Test: Apple iPhone X

» Von Klaus Zellweger , 13.11.2017 11:05.

weitere Artikel

Bildergalerie

Bildergalerie

Die neuen Kameras

Die Dualkamera wurden deutlich aufgerüstet und übertrifft sogar um Haaresbreite das iPhone 8. Die hinteren Kameras fotografieren zwar ebenfalls mit 12 Mpx; doch beim iPhone X ist auch das leichte Tele optisch stabilisiert und ermöglicht deutlich ruhigere Videos. Während bei beiden Geräten das Weitwinkel eine Blende von ƒ/1.8 bietet, ist das Tele mit Blende ƒ/2.4 statt ƒ/2.8 ausgestattet. Auf Kleinbild umgerechnet beträgt die Brennweite des Weitwinkels 29 Millimeter und jene des Teles 63 Millimeter.

Tipp: Viele Details zur Technik und zur Signalverarbeitung finden Sie im Test zum iPhone 8 (Plus). An dieser Stelle werden wir nur auf die Neuerungen eingehen, die dieses Jahr auf allen Geräten eingeführt wurden.

Live Photos

Die Live Photos kennen wir seit dem iPhone 7, doch sie wurden deutlich aufgewertet. Dabei handelt es sich um ein einzelnes Foto, das von einem drei Sekunden langen Video ummantelt ist. Ein Druck auf das Display lässt das Bild zum Leben erwachen. So weit, so bekannt.

Neu sind die Effekte, die jederzeit auf ein Live Photo angewendet werden können, indem das Display in der Fotos-App von unten nach oben gewischt wird:

Die Endlosschleife spielt das Video immer wieder ab. Der Abpraller wiederholt das Video vorwärts und rückwärts. Besonders interessant ist die Langzeitbelichtung: Sie produziert ein statisches Foto, bei dem die bewegten Teile verschwimmen – eben genau so, wie es bei einer «grossen» Kamera auf einem Stativ und mit einer langen Verschlusszeit aussehen würde:

Bildqualität

Neue Filter. Die Filter sind alle ausgetauscht worden und wirken nun ein wenig subtiler, was die Farbgebung anbelangt.

Farben. Die Qualität der Bilder hat sich sichtbar verbessert. Die Farben sind ein wenig kräftiger geworden. Damit wird Apples Ruf, besonders neutrale Farben zu produzieren, etwas aufgeweicht. Gleichzeitig huldigen diese Änderungen aber auch dem Publikumsgeschmack, der bunte Bilder will – ganz besonders im asiatischen Raum.

Artefakte. Keinen nennenswerten Unterschied konnten wir bei der Bildqualität bei schwachem Licht ausmachen. Die Details schmieren unverändert zu; doch diese Grenzen sind den winzigen Sensoren geschuldet, wie sie heute in allen Smartphones verbaut sind.

Videos

4K mit 60 fps. Das bedeutet bei den Smartphones den aktuellen Weltrekord: Das iPhone X filmt in 4K mit bis zu 60 fps (Bilder pro Sekunde)! Bei anderen Smartphones liegt die maximale Bildrate bei 4K und 30 fps oder Full HD und 60 fps – zurzeit bieten nur das iPhone 8 und das iPhone X beide Eigenschaften. Allerdings fallen bei der Aufnahme ganze 400 MB Daten pro Minute an, obwohl der neue Code HEVC (H.265) zum Einsatz kommt. Wenn diese Videos Ihr Ding sind, sollten Sie also unbedingt zu einem iPhone X mit 256 GB Speicher greifen.

Zeitlupen in Full HD. Auch die Potenz der Zeitlupe wurde verdoppelt: Sie liegt bei maximal 240 fps in Full HD. Die Bildqualität entspricht dabei jener, die auch bei einem regulären Full-HD-Streifen zustande kommt. Wie stark die Zeitlupe in der Wiedergabe wirkt, hängt davon ab, ob der Rest des Films mit 30 fps (8-fach-Zeitlupe) oder 60 fps (4-fach-Zeitlupe) gedreht wurde.

Neue Dateiformate

Viele Eigenschaften der neuen iPhones sind nur möglich, weil neue Bild- und Filmformate zum Einsatz kommen.

HEIF. Bei Fotos wird auf Wunsch statt JPEG das neue HEIF verwendet (für «High Efficiency Image File Format»). Dabei handelt es sich um einen offiziellen Standard der «Moving Picture Experts Group» (MPEG). HEIF soll langfristig JPEG verdrängen.

Zu den wichtigsten Vorzügen gehören eine bessere Bildqualität bei deutlich reduziertem Datenverbrauch. JPEG-Artefakte sind Geschichte. Ausserdem lassen sich mehrere Fotos in eine Datei verpacken. Dazu gehören Originale und modifizierte Kopien oder Bildserien, die mit dem Burst-Mode des iPhone 8 geschossen wurden.

HEVC steht für «High Efficiency Video Codec». Dabei handelt es sich um Videos, die nach dem H.265-Standard codiert wurden, der den alten H.264-Standard in Rente schicken soll. H.265 bietet etwa dieselbe Qualität wie H.264, doch die Datenmenge wird auf die Hälfte eingedampft. Die Verwendung von HEVC ist zwingend, wenn Videos in 4K/60 fps aufgezeichnet werden sollen.

Das grösste Problem von H.265 ist die enorme Rechenleistung, die für die Codierung während der Aufnahme benötigt wird. Deshalb ist der Codec nur auf dem iPhone 8 (Plus), dem iPhone X oder neuer verfügbar.

Kompatibilität. HEIF und HEVC sind von einer grossflächigen Verbreitung noch weit entfernt. Soll ein Video oder ein Foto zum Beispiel auf Instagram gepostet werden, konvertiert das iPhone X das Material automatisch vor der Übertragung in JPEG oder H.264. Hingegen lässt sich zum Beispiel ein Video in H.265 auch in iMovie auf dem iPad Pro oder einem Mac schneiden. In den Einstellungen des iPhones wird definiert, wie das Video weitergereicht wird.

Porträtmodus

Der Porträtmodus war das Highlight des iPhone 7 Plus und hat bis heute nichts von seinem Reiz verloren. Aufgenommen wird mit dem Tele. Gleichzeitig wird jedoch zusammen mit dem Weitwinkel eine 3D-Tiefenkarte der Person erstellt. Diese wiederum wird verwendet, um das Modell zu isolieren, während der Hintergrund in einer dezenten Unschärfe verschwindet – ganz so, wie es mit einer grossen Kamera und einem Tele bei Offenblende der Fall ist. Der Porträt-Modus funktioniert zwar nicht in allen Fällen, doch wenn er es tut, ist der Wow-Effekt garantiert.

Neu ist unter iOS 11, dass diese Tiefenkarte für App-Entwickler zugänglich ist. Die kostenlose App Focos macht sie sichtbar und erlaubt es, die Schärfe nachträglich auf eine andere Stelle zu lenken, auszudehnen oder einzuschränken. Darüber hinaus lässt sich nicht nur der Hintergrund, sondern auch der Vordergrund weichzeichnen (achten Sie auf das Wasser in der Abbildung links):

Apps und Anwendungen können ausserdem die Tiefenkarte auslesen und separat darstellen, damit sie für weitere Zwecke verwendet werden kann. Die neuste Version von Photoshop CC zeigt sie als separaten Alpha-Kanal an:

Porträtlicht

Mit iOS 11 wurde der Porträtmodus aus der Beta-Phase entlassen. Neu ist hingegen das mindestens genauso beeindruckende Porträtlicht. Auch dieser Software-Trick macht sich die Tiefenkarte zunutze, um den Hintergrund zu isolieren. Gleichzeitig werden die Gesichtszüge analysiert. Die Resultate werden verwendet, um die Beleuchtungen zu ändern. Natürliches Licht oder Konturenlicht verändern das Bild auf eine subtile Weise, indem zum Beispiel die Gesichtskonturen herausgearbeitet werden.

Fast schon spektakulär ist hingegen der Effekt Bühnenbeleuchtung, bei dem die Gesichtszüge herausgearbeitet werden, während der Hintergrund im tiefen Schwarz versinkt. Diesen Effekt gibt es wahlweise in Farbe oder Schwarz-Weiss.

Alle Effekte funktionieren nur, wenn der Porträtmodus aktiv ist. Anschliessend wird über einen virtuellen Drehregler der gewünschte Effekt angewählt. Dieser kann später jederzeit zurückgenommen oder ausgetauscht werden, HEIF sei Dank.

Front-Kamera und Animojis

Die Front-Kamera fotografiert mit 7 Mpx, Videos werden in Full HD gedreht. Bis jetzt spielte diese Kamera jedoch immer nur die zweite Geige, weil in die fotografischen Qualitäten der grossen Kameras investiert wurde. Das ändert sich mit dem iPhone X durch die verbaute TrueDepth-Kamera: Sie benötigt keine zweite Linse, um eine 3D-Karte des Gesichts anzufertigen. Und so stehen der Porträtmodus und das Porträtlicht auch für Selfies zur Verfügung.

Doch den Gag schlechthin liefern die Animojis, also «animierte Emojis». In der App Nachrichten gibt es neu einen Satz dieser kleinen Bildchen, bei denen sich die Gesichtszüge des Anwenders durch die TrueDepth-Kamera animieren lassen – und zwar nahezu lippensynchron. Auch die Mimik und Kopfbewegungen werden in Echtzeit übertragen. Diese Faxen lassen sich als Bild oder reguläres Video verschicken, sodass jeder Empfänger mit einem Smartphone in den Genuss dieser Werke kommt.

Es dauerte eine gefühlte Stunde, bis kreative Köpfe einen neuen Trend lostraten: Zurzeit wird nicht nur YouTube mit «Emoji-Karaoke» förmlich geflutet. Dabei werden die animierten Emojis in einer Video-Software zusammengeschnitten und neu vertont. Das sieht dann etwa so aus:

 

Nächste Seite: Kaufberatung und Fazit

Werbung

KOMMENTARE

Keine Kommentare

KOMMENTAR SCHREIBEN

*
*
*
*

Alles Pflichfelder, E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt.

Die Redaktion hält sich vor, unangebrachte, rassistische oder ehrverletzende Kommentare zu löschen.
Die Verfasser von Leserkommentaren gewähren der NMGZ AG das unentgeltliche, zeitlich und räumlich unbegrenzte Recht, ihre Leserkommentare ganz oder teilweise auf dem Portal zu verwenden. Eingeschlossen ist zusätzlich das Recht, die Texte in andere Publikationsorgane, Medien oder Bücher zu übernehmen und zur Archivierung abzuspeichern.