Wettbewerbsvorteil IT-Cluster

Cluster sind kein Hype sondern ein ernsthafter Ansatz zur Steigerung der

Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und Regionen. Sie sollten die Standortvorteile solcher regionalen Netzwerke vermehrt nutzen.

Zum ICT-Cluster Bern zählen über 200 Hersteller, Anwender und Behörden
  

» Von Peter Abplanalp, Roman Ziegler, 29.06.2009 15:40. Letztes Update, 29.06.2009 15:42.

Peter Abplanalp ist Professor für Strategie und Wettbewerb am Institute for Competitiveness and Communication ICC der Fachhochschule Nordwestschweiz, Roman Ziegler ist dort wissenschaftlicher Assistent

Dank moderner Kommunikations- und Transporttechnologie können Unternehmen heute wirtschaftlich notwendige Informationen und Güter überall auf der Welt beschaffen. Hat der Standort eines Unternehmens also keine Bedeutung mehr? Ganz im Gegenteil. Aus strategischer Sicht hat der einfache Zugang zu Ressourcen einen paradoxen Effekt: Wenn alle Unternehmen über die gleichen Beschaffungsquellen verfügen, bleibt die Einzigartigkeit auf der Strecke. Ein Wettbewerbsvorteil ist nur noch durch das effizientere Nutzen von Ressourcen (Kostenvorteil) zu erreichen oder durch ein Angebot, das sich von jenem der Konkurrenten unterscheidet (Differenzierung). Dabei spielt der Standort des Unternehmens trotz Globalisierung eine entscheidende Rolle, denn Standortfaktoren erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit. Die Einbindung in ein Cluster kann den Unternehmenserfolg weiter steigern.

Charakteristika eines Clusters

Am oberen Zürichsee bilden Firmen wie Qiagen und Tecan ein Laborapparate-Cluster
Am oberen Zürichsee bilden Firmen wie Qiagen und Tecan ein Laborapparate-Cluster
Strategie-Experte und Harvard-Professor Michael Porter ermittelte in seinen Studien, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit von Ländern meist auf bestimmte Branchen oder Bereiche beschränkt. Vor circa 20 Jahren nahm etwa Japan bei Autos, Computern, Kameras und Haushaltselektronik eine vorherrschende Stellung ein. In der Raumfahrt oder der Software-Industrie lag Japan aber deutlich hinter den USA zurück. Porter folgerte daraus, dass ein Land nicht in allen Branchen wettbewerbsfähig sein kann. Vielmehr entstehen in jedem Land meist einige besonders erfolgreiche Cluster in Branchen, die dort «fruchtbare» Bedingungen vorfinden.

Cluster sind geografische Konzentrationen verbundener Unternehmen gleicher und ähnlicher Branchen, die einerseits konkurrieren, andererseits aber auch kooperieren. Die Firmen sind zudem umgeben von spezialisierten Zulieferern, Dienstleistern und Einrichtungen wie Universitäten, Forschungsinstitutionen, Regierungsorganisationen sowie Wirtschafts- und Industrieverbänden. Dieses lokale Netzwerk führt zu Effizienz-, Innovations- und Technologievorteilen. Der britische Ökonom Alfred Marshall identifizierte bereits Ende des 19. Jahrhunderts drei Gründe für die Clusterbildung: genügend spezialisierte Arbeitskräfte, räumliche Nähe zu Lieferanten und den bewusst angestrebten oder zufälligen Wissensaustausch zwischen den Unternehmen. Typische Akteure in einem Cluster sind:

- Unternehmen verbundener Branchen
- Konkurrenten mit ähnlichen Produkten, die eine vergleichbare Technik nutzen und auf den gleichen Pool von Fachkräften zugreifen
- spezialisierte Lieferanten
- spezielle Infrastruktur-Anbieter
- Distributionskanäle
- anspruchsvolle und fordernde Kunden
- Hersteller komplementärer Produkte
- Berufsschulen, Forschungsinstitute,
Hochschulen
- Handelskammern und Wirtschaftsförderung

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