Best Practices: Fehler müssen erlaubt sein...

Mit "Application Lifecycle Management" (ALM) laufen Software-Projekte schneller und besser. Auf den Zühlke Late Afternoon Talks stellten Experten ihre "Best Practices" vor.

  

» Von Michael Kurzidim, 02.09.2010 14:57.

CIOs wollen die Produktivität erhöhen und die Entwicklungszeiten, Kosten und Risiken senken. Mit ihren Massnahmen adressieren sie die drei Zielbereiche Personal (people), Prozesse und Tools. Im People-Bereich sei etwa eine barrierefreie Kommunikationskultur, eine Fehlerkultur ohne Haken und Ösen extrem hilfreich. "Um Fehler zu finden, müssen sie auch gefunden werden dürfen", betonte Marco Balzarini, Software Engineering Berater bei Zühlke, in seinem Einführungsvortrag auf den Late Afternoon Talks in Schlieren. Wichtig sei ausserdem, Software-Ingenieuren Business-Know-how zu vermitteln. Das Gefühl für Kosten und Geld ist auf Programmiererseite oft nicht sonderlich stark ausgeprägt. Im Prozess-Bereich geben agile, iterative Software-Entwicklungsmethoden die Marschrichtung vor.

Best Practices: Application Lifecycle Management

Schon oft war vom Röstigraben zwischen Business und IT die Rede. Application Lifecycle Management (ALM) versucht, die Gegensätze zu überbrücken, die Methoden des Business und des Software Engineering miteinander zu verheiraten, um so das Beste aus beiden Welten zum Wohle des Unternehmens zu nutzen. Volker Vetter von ABB Power Systems setzt in seinem 50-köpfigen Team seit etwa zwei Jahren ALM-Tools ein, unter anderem Serena Dimensions, Lotus Notes, Visual Studio und TFS Work Items. Bisher laufen zwei Riesenprojekte bei ABB ganz nach Plan. Vetter zieht eine Zwischenbilanz und gibt Praxistipps:

  1. Tools sind der Schlüssel zu ALM: Projekte, in denen ALM-Tools zum Einsatz kommen, tun sich mit der nachvollziehbaren Dokumentetion von Änderungen leichter. Ein weiterer Vorteil nach Vetter: Je durchgängiger ein ALM-Tool den Entwicklungsprozess abbildet, desto ruhiger verläuft das Projekt und desto weniger Informationen stecken in den E-Mails.
  2. Die entscheidenden Kriterien für die Toolakzeptanz sind die Bedienfreundlichkeit (Usability) und eine gelungene Integration etablierter Lösungen: Je einfacher sich ein ALM-Tool an die eigenen Bedürfnisse anpassen lässt, desto besser lässt es sich in kleinen und grossen Projekten nutzen.
  3. ALM hört nicht mit dem Ende des Software-Entwicklungsprozesses auf: Es folgt der Maintenance-Prozess, der meist länger dauert als das Projekt selbst und weniger Ressourcen zugeteilt bekommt.

Begeistert berichtet André Weinand, Change Management Architekt bei IBM Rational, von der ALM-Einführung bei IBM (dort: C/ALM, Collaborative Application Lifecycle Management). Real Time Communication (RTC) habe sich bei IBM meist auf Initiative der Mitarbeiter fast so schnell wie ein Virus verbreitet. Zurzeit gebe es bei IBM mehr als 700 Projekte mit mehr als 8500 Mitarbeitern pro Jahr, und die Adaption von C/ALM zieht nach. Dabei kommt die IBM-eigene Integrationsplattform Jazz zum Einsatz.

 

Teams konfigurieren ihre Tools selbst, definieren neue Rollen und schreiben für diese massgeschneiderte Queries, berichtet Weinand. Häufig entstehen so Neuerungen, die in Produkte Eingang finden, die IBM dann seinen Kunden anbietet. "We are eating our own dog food, we are drinking our own champagne", beschreibt Weinand augenzwinkernd die Methodik. Eine der Riesenvorteile von C/ALM: Application Lifecycle Management bringt Struktur ins Chaos und schafft Transparenz übver grosse Gruppen von Mitarbeitern hinweg.

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