kann kaum davon ausgegangen werden, dass das Geschäft in der Schweiz über Jahre schlecht lief.

Fauler Apfel im Portfolio

Die ebenfalls in Korruptionsaffären verstrickte Imtech möchte nicht nur Fritz & Macziol Schweiz loswerden, sondern die gesamte ICT Division. Davon betroffen sind 2380 Mitarbeiter in Tochterfirmen, die grösste davon ist die Fritz & Macziol Gruppe. Ulrich Hampe, CMO der Fritz& Macziol group, konnte auf Anfrage der Computerworld nichts über den Verkaufsprozess sagen. Er sei aber überzeugt, dass die Unternehmensgruppe auch unter einem neuen Eigentümer in der heutigen Form erhalten bleibe. «Wir haben auch nach der Übernahme durch Imtech immer höchsten Wert auf unsere eigene Identität gelegt, die stets mit einem Qualitätsversprechen verbunden war. Das ist ein Wert für sich, auch für einen neuen Investor.»

Das wären eigentlich gute Neuigkeiten für F&M Schweiz, doch Imtech sagt «wir verkaufen die ICT Division nur als Gesamtpaket.» Es ist schwer vorstellbar, dass irgend ein Investor den schlechten Ruf der hiesigen F&M mit kaufen möchte. Vor allem, da mit mit dem Seco ein grosser Auftraggeber bereits weg ist und weitere dem Beispiel gefolgt sind, wie Computerworld aus Insider-Kreisen erfuhr. Ein Goldesel wäre F&M Schweiz also auch nicht mehr. Es ist darum nicht verwunderlich, dass Imtech Fritz & Macziol Schweiz aus dem Portfolio streichen möchte. Vorher will man aber noch den Ruf in der Schweiz retten und hat darum Aufträge von F&M Schweiz der Information, Technology&Trust (IT&T) AG, weitergegeben. Die gehören als Tochterfirma von Fritz & Macziol ebenfalls Imtech.

Was geschieht mit IT&T?

Der Chef von IT&T, Urs Röthlisberger, steht den Verkaufsabsichten des Mutterhauses positiv gegenüber. Sie seien in Kontakt mit Imtech und würden beratend hinzugezogen wenn es darum geht, potenzielle Käufer zu evaluieren. «Mehr wollen wir dazu momentan nicht sagen», teilte uns Röthlisberger mit.

Auch IT&T ist nicht über alle Zweifel erhaben und steht im Verdacht, Aufträge widerrechtlich erhalten zu haben. Für die St. Galler Rechenzentrenbetreiber VRSG konnte IT&T eine neue Finanzapplikation entwickeln, ohne dass die VRSG eine Ausschreibung durchführte oder Konkurrenzprodukte anschaute. Zudem behauptete Jeroen Leenaers, Direktor für Investorenbeziehungen bei Imtech in einem Gespräch mit dem «Tages-Anzeiger» vom 1. April (Artikel online nicht verfügbar), IT&T sei völlig unabhängig von Fritz & Macziol. IT&T ist aber eine Tochterfirma von F&M und Burim Mirakaj, der erst kürzlich als CEO von F&M zurücktrat, sass eben noch im Verwaltungsrat von IT&T. Ob Imtech auf diese Art den schlechten Ruf in der Schweiz loswerden kann und wie es mit IT&T weiter geht, ist ungewiss.

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