Big Brother Awards 2008

Die Gewinner des neunten Schweizer Big Brother Awards stehen fest. Unter anderem wurden die Staatsanwaltschaft Basel, das Unternehmen Securitas sowie die Krankenkasse CSS Luzern für die schwerwiegendsten Datenschutzverletzungen "ausgezeichnet".

Die Preisträger der Schweizer Big Brother Awards 2008 stehen fest.

» Von Sandra Adlesgruber, 21.10.2008 13:30.

Der grösste Datenschnüffler in der Kategorie "Staats-Award" ist die Fachgruppe 9 der Staatsanwaltschaft Basel. Sie rapportiert dem Inlandgeheimdienst der Bundepolizei, dem "Dienst für Analyse und Prävention" (DAP). "Ausgezeichnet" wurde die Fachgruppe 9, weil sie Informationen über demokratisch gewählte Mitglieder des Basler Parlaments sammelten. Auf den weiteren Rängen platzierten sich der Bundesrat in Zusammenarbeit mit der Bundesanwaltschaft und dem Geheimdienst CIA sowie die Sozialhilfe Basel.

In der Kategorie "Business" hatte Securitas (Abteilung "Investigation Services") in Zollikofen die Schnüffelnase vorne. Sie ermittelte vermutlich im Auftrag von Lebensmittelkonzern Nestlé. Unter den Nominierten befanden sich auch die Migros, Google und die UEFA sowie der Krankenkassenverband Santésuisse, der zusammen mit dem St. Galler Kantonsspital auf sich aufmerksam machte.

Die Krankenkasse CSS (Luzern) siegte in der Kategorie «Arbeitsplatz», weil sie Unternehmen anbietet, abwesende Mitarbeiter zu überwachen. Knapp am Sieg vorbeigeschrammt sind der Zürcher Regierungsrat, die Webseite www.okdoc.ch, die Vormundschaft Winterthur, die Kantonsschule Zürich-Oerlikon, die IWB-Basel und Kantonsrat Jacques-André Haury, der sich für Drogentests bei Schülern stark macht.

Der "Lebenswerk-Award" für besonders hartnäckige Verletzungen der Grundrechte ging dieses Jahr an Kurt Trolliet, Staatsschutzbeamter bei der Berner Kantonspolizei. Er wurde für die willkürliche Festnahme von zwei Journalisten im Umfeld einer politischen Kundgebung im Januar 2008 in der Stadt Bern «belohnt».

Alle Gewinner werden demnächst in der virtuellen "Hall of Shame" verewigt. Die Nomination der Preisträger erfolgte durch die Öffentlichkeit (über 80 Vorschläge). Die Preisvergabe durch ein Organisationskomitee.

Link zum Artikel:

Hall of Shame

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