Cyberkriminalität in der Schweiz nimmt zu

In einer weltweiten Umfrage zeigt sich, dass besonders die Finanzinstitute beliebte Ziele von Cyberkriminellen sind. Das gilt auch für die Schweiz, wo die Unternehmen davon ausgehen, in Zukunft immer öfters Cyberattacken ausgesetzt zu sein.

» Von Fabian Vogt , 04.03.2014 14:45.

Eine von vier Schweizer Firmen, die in den letzten zwei Jahren Opfer von Wirtschaftsverbrechen wurde, meldete einen Cyberangriff. Dies sagt die Studie «Economic Crime - a Swiss Perspective» von PriceWaterhouseCoopers, die in eine weltweite Umfrage zum Thema Wirtschaftsverbrechen eingebettet ist. 83 Schweizer Organisationen wurden dafür befragt. Die Dunkelziffer bei den Cyberangriffen könnte wesentlich höher sein, vermutet PwC. Einerseits, weil die Betroffenen den Angriff oft gar nicht bemerken würden. Andererseits, weil der Angriff nicht gemeldet wurde, da dies Unternehmen mehr schadet als nützten würde. «Attacken auf Schweizer Netzwerke werden 2014 nicht ihren Zenit erreichen – aber in den kommenden Jahren stetig zunehmen», fasst PwC die Ergebnisse zusammen.

Dazu passt, dass in jeder der untersuchten Schweizer Regionen ein Viertel bis ein Drittel der Unternehmen denken, in naher Zukunft wohl Opfer von Cyberkriminalität zu werden.

Gefragt nach dem Ursprung der Attacken, sagte die Hälfte der Firmen (47 Prozent), dass sie von ausserhalb des Firmennetzwerks kommen würden. Das ist weniger als bei den anderen befragten westeuropäischen Ländern (60 Prozent). Entsprechend haben die Schweizer eher das Gefühl, Opfer von internen Attacken zu werden. 

Reputation als Hauptsorge

Schweizer Firmen fürchten, dass bei Cyberattacken die Firma in diversen Bereichen leidet. Am meisten würde ihrer Meinung nach die Reputation (30 Prozent) leiden, was noch schlimmer wäre als der Verlust persönlicher Daten (29 Prozent) und die Störung von Prozessen (28 Prozent). Der effektive finanzielle Schaden wird nur von 16 Prozent (global: 36 Prozent) der Befragten als Hauptsorge bei einem Cyberangriff genannt.

43 Prozent der Firmen, die Cyberkriminalität meldeten, stammen aus dem Finanzbereich. In der weltweiten Studie, für die 5128 Antworten aus 99 Ländern ausgewertet wurde, sind es ähnlich viele (45 Prozent). In allen anderen Industrien sind es 12 Prozent (global: 17 Prozent). PwC vermutet eine Ursache in der hohen Zahl darin, dass Finanzinstitute höhere Transparenz- und Sicherheitsmassnahmen unterhalten wie andere Firmen, wodurch die Chance, einen Angriff zu entdecken, grösser ist. Aber natürlich seien Finanzinstitute auch darum lukrative Opfer, weil sie viele sensible Daten speichern würden.

Obwohl sich jeder zweite CEO (47 Prozent) um Gefahren einer Cyberattacke sorgt, verliert Cybersecurity als Wichtigkeit für CEOs an Wert, sagt PwC. «Trotzdem machen die CEOs weiterhin kritische Daten für Management, Mitarbeiter, Kunden oder Zulieferer auf verschiedenen Plattformen verfügbar, weil die ökonomischen Vorteile derart gross scheinen.» PwC kommt darum zum Schluss, dass Cybersecurity kein technologisches, sondern ein menschliches  Problem ist.

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