Verbrecherjagd mit Mindmapping
Die Kantonspolizei Bern setzt auf moderne Workflow-Techniken. Mit sogenannten Wissenslandkarten kommt sie den Tätern schneller auf die Spur.

» Von , 19.06.2008 17:39. Letztes Update, 19.06.2008 17:42.
Die treibende Kraft hinter der in Bern eingesetzten Software heisst Peter Schneeberger. Der Dienstchef des Bereichs Technik bei der Berner Kantonspolizei arbeitet seit vielen Jahren mit der Mapping-Software. Er hat sich selbst zum Trainer weiterbilden und zertifizieren lassen. Schneeberger bezeichnet sich selbst als absolut überzeugten Anwender. «Mapping lässt sich in der Polizeiarbeit hervorragend einsetzen», meint er. «Wir erstellen damit beispielsweise Täterprofile, stellen Spurenvergleiche an, dokumentieren Hausdurchsuchungen und koordinieren grosse Polizeieinsätze».
Der Dienstchef setzt seit 1994 auf die Software von Mindjet und hat seitdem jedes Upgrade bis zur aktuellen Version MindManager Pro 7 mitgemacht. Die Mindmapping-Methode von Tony Buzan auf Basis von Papier und Bleistift kannte er zwar schon vorher, aber erst die Möglichkeiten digitaler Maps haben ihn von dieser Arbeitsweise überzeugt. Die Mapping-Software ist praktisch die erste Applikation, die Schneeberger nach Arbeitsbeginn startet. Er trägt dort alle Pendenzen ein, die sich aus der Bearbeitung von Post, E-Mails und Intranet ergeben und legt so den Plan für die nächsten Tage an. «Für mich ist diese Vorlage ideal, ich vergesse damit wenig bis nichts», sagt er.
Was viele vielleicht noch aus Schule oder Studium als Mindmaps kennen, hat sich heute zu digitalen Wissenslandkarten am PC weiterentwickelt. Nahezu alle denkbaren Daten lassen sich integrieren - egal, ob es sich dabei um strukturierte Informationen aus anderen Anwendungen und Datenbanken handelt oder um Textdateien, Excel-Tabellen, Bilder, E-Mails oder persönliche Kommentare. Die Software verdichtet die einzelnen Informationsbausteine und bringt sie in einen sinnvollen, visuellen Kontext. Auf diese Weise werden separate, für sich stehende Informationsbruchstücke zu Bestandteilen eines integrierten Informationsnetzwerks. Auf persönlicher oder Team-Ebene entstehen so Wissens-Dashboards, oder auch «Wissenslandkarten». Diese stellen komplexe Zusammenhänge einfach und übersichtlich dar, machen das Spezialwissen einzelner Kollegen allgemein verfügbar und verbessern so die gemeinsame Entscheidungsfindung.
Schneller handlungsfähig
Der grosse Vorteil der klassischen Mindmap bleibt dabei erhalten: Die Daten werden nicht nacheinander aufgelistet, sondern visuell und nichtlinear dargestellt - wie es der menschlichen Denkweise entspricht. Die Polizistinnen und Polizisten der Kantonspolizei können so sehr schnell und gründlich arbeiten. Peter Schneeberger bestätigt dies: «Wir protokollieren mit der Software nicht nur Besprechungen. Inzwischen nutzen wir sie auch, um Richtern, die ja nicht direkt an den Ermittlungen beteiligt sind, einen kompakten, aber trotzdem vollständigen Überblick über Tatbestände zu verschaffen. Das hilft uns, wenn wir einen Durchsuchungs- oder Haftbefehl erwirken müssen und auf eine schnelle Entscheidung des Richters angewiesen sind». Besprechungszeiten verkürzen sich so spürbar. Zudem sind alle Beteiligten ständig auf dem aktuellen Stand der Ermittlungen.
Visuelle Gedächtnisstütze
Schon zu Beginn eines Einsatzes legen die Polizisten der Kantonspolizei Bern in einem Brainstorming eine erste Map an. Diese wird dann im Verlauf der Untersuchungen ständig erweitert und modifiziert. Die Software sammelt z.B. alle Personendaten eines Falls, mit deren Hilfe sich alle beteiligten Kollegen schnell informieren können.

Peter Schneeberger, Dienstchef des Bereichs Technik der Kantonspolizei Bern, vor einer «Mindmap».
Projektmanagement für Grosseinsätze
Die Organisatoren arbeiten gemeinsam an einem Dokument und unterstützen sich dabei gegenseitig, alle Aspekte der Situation im Auge zu behalten. Die schnellere Informationsverarbeitung entlastet die Polizisten in ihrer täglichen Arbeit und reduziert den Zeitdruck in kritischen Situationen. Schnellere Ermittlungen erhöhen gleichzeitig natürlich auch die Chance, Verdächtige zu identifizieren und zu ergreifen.
Peter Schneeberger jedenfalls ist sich sicher, dass die Einführung der Mapping-Software ein großer Gewinn für die Arbeit der Kantonspolizei Bern ist. «Zwar arbeiten noch nicht alle Kollegen mit der neuen Software, doch unsere freiwilligen Computerkurse finden großen Anklang», so der Polizeitechniker. «Viele Kollegen bringen sich das Programm auch selbst bei, was auch recht schnell geht.» Seit die Berner Polizei «mappt», haben sich viele Prozesse beschleunigt.

Task Force: Die Kantonspolizei Bern plant alle Aufgaben mit dem MindManager.
Neue Denkanstösse
Ein positiver Nebeneffekt der Software: Die Polizistinnen und Polizisten der Berner Polizei entwickeln anhand der vom Programm angeregten Denk- und Arbeitsweise immer neue Szenarien zur Optimierung ihrer täglichen Arbeit. Die Mindmapping-Methode unterstützt die Entwicklung kreativer Ideen und hat der Kantonspolizei Bern schon einige Male ganz neue Wege bei der Verbrechensbekämpfung aufgezeigt. Für die Bewältigung der Fussball-Europameisterschaft sieht Peter Schneeberger die Berner Polizei jedenfalls bestens gerüstet.
Mindmapping im Ensatz
Kantonspolizei Bern
Die Kantonspolizei in Bern, Teil eines der grössten Polizeikorps der Schweiz, existiert seit mehr als 200 Jahren und spielt in der Sicherheitspolitik und der Verbrechensbekämpfung eine große Rolle. Die mehr als 2100 Mitarbeiter im zweitgrössten Kanton des Landes setzen bei ihrer täglichen Arbeit auf den Einsatz modernster Methoden. Dazu zählt insbesondere auch die Software zum Erstellen sogenannter «Maps».






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