ALV-Taggelder müssen weiter mit 20-jährigem System ausgezahlt werden. Ein Migrationsprojekt floppte.

Nach verschiedenen Problemen wurde das Projekt zur Migration des Auszahlungssystems der ALV abgebrochen. Die Auszahlung der Taggelder soll weiter gesichert sein.

» Von Fabian Vogt , 07.08.2015 10:27.

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Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat entschieden, «ASALneu» abzubrechen. Ziel des Projekts war, das Auszahlungssystem der Arbeitslosenversicherung in eine moderne und wartungsfreundliche Softwareentwicklungsumgebung zu migrieren. Weil «ASAL» seit 1993 in Betrieb ist, ein nachvollziehbares Unterfangen. Doch von Beginn weg harzte es bei «ASALneu». Das begann, als das Seco den Auftrag freihändig an CSC vergab, obwohl es mit einem Volumen von 22 Millionen Franken deutlich über dem erlauten WTO-Schwellenwert von 230 000 Franken lag. Das für die Beschaffung bei der Verwaltung zuständige Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) berief sich damals auf den Standpunkt, dass es für CSC keine angemessene Alternative gäbe, weil nur CSC als bisheriger Lieferant den laufenden Betrieb und die parallele 1:1-Migration garantieren könne. 

Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) zweifelte im Vorfeld der Vergabe am Wahrheitsgehalt dieser Aussage, beliess es aber dabei. Sie hatte ohnehin geplant, das Projekt nach dem Start einer tiefgehenden Prüfung zu unterziehen – und diese fiel nicht wirklich schmeichelhaft für die Projektverantwortlichen aus. Mangelnde Führungserfahrung, fehlende Testumgebungen und Produktmängel gehörten zu den grössten Kritikpunkten, weswegen das Projekt neu ausgerichtet werden sollte.

Abbruch und Neustart

Nun, 13 Monate nach dem EFK-Bericht, wurde beschlossen, «ASALneu» abzubrechen. Eine umfassende Neueinschätzung des Projektes habe ergeben, dass die ursprünglich gesetzten Ziele in technischer und terminlicher Hinsicht mit dem gewählten Vorgehen nur unter Inkaufnahme sehr hoher Risiken hätten erreicht werden können, teilte die Aufsichtskommission des ALV-Ausgleichsfonds mit.

Das Seco schreibt, dass mit CSC eine einvernehmliche Einigung über die Modalitäten des Abbruchs erzielt werden konnte. Diese soll eine Saldovereinbarung zum Projektvertrag und die Sicherstellung der Wartung des aktuellen «ASAL» bis mindestens 2021 beinhalten. Der Projektabbruch solle den Bund «finanzwirksam mehrere hunderttausend Franken» kosten.

Die Ausgleichsstelle will bis zum ersten Quartal 2016 neue Varianten für die Ablösung des bestehenden Systems evaluieren. Die Auszahlungen von Taggeldern an die Versicherten sollen derweil mit dem aktuellen «ASAL» weiterhin jederzeit gesichert sein.

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