Der IT-Jahresrückblick der Computerworld. Teil 2/3

Masseneinwanderung, Seco-Skandal, NSA-Vorwürfe. Was die Schweizer ICT in diesem Jahr bewegte, zeigt der dreiteilige Jahresrückblick der Computerworld.

» Von Fabian Vogt , 30.12.2014 10:00.

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Das Jahr 2014 war ein aufregendes für die ICT-Branche. Sowohl national als auch international gab es spannende Konkurrenzkämpfe, überraschende Urteile und wegweisende Produkte. Computerworld lässt die nach Meinung der Redaktion wichtigsten Ereignisse des Jahres in kurzen Zusammenfassungen noch einmal Revue passieren, kommentiert sie teilweise und schafft auf diese Weise einen ganz eigenen ICT-Jahresrückblick.

Teil 1 des Rückblicks verpasst?

Seco-Affäre

Es gab in der Schweiz schon einige IT-Beschaffungsskandale. Aber keiner war grösser als die Seco-Affäre. Ein ranghoher Beamter des Staatsekretariats für Wirtschaft liess sich von Geschäftsführern der ICT-Firmen Fritz & Macziol sowie System Connect AG mit Reisen, Fussballspielen und Geldbeträgen bestechen. Im Gegenzug gab es Seco-Aufträge im Wert von rund 70 Millionen Franken. Der «Tages-Anzeiger» deckte die Geschichte zu Beginn des Jahres auf, die Folgen waren: der verdächtigte Seco-Kadermann wurde in Untersuchungshaft genommen, seine Pensionskasse als Sicherheit beschlagnahmt. Mit ihm wurden sieben andere Personen untersucht, der Fall zwang Kantone und Gemeinden, ebenfalls ihre Geschäfte mit den beiden Firmen zu untersuchen. Für die Unternehmen bedeutete die Geschichte den Anfang vom Ende. System Connect meldete im Sommer Konkurs an, eine Hinhaltetaktik brachte keinen Erfolg. Und Fritz & Macziol Schweiz ist nur noch eine lästige Fliege im Gepäck der Mutterfirma Imtech. Wann die Firma aufgelöst wird, ist eine Frage der Zeit.

Parlamentarier in Bern forderten wegen dem Seco- und anderen Beschaffungsdebakeln, dass künftig der Schwellenwert für publizierte Aufträge deutlich nach unten korrigiert werden und das elektronische Vertragsmanagement schleunigst eingeführt werden solle. Auch die Verantwortlichen der Beschaffungsämter scheinen genug davon zu haben, ständig Sündenbock spielen zu müssen. Eine Studie brachte kürzlich ans Licht, dass mittlerweile deutlich mehr Aufträge öffentlich ausgeschrieben werden – Luft nach oben bleibt aber.

Fachkräftemangel?

Der Fachkräftemangel sorgte auch 2014 für Schlagzeilen. Der Verband ICTswitzerland setzt sich seit Jahren für mehr Fachkräfte ein und versucht vor allem durch eine Stärkung der ICT-Lehre, dies zu erreichen. Eine vom Verband in Auftrag gegebene Studie sagt entsprechend, dass bis ins Jahr 2022 der Schweiz 30 000 Informatiker fehlen werden. Gleichzeitig sagt die Studie aber auch, dass 21 000 Personen mehr im ICT-Berufsfeld arbeiten, als noch vor zwei Jahren. Das sind Zahlen, die verschiedenen Unternehmensvertretern merkwürdig erscheinen. Bei 12 Prozent mehr ICT-Fachkräften innert zwei Jahren könne kaum von einem Mangel gesprochen werden, ist die Meinung, die Computerworld dieses Jahr öfters hörte.

Zudem sagen diverse in der Schweiz tätige ICT-Firmen – nicht nur Google -, dass sie nur punktuell Probleme hätten, Fachkräfte zu finden. Zwar gäbe es ab und an Schwierigkeiten, wenn Jobs mit spezifischen Fachkenntnissen besetzt werden müssen, doch generell könnte nicht von einer Fachkräfteproblematik gesprochen werden. Ähnlich klingt es auch bei ICT-Headhuntern, die das Wort Fachkräftemangel für übertrieben halten. Und in der Zwischenzeit sind die Grossbanken weiter fleissig daran, tausende Informatiker auf die Strasse zu stellen.  

Fakt ist aber auch, dass die ICT-Branche mehr als andere Branchen auf ausländische Arbeiter angewiesen ist. Die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative wird darum für die ICT zum Problem werden, wenn man bei der Kontingentvergabe zu kurz kommt. Es ist darum wichtig, dass sich Verbände und Unternehmen zusammenschliessen, um gemeinsam auf die Problematik aufmerksam zu machen. Bislang geschieht in diese Richtung wenig.

Neuer Microsoft-CEO

Am 4. Februar endete bei Microsoft eine Ära. Satya Nadella wurde CEO und beerbte damit Steve Ballmer, der das Unternehmen seit der Jahrtausendendwende geführt hatte. Als erst dritter Microsoft-CEO (Gründer Bill Gates stand dem Unternehmen von 1975 bis 2000 vor) steht Nadella vor der Aufgabe, den Konzern neu zu positionieren. Das in der Vergangenheit erfolgreiche Desktopgeschäft stagniert, die Konsumenten wollen Tablets und Smartphones. Und da hat Microsoft gegenüber der Konkurrenz von Apple, Google oder Samsung Nachholbedarf. Aktuelle Zahlen zeigen immerhin, dass Microsoft stetig Marktanteile hinzugewinnt.

Nadella hat zudem das Ziel, die unter Steve Ballmer gestartete «One Microsoft»-Strategie fortzuführen. Eine Software für verschiedene Endgeräte ist einer der Eckpfeiler dieses Plans. So soll die nächste Version von Windows (Windows 10) alle bisher eigenständigen Betriebssystemvarianten wie Windows, Windows Phone oder Windows Server zusammenführen. Dabei dürfte man auch versuchen, das mit Windows 8 eingeführte Kachelsystem nach und nach wieder in der Versenkung verschwinden zu lassen – es hat sich vor allem bei Unternehmen nicht durchgesetzt.

Um ähnlich lange wie seine Vorgänger im Amt bleiben zu können, muss Nadella aber lernen, Fettnäpfchen auszulassen. Im Herbst riet er Frauen pauschal von Lohnforderung ab. Diese seien schlecht fürs Karma. Der darauf folgende Shitstorm war immens. Wenig hilfreich war dabei auch, dass Nadella selbst 85 Millionen Dollar im letzten Jahr verdiente, womit er zu den bestverdiendenden Tech-CEOs gehört.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Swissness und Wi-Free

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