Bund vergibt 22 Millionen freihändig an CSC

Per Medienmitteilung informiert der Bund über eine millionenschwere Software-Migration. Der IT-Dienstleister CSC soll das Auszahlungssystem der Arbeitslosenkassen erneuern.

» Von Mark Schröder , 19.08.2013 18:32.

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Der Bund übt sich bei Informatikprojekten neu in Offenheit. Das vor einem Jahr gescheiterte Insieme-Projekt zeigt augenscheinlich seine Nachwirkungen. Heute informiert etwa das Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco) per Medienmitteilung, dass der bisherige Lieferant CSC ein Auftrag zur Migration des Auszahlungssystems der Arbeitslosenkassen (ASAL) erteilt wurde.

Das Projekt hat gemäss Seco einen Wert von 22 Millionen Franken. Die Beschaffung hätte nach den Massgaben der WTO (World Trade Organization) in einem öffentlichen Verfahren ausgeschrieben werden müssen. Im Informatikbereich liegt der Grenzwert für ein WTO-Verfahren bei rund 230'000 Franken. Allerdings sind begründete Ausnahmen möglich.

Das für die Beschaffung bei der Verwaltung zuständige Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) beruft sich bei der Freihandvergabe auf die Verordnung über das öffentliche Beschaffungswesen (VöB). Im Artikel 13 heisst es dort: «Aufgrund der technischen […] Besonderheiten des Auftrages oder aus Gründen des Schutzes geistigen Eigentums kommt nur ein Anbieter […] in Frage, und es gibt keine angemessene Alternative.»

Zum Zuschlag kommt der bisherige Lieferant CSC, bei dem das Seco die Sicherstellung des laufenden Betriebs und die parallele 1:1-Migration der bestehenden Anwendungen eingekauft hat. Das Projekt findet sich seit 2010 regelmässig in den Geschäftsberichten des Seco wieder. Nun gab es offenbar Handlungsbedarf.

Grund dürfte die veraltete Technologie sein, handelt es sich bei den ASAL-Anwendungen um Systeme aus dem letzten Jahrtausend. Das Seco schreibt, dass die Applikationen auf der Entwicklungsumgebung CA 2E basieren und seit dem Jahr 1993 laufen. CA 2E hat das Ende seines Lebenszyklus erreicht, was die Ablösung notwendig macht. CSC soll die Umgebung unter Beibehaltung der Datenbank und des Datenmodells nun auf Java portieren.

Nach der erfolgreichen Migration sollen die zukünftige Weiterentwicklung und Wartung in einem WTO-Verfahren ausgeschrieben werden. Einen Zeitraum für die Umstellung nennt das Seco allerdings nicht.

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