Storage-Revolution: halb so teuer, doppelt so schnell

Das Software-Startup Nexenta bläst zur Storage-Revolution. Die Preise sollen fallen. EMC, Netapp, HP und Hitachi finden das gar nicht lustig.

» Von Michael Kurzidim , 10.04.2014 11:40.

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Das sei zu schön, um wahr zu sein. So reagieren Kunden häufig, wenn sie zum ersten Mal die Kosten eines Nexenta-Storagesystems durchrechnen. Das 2005 gegründete Software-Unternehmen hat ein Storage-Betriebssystem entwickelt, das kompromisslos auf Standard-Hardwarekomponenten (X86) und Standardprotokolle setzt. Das reduziert die Kosten dramatisch, und knabbert an den Margen von Storage-Anbietern wie EMC, Netapp, HDS oder HP. Die finden das natürlich gar nicht lustig.

Bei derartigen Traumangeboten ist zunächst einmal Skepsis angebracht. Computerworld sprach mit Christof Zihlmann, CEO des Schweizer Nexenta-Partners Q5 AG. In der Schweiz setzen das Stadtspital Triemli (Zürich), die Kantonsschule Zug, Zühlke Engineering, die RobecoSAM AG und die Kantonspolizei Zürich Storagesysteme von Nexenta ein. Zihlmann gibt folgendes Kostenbeispiel: Ein typisches NexentaStor Speichersystem kostet, gemäss Standard-Konfiguration, 35 000 Franken und schafft 42 000 IOPs (Input-Output-Operationen pro Sekunde). Darin verbaut sind zehn 2 Terabyte Nearline-SAS-Platten, 200 GByte Read-Cache, 8 GByte Write-Cache und 128 GByte Arbeitsspeicher. Ein vergleichbares System von Netapp (3000er Serie) koste 100 000 Franken und bringe es lediglich auf 20 000 IOPs.

So bekommen Sie einen Rabatt von EMC...

Die Kunden seien es gewöhnt, eine Speichermaschine zu erwerben, wo EMC oder Netapp draufstehe, meint Zihlmann. Nexenta sieht sich in einer ähnlichen Position wie VMware vor etwa 15 Jahren. Damals hat VMware die heterogenen Server-Landschaften virtualisiert und dadurch die Preise ins Rutschen gebracht. Heute bläst Nexenta zum Angriff auf den Storage-Markt. Auch dort sollen die Preise fallen. "Wenn Sie einen Rabatt von EMC wollen, dann sagen Sie nur, Nexenta war da", ermpfiehlt Zihlmann.

Für einen Verkäufer sei Nexenta Traum und Albtraum zugleich, erzählte Barry Griffith von NAS UK auf dem OpenSDx Summit, das am gestrigen Mittwoch in Amsterdam stattfand. Der Flaschenhals bestehe darin, dass wir hier gegen die ganz grossen Jungs wie EMC, HP oder Netapp antreten. Die IT-Leiter und CIOs in den Unternehmen treffen ihre Entscheide für oder gegen einen Anbieter auch immer im eigenen Interesse. Wer EMC kaufte und dann gehe etwas schief, werde in der Regel nicht gefeuert. Beim Entscheid für einen Newcomer wie Nexenta aber sehen sich Entscheidungsträger in einer ganz andere Situation.

"Um echten Software-defined Storage zu realisieren, haben wir noch einen langen Weg vor uns", sagte Tony Parkinson von Dell auf einer Podiumsdiskussion in Amsterdam. Die meisten der heute erhältlichen Speicherlösungen seien nicht software-defnied Storage, sondern schlicht und einfach "Software on storage". Für Nexenta sprechen die Offenheit der Storage-Software, der Verbau von Standard-Hardware und daraus resultierend drastisch niedrigere Anschaffungskosten. Die psychologischen Hürden werden sinken, je mehr Referenzkunden und erfolgreiche Implementationen das Unternehmen vorweisen kann. Der grösste Kunde ist zurzeit Korean Telecom, wo ein 7,9 Petabyte grosser NexentaStor-System im Einsatz ist.

Psychologische Hürden

Einen eher kritischen Einwand gab Simon Robinson von 451 Research am Rande des OpenSDx Summits zu bedenken. Insbesondere grosse Firmen würden noch zögern, zum Beispiel ihr geschäftskritisches SAP ERP auf software-defined Storage laufen zu lassen oder SAP zu virtualisieren. Der Grund laut Robinson: Es ist ihnen zu unsicher. Auch hier gibt es psychologische Hürden, die noch überwunden werden müssen.

 

 

 

 

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KOMMENTARE

Bernd S.: 30-04-14 12:08

Liebe Leser,

bitte nutzt mal Google und seht euch dort an, dass wirklich alles was nicht Netapp ist, von den Netapp Fan's nieder gemacht wird. Teilweise sind Halbwahrheiten enthalten oder es wird verschwiegen, wenn nicht gar gelogen.

Sehen Sie sich die Kommentare genau an. Storage Guy sieht nur die Platten (42000 IOPS), den im Artikel erwähnten Cache ignoriert er komplett. Er lenkt bewusst die Sicht nur auf die Platten IOPS. Info: Ein ZeusRAM mach bis zu 100000 IOPS (Cache Speicher).

Auch so ist es bei Herrn Schniedrig. Hier ist ZFS alt, das Netapp WAFL weit älter ist sagt er nicht. Netapp kennt generell kein Raid 5,6,10,50,60. Nahezu jedes Netapp System ist quasi endkonfiguriert. Man muss viel Blech neu kaufen, um dann meist eine Hardware zu bekommen die selbst schon wieder einige Jahre alt ist. Das Netapp Aufpreise für die Protokolle möchte wird nicht erwähnt. Das Nexenta im Grundpreis alle Protokolle (NFS, CIFS, iSCSI, und mehr) enthalten hat wird er nicht erwähnen. Das SnapMirror, SnapVault bei Nexenta kostenfrei möglich sind wird er auch nicht sagen und das eine Clusterlösung für eine FAS 3xxx (ja die gibt es noch) offiziell ca. $76000 kostet wohl auch nicht, die von Nexenta liegt bei etwa 5000 Euro.

Ansonsten kann ich den Beitrag voll verstehen. Ich habe selbst die Systeme FAS 2220, 2050, 3220 und 3240 im Einsatz und kenne ZFS über Sun. Ich habe selbst schon von Netapp Mitarbeitern bewusst falsche Aussagen bekommen. Vielen ist nicht bekannt, dass Netapp eine Softwarefirma ist (Hardware OEM) und das ein FreeBSD als Betriebssystem unter ONTAP läuft. Netapp ist dadurch vergleichbar, zumindest über die Hardware.

Ontap/WAFL geht nur auf Netapp, Nexenta läuft auf nahezu beliebiger Hardware und sogar virtuell.

Mike Eichelberger: 28-04-14 20:42

Wir haben in einer KMU Nexenta im Einsatz (4 TB, Citrix 6.2 mit 30 VM's). Wir hatten ein Nexenta Testsystem für 4 Wochen im Test und haben es gleich gekauft. Die Performance ist genial. Es ist einfach in der Handhabung und der Support von Nexenta ist sehr gut. Ich bin kein ausgewiesener IT Fachmann- aber der Kauf von Nexenta war ein voller Erfolg. Für das Geld können wir uns jetzt ein zweites System kaufen und eine Spiegelung der gesamten Datenmenge ermöglichen und eine hohe Verfügbarkeit für unsere kleine Firma ermöglichen. Was will MAN mehr. Ich freue mich auf die Version 4!

Christof Zihlmann: 17-04-14 16:15

Hallo Her Schnidrig, endlich jemand der einen Kommentar hinterlässt ohne sich verstecken zu müssen. Danke!

Ich habe Ihren Kommentar sehr interessiert gelesen und stimme Ihrem Beitrag auch fast uneingeschränkt zu.

Es steht ausser Zweifel, dass das ZFS Filesystem nichts neues ist und es steht auch ausser Zweifel, dass eine SATA Festplatte nicht viel mehr als 80 IOPS liefern kann. Ebenso ist mir bewusst dass die Netapp 3xxx Serie in der Zwischenzeit 9 Jahre alt ist, ein ähnliches Alter hat auch ZFS in der Zwischenzeit. Ich gehe mit Ihnen auch konform dass man bei solchen Kommentaren bei den Fakten bleiben sollte.

Fakt ist dass ZFS im Bezug auf CPU und Memory sehr Ressourcen hungrig ist. Deshalb sind ja in unseren Storage Kontrollern auch immer mindestens 128GB Memory sowie zwei Intel E5-26xx CPU's mit mindestens je 4 Kernen verbaut um die entsprechende Performance erreichen zu können.

Die aufgeführten IOPS Werte sind definitiv keine Marketing Zahlen. Diese Zahlen wurden in einem Evaluationsverfahren vom Kunden erreicht, in welchem die Nexenta Lösung in der selben VMware Umgebung wie die Netapp 32xx getestet wurde.

Wenn ich einen Bericht lese welcher für mich erstaunliche oder gar unglaubliche Werte beschreibt, recherchiere ich zuerst bevor ich mich in einem Kommentar durch offensichtliches Unwissen öffentlich blamiere. Aber das hat wahrscheinlich auch etwas damit zu tun dass ich zu dem was ich schreibe stehen kann und mich nicht hinter einem anonymen Pseudonym verstecken muss.

Christoph Schnidrig: 17-04-14 13:40

Um es vorweg zu nehmen, ich arbeite für NetApp vertrete hier jedoch meinen persönlichen Standpunkt.
Zu den Facts:
Die 3000er Systeme sind 9 Jahre alt. Danach kamen 3100er, 3200 und nun die 8000er. Innerhalb dieser Produktefamilien gibt es 2-3 Controller. Die Preise sind entsprechend stark abhängig der Anzahl Diskdrives, der Wartungslevel und der Software. Ein System mit 10 SATA Platten vergleicht eher mit den 2200er Systemen.
Zum Thema aktuelle Storage Technologien. Es wird angesprochen, dass ZFS offensichtlich hier der Game-Changer sein soll. Darf ich erinnern, dass NetApp und Sun einen Patentstreit hatten? ZFS ist definitiv nichts brandneues, höchstens das Marketing rund herum und den Fakt, dass es halt auf einem Linux Server und x-beliebiger Hardware läuft. Es ist ressourcen-intensiv was CPU und Memory betrifft. Die IOPS Rechnung von storage guy scheint Sinn zu machen.
Die Amis sagen so schön: You can put all the lipstick you want on a pig. But at the end of the day, it's still a pig. Konzentrieren wir uns doch auf die Fakts und lassen Marketing und Annahmen ein bisschen auf der Seite - die Kunden werden davon profitieren.

another storage guy: 16-04-14 09:15

Ich teile die Rechnung von "storage guy". Herr Zihlmann, Sie haben es mit Ihrem Kommentar leider vertan auf sachlicher Ebene zu argumentieren. Macht Nexenta nicht sympatischer.
Mich würde interessieren mit welchen NetApp Köpfen mit welchen (Software-Hardware) Features verglichen wurde. NetApp und EMC können mehr als "nur" Storage. Sie können streched Active-Active Cluster, Snapshot, Cloning, NFS, CIFS, iSCSI, FC... und das ganze ohne Drittprodukte wie Windows, Unix, Linux.

Christof Zihlmann: 10-04-14 21:38

Hallo "a storage guy", ich würde vorschlagen dass Du Dich wirklich mal mit aktuellen Storage Technologien vertraut machst.

Als erstes möchte ich Dich darüber informieren dass die Netapp auf ihrer Webseite nach wie vor das System 3200 offiziell aufgelistet sind. Ich bin zwar nicht wirklich ein Fan von Netapp aber icht traue dieser Firma doch zu dass sie wissen welche Systeme bei Ihnen noch im Portfolio sind. Also bitte ich Dich, wenn Du wieder mal einen Komentar abgeben willst, Dich zuerst über die effektiven Tatsachen zu informieren.

Ich befürchte dass wenn Dir die Tatsache entgangen ist dass Netapp die 3000er Serie noch immer im Programm hat auch einige andere, grundlegende Entwicklungen an Dir vorbei gegangen sind.

Ich würde Dir einfach mal anraten ein bisschen über den Tellerrand heraus zu schauen und Dir mal die Architektur des ZFS Filesystems anzuschauen. Ich bin sicher dass auch jemand wie Du anschiessend die eigene Aussage in Frage stellen wird.

a storage guy: 10-04-14 19:49

Also - ein System mit 10 2TB SATA Platten macht 42'000 IOPS. Ein SATA drive macht im besten Fall 80 IOPS, bevor die Latenz in unermessliche steigt. Sprich aus dem Backend kommen (ohne RAID Overhead) im besten Fall 800 IOPS. Dazu kommt ein relativ kleiner Read-Cache von 200GB - von da sollen in diesem Falle die restlichen 41'200 IOPS kommen... Natürlich nur, wenn immer auf die selben Blöcke zugegriffen wird.
Dann wird mit einem 3000er System von NetApp gesprochen. Die 3000er Systeme sind schon lange Geschichte, die waren von 3 Produktegenerationen aktuell.
Wenn man nun mit den entsprechenden Gegenstücken Vergleiche zieht, ist man im ähnlichen IOPS/Preis Range.
Schade, dass Produkte mit solch undifferenzierten Marketing angepriesen werden. Der Kunde gewinnt damit am Ende sicher nicht.

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