Endlich bekannt: Die IT-Lieferanten des Bundes

Die Bundesverwaltung musste offenlegen, wer ihre Lieferanten sind. Damit ist auch bekannt, wer im IT-Bereich profitiert.

» Von Fabian Vogt , 17.05.2016 13:46.

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Jahrelang wehrte sich die Bundesverwaltung dagegen, ihre externen Lieferanten bekanntzugeben. Die Gründe waren teilweise haarsträubend: Aktienkurse der Firmen könnten beeinflusst werden oder Rückschlüsse auf Kundenstrukturen der Firmen gezogen werden, stand in Gerichtsakten. In Wahrheit ging es aber darum, die Beschaffungsstellen des Bundes aus dem Schussfeld der Öffentlichkeit zu nehmen. Zu viele Beschaffungsprojekte wie der Grippen, die Duro-Sanierung oder Insieme sorgen für Polemik. Erst nachdem die Zeitungen «Le Matin Dimanche» und «SonntagsZeitung» vor dem Bundesgericht ihr Recht auf Transparenz erstritten, mussten die Behörden klein beigeben. Allerdings mit einem Makel: Eine umfassende Liste mit allen Bundeslieferanten gibt es nach wie vor nicht. Die Medien erhielten die Namen der vierzig grössten Auftragnehmer der sieben Departemente und der Bundeskanzlei für die Jahre 2011 bis 2014.

Aus diesen Daten lässt sich ablesen, dass von IT-Aufträgen drei Firmen besonders profitieren: Swisscom machte mit dem Bund zwischen 2011 und 2014 durchschnittlich 90 Millionen Franken Umsatz. Bei Siemens waren es immerhin 48 Millionen Franken. Und Softwareentwicklerin Atos erhielt durchschnittlich 39 Millionen Franken.

Global IT, IBM, Elca

Ebenfalls nicht über schlechte Geschäfte mit der Verwaltung dürfen sich die Berner IT-Dienstleisterin Global IT AG, IBM und Elca Informatik beklagen. Sie konnten dem Bund letztes Jahr Produkte und/oder Dienstleistungen im Wert von jeweils rund 20 Millionen Franken liefern.

Den Daten ist nicht abzulesen, wie sich die Gelder zusammensetzen. Abhilfe dabei könnte die kürzlich vorgestellte Studie der Uni Bern liefern, in der sämtliche publizierten IT-Beschaffungen des Bundes seit 2008 ausgewertet wurden. Klar ist, dass die sechs genannten Firmen rund einen Drittel aller Gelder erhielten, welche der Bund letztes Jahr für IT-Beschaffungen ausgab. Viele weitere Firmen werden vom Bund noch unter Verschluss gehalten.

IT gehört mit einem Volumen von rund 700 Millionen Franken (2014) zu den grösseren Posten im Beschaffungshaushalt des Bundes. Besonders die Rüstungs- und Baubranche verschlingt aber deutlich mehr Steuergelder. Alleine Ruag erhielt seit 2011 durchschnittlich 694 Millionen Franken vom Bund. Duro-Herstellerin Mowag 113 Millionen, wobei diese Zahl in den nächsten Jahren noch ansteigen dürfte.

Von 5,5 Milliarden Franken Beschaffungsausgaben entfielen knapp 700 Millionen auf die IT, inklusive Dienstleistungen.  Demgegenüber stehen 1,2 Milliarden Franken für den Bau von Nationalstrassen, 546 Millionen für Militärische Bauten oder 443 Millionen für den Bereich Maschinen, Rüstungsgüter, Waffen, Schutz- und Verteidigungseinrichtungen».

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