Exklusiv: Netflix vs. Swisscom: Swisscom knickt ein, Peering-Vertrag unterzeichnet

Swisscom ist nach zu vielen Kundenbeschwerden und negativen Medienberichten eingebrochen: Ab sofort gibt’s eine Peering-Verbindung zwischen Swisscom und Netflix.

» Von Fabian Vogt , 22.03.2016 14:38.

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Swisscom-Kunden können aufatmen: Ab sofort können sie Netflix in gleicher Qualität schauen wie Kunden von upc Cablecom, Sunrise oder Quickline. Möglich macht dies ein Peering-Vetrag zwischen Swisscom und Netflix. Das bedeutet, dass die Netflix-Inhalte künftig direkt ins Swisscom-Netzwerk eingespeist werden. Bislang musste Netflix für die Datenübertragung zu Swisscom einen sogenannten Transitanbieter benutzen, weil man der Swisscom kein Geld zahlen wollte. Swisscom beharrte auf dem Standpunkt, dass man nur kostenloses Peering mit Anbietern macht, die weniger als die doppelte Anzahl Daten an Swisscom liefert als sie erhält (2:1 Klausel). Für OTT-Anbieter wie Netflix, Wilmaa oder Zattoo komplett unrealistisch, weil der Endkunde viel mehr Netflix-Inhalt konsumiert als er sendet. Das Verhältnis zwischen Netflix und Swisscom dürfte irgendwo bei 1:20 liegen.

Trotzdem haben die beiden Parteien nun einen Peering-Vertrag abgeschlossen. Darauf machte uns Init7-Gründer Fredy Künzler aufmerksam, der als Beweis die Routing-Tabelle anführte. Der darauf abgebildete As-Pfad ^3303_2906$ zeigt, dass ab sofort eine direkte Interkonnektion zwischen den Autonomen Systemen 3303 (==Swisscom) und 2906 (==Netflix) besteht. Diese Verbindung gab es zuvor nicht.

Swisscom hat auf Anfrage von Computerworld Stellung genommen, bleibt aber vage: «Wir sind mit Netflix nach wie vor in Verhandlungen und haben eine vorübergehende Lösung gefunden. Wir haben mit Netflix vereinbart, dass wir zur Art und Weise der provisorischen Lösung keine näheren Angaben machen.

Gegenüber «watson» präzisierte Swisscom die Aussage noch: «In der Zwischenzeit konnte Swisscom in Zusammenarbeit mit Netflix eine Lösung im Sinne der Kunden finden – der Dienst steht im Swisscom-Netz wieder uneingeschränkt zur Verfügung. Die Lösung funktioniert bisher gut. Swisscom und Netflix warten aber noch die Datenspitzenlast heute Abend ab, bevor die Stabilität der Lösung endgültig bestätigt werden kann.»

Ob Swisscom von Netflix Geld verlangte, bleibt also ungeklärt. Es ist allerdings zweifelhaft, wo läge die Motivation von Netflix? Mit anderen Providern, national und international, gibt es häufig bereits Peering-Abkommen. Würde man Swisscom zahlen, müsste man überall neu verhandeln. Das Risiko geht man für den kleinen Schweizer Markt kaum ein.

Der Grund, warum Swisscom nichts zu den Vetragsdetails sagt, liegt auf der Hand: Läuft das Peering gratis, dürfte Swisscom bald weitere Probleme erhalten, denn andere OTTs werden dieselben Rechte verlangen. Fredy Künzler hat bereits angekündigt, das Thema juristisch neu aufzurollen. Hintergrund ist, dass er zu dem Thema seit Jahren einen Rechtsstreit mit Swisscom führt, die sich bislang weigerte, von ihrer 2:1-Klausel abzukommen. Nun muss sie ihre Situation überdenken, vor Gericht dürfte der Vertrag, über den Swisscon mit uns nicht reden möchte, offengelegt werden.

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KOMMENTARE

Joachim Vetter: 27-03-16 14:31

Leider gab es nicht nur mit Netflix Probleme. Mit Calm Radio macht die Swisscom scheinbar das gleiche Spiel. Da es weniger Leute mit Interesse an klassischer Musik gibt, wurde noch nicht bekannt, dass man auch diese Organisation auf Kosten der Endkunden erpresst.

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