Swisscom Grosskunden-Leiter Urs Schaeppi im Interview

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» Von Hansjörg Honegger, Reto Vogt , 03.08.2012 10:17.

Sie sprachen schon einige Male die Cloud an. Noch immer ist bei vielen CIOs ein recht grosses Misstrauen dagegen spürbar. Private Cloud sei alter Wein in neuen Schläuchen, einfach gut verkauft, und die Public Cloud sei zu unsicher. Was tun Sie, um dieses Misstrauen zu besänftigen?

Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten. Wir müssen aufzeigen, nach welchen Sicherheitskonzepten wir Cloud-Dienste anbieten und warum diese sicher sind. Wir müssen belegen, dass die Daten in der Schweiz bleiben – das ist überhaupt der wichtigste Punkt. Heute sind wir in der Lage, Cloud-Dienste genauso sicher anzubieten, als ob sie on-premise wären. Das Vertrauen unserer Kunden müssen wir uns aber jeden Tag verdienen. Denn Sicherheit ist das letzte der vier grossen Themen, die ich vorhin angesprochen habe.

Sie sehen aber in der täglichen Arbeit die Vorbehalte Ihrer Kunden?

Ja, klar. Das sind aber oft emotionale Vorbehalte. Es gibt immer noch Leute, die alles selber machen wollen. Da herrscht dann die Meinung, der Server unter dem Tisch sei sicherer als in einem Hochsicherheitsrechenzentrum der Swisscom. Ich bin aber überzeugt, wir werden in fünf bis zehn Jahren auf einem ganz anderen Level diskutieren.

Warum?

Schauen Sie sich an, wie heute im Top-Management mit den Daten umgegangen wird. Vieles landet vom iPad einfach auf Dropbox.

Schlimme Vorstellung für einen Sicherheitsverantwortlichen.

Ja, viel öffentlicher gehts nicht mehr. Die CIOs sind aber schlecht beraten, wenn sie sich diesem Trend einfach verweigern. Die Enduser werden mit den neuen Gadgets immer einen Weg finden.

An diesem Zustand sind die Anbieter mit ihrer doch recht aggressiven Cloud-Marketingstrategie nicht ganz unschuldig. Das Business ist eben anfällig auf Sprüche wie «IT aus der Steckdose» oder «wie Wasser aus dem Hahn». IT ist dann doch etwas komplexer.

Ja, klar ist IT komplizierter. Cloud ist ein Schlagwort und es kommt nicht von heute auf morgen. Aber Infrastruktur as a Service wird kommen, weil die Skaleneffekte einfach gigantisch sind. Die Qualität und die Sicherheit sind ebenso gut, wie wenn man es selber machen würde.

Die Swisscom lancierte kürzlich Profile Switching, mit dem man Geschäft und Privatleben besser trennen kann. Das ist doch nur ein Pflästerli. Heute erwarten viele Unternehmen, dass ihre Mitarbeiter immer erreichbar sind.

Das ist halt eine philosophische Frage, die jede Firma für sich selber lösen muss. Wir bei Swisscom erwarten das nicht von unseren Angestellten.

Wie gehen Sie persönlich mit der ständigen Erreichbarkeit um?

Übers Wochenende bekommen meine Mitarbeiter keine E-Mails von mir. Ich persönlich versuche, übers Wochenende nicht zu arbeiten und für meine Familie da zu sein. Wer von seinen Mitarbeitern 7x24 Stunden Erreichbarkeit verlangt, begeht einen schweren Fehler. Diese Leute verbrennen über kurz oder lang. Man muss auch mal auftanken können. Hier hilft Profile Switching.

Wie kam das Angebot an? Die Hürden sind doch relativ hoch: Man muss MCC einsetzen und man muss CMN-Kunde der Swisscom sein. Warum so hohe technische Hürden?

Für den Endkunden ist die Lösung sehr einfach. Im Hintergrund ist das jedoch sehr komplex. Um das beherrschbar zu halten, haben wir das Angebot auf unsere Infrastruktur ausgelegt. Falls die Nachfrage nach diesem Service wirklich sehr gross und breit wird, können wir uns durchaus vorstellen, dass wir damit in den Privatkundenmarkt gehen. Dann wird das Angebot offener.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Tarifänderungen

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