Streit um den Glasfaser-Zugang zum Kunden

Der Bau des flächendeckenden Glasfasernetzes verzögert sich. Schuld

sind die Provider, die nur auf ihre eigenen Interessen achten. Schaden

sie mit ihrem Verhalten dem Wirtschaftsstandort Schweiz?

  

» Von Reto Vogt, 03.09.2009 11:17. Letztes Update, 03.09.2009 11:32.

Mit einem landesweiten Glasfasernetz könnte die Schweiz einen gewaltigen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Ausland herausholen. Zur raschen Umsetzung bräuchte es aber eine unkomplizierte und flexible Zusammenarbeit zwischen Providern und Elektrizitätswerken - und das ist in den kommenden Monaten völlig unrealistisch.

Obwohl sich die Chefs von Schweizer Telekombetrieben, Elektrizitätswerken und Kabelnetzbetreibern seit anderthalb Jahren regelmässig am runden Tisch treffen, wurden sich die Parteien bislang nicht einig. Laut der Regulationsbehörde ComCom, die diese Treffen organisiert, besteht trotzdem eine solide Basis für eine Partnerschaft zwischen den Parteien. Auch der Nationalrat ist mit der Situation scheinbar zufrieden. Nicht so Orange und Sunrise: Die Provider schieben der Swisscom den schwarzen Peter zu.

«Es gibt zwar Fortschritte», meint Sunrise-CEO Christoph Brand. Entwarnung könne er aber nicht geben. Auch für den Glasfaserstrategie-Verantwortlichen bei Orange, Johannes Graf, sind wichtige Punkte noch immer ungeklärt. Cablecom distanziert sich komplett von möglichen Kooperationen. Man sehe keinen Grund, sich an den vorhandenen Projekten zu beteiligen, sagt der fürs Netz verantwortliche Vizepräsident Alfred Seiler. Das Unternehmen zweifelt an deren Wirtschaftlichkeit. Cablecom setzt deshalb aufs eigene Netz, eine Mischung von Glasfaser und Kupferdrähten. Damit sind Downloadraten bis 100 Mbit/s möglich - genug, um in den Anfangsjahren mit der Glasfaser mitzuhalten. Will Cablecom das auch längerfristig, muss sie jedoch komplett auf Glasfaser umstellen.

Für das Verlegen der Glasfaserkabel kommen mehr als 1000 Parteien infrage. Dazu zählen die Swisscom, 247 Schweizer Kabelnetzbetreiber und über 800 Elektrizitätswerke - diese verfügen über die nötigen Zugänge zu den vorhandenen Schächten.

Swisscom blockiert Verhandlungen

Die enorm hohe Zahl von Beteiligten ist aber nicht der einzige Grund, weshalb es bislang nicht zu einer Einigung kam. Eine Mitschuld trägt auch Swisscom. Der Marktführer beansprucht für sich eine eigene Glasfaser, während sich die Konkurrenz mit einer gemeinsamen Leitung begnügen würde. Diese reiche längstens aus, um die Dienste aller Provider in jedem Haushalt anzubieten, so Sunrise-CEO Christoph Brand. Sunrise setzt deshalb wie Orange auf die Zusammenarbeit mit den Elektrizitätswerken (EW). In diesem sogenannten Open-Access-Modell verlegen die EWs sämtliche Glasfasern und vermieten das Netz zum gleichen Tarif allen interessierten Providern.

Die Swisscom will davon aber nichts wissen und beharrt auf der exklusiven Faser. Diese sei für Swisscom die einzige Möglichkeit, sich von den anderen Anbietern zu differenzieren, so Giovanni Conti, Glasfaserspezialist des Unternehmens. Swisscom will sich die Hoheit über das Netz vorbehalten und selbst bestimmen, wann sie höhere Bandbreiten einführt.

«Dies ist volkswirtschaftlich kompletter Blödsinn», wettert Sunrise-CEO Brand. Mehrere Glasfasern würden den Bau des Glasfasernetzwerks massiv verteuern. «Diesen Aufpreis bezahlen am Schluss die Kunden», meint Brand. Swisscom versuche so, ein neues Monopol zu bilden, das sie vor dem Fall der letzten Meile schon auf dem Kupfer innehatte.

Höhere Kosten für die Kunden

Bei der Swisscom gibt man die höheren Kosten offen zu: Giovanni Conti spricht von einem «marginalen Mehrpreis von unter 30 Prozent». Bei den geplanten Investitionen von 2 bis 3 Milliarden Franken bedeutet dies einen Aufpreis von 750 Millionen. Steigt jeder Haushalt auf die neue Technologie um, kostet dies den Schweizer also 240 Franken zu viel. Je mehr Haushalte beim Kupferkabel bleiben, desto teurer wird die Glasfaserleitung für die Kunden. Swisscom nimmt dies in Kauf. Das Unternehmen rechne dafür mit einer Marktdynamik, die schlussendlich den Kunden und der Leistungsentwicklung zugute komme, begründet Conti.

Die Konkurrenz sieht das anders und will dem Netzbetreiber, etwa den EWs, das Bestimmen der Bandbreite überlassen. Der Markt soll stattdessen über das Fernseh-, Internet- und Telefonieangebot bewegt werden.

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