Traditionelle IT-Outsourcer unter Druck

Der IT-Outsourcing-Markt ist gross und wächst. Weil aber indische Firmen die Preise drücken, kommen andere Anbieter unter Druck. Auch diejenigen, die in der Schweiz tätig sind.

» Von Fabian Vogt , 09.10.2014 16:00.

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Der IT-Outsourcing (ITO)-Markt boomt. Gartner schätzte den Markt letztes Jahr auf 288 Milliarden Dollar. Und in einer Studie von Whitelane Research wurden 4000 Outsourcing-Verträge von 1300 europäischen Firmen angeschaut. Das Fazit: 42 Prozent der befragten Firmen wollen vermehrt in die Auslagerung ihrer IT investieren. Haupttreiber dafür sind (erhoffte) Kostensenkungen, eine Fokussierung aufs Kerngeschäft und eine Verbesserung der Service-Qualität.  

Für die Outsourcing-Firmen in der Schweiz stellt sich die Situation aber nicht nur positiv dar. Einerseits gehen die lukrativen Verträge mit der öffentlichen Hand hierzulande fast ausschliesslich an die Swisscom, die durch Quersubventionen für die Konkurrenz unerreichbare Angebote machen kann. Swisscom wiederum hat dafür nur wenige Chancen, wenn sie mit Firmen wie British Telecom (BT) um Verträge mit global agierenden Unternehmen kämpfen muss. Andererseits zeigt die Studie von Whitelane Research, dass traditionelle Outsourcer stark unter Druck geraten.

In Sachen Kundenzufriedenheit sind die Indischen Anbieter für die europäischen Unternehmen das Mass aller Dinge (vergleiche Bildergalerie). Amerikanische Firmen wie IBM, HP oder Verizon sind abgeschlagen, aber auch T-Systems oder British Telecom kommen nicht an die Spitzenplätze heran. «Ich denke, die Resultate lassen sich mit den verschiedenen Unternehmensstrategien erklären», sagt Jörg Henseleit, Leiter von Orange Business Services (OBS) Schweiz. «Wer standardisierte Services kauft, kann dies überall tun. Aber beispielsweise Software-Entwicklung haben viele zuerst nach Indien ausgelagert und sind anschliessend wieder zurückgekommen.» 

Grosse Kunden - grosser Druck

OBS fokussiert sich hierzulande ausschliesslich auf international tätigte Unternehmen, zählt unter anderem die Zurich Insurance Group, Givaudan und Japan Tobacco International zu den Kunden. Man sei ein wichtiger Eckpfeiler für die rund 20 000-Angestellte starke Orange-Business-Service-Gruppe, sagt Henseleit. Viele Innovationen kämen aus der Schweiz. Ein Pilotprojekt sei beispielsweise Nespresso, für die man ein Outbound-System entwickelte. Bestellt ein Kunde ein halbes Jahr lang keine neuen Kapseln, wird er automatisch angerufen. Das hat Erfolg: jeder vierte Kunde würde auf diesem Weg neue Kapseln kaufen, sagt Henseleit.

OBS leidet aber auch unter starkem Margendruck und musste im Sommer rund 15 Prozent der Stellen in der Schweiz abbauen oder verlagern. «Weitere Restrukturierungsmassnahmen in diese Richtung sind aber nicht geplant», sagt Henseleit.   

Mit Sparen können kurzfristig Margen angehoben werden, langfristig braucht es aber Innovationen. Was die Ideen für die Zukunft sind, stellte Orange Business Services letzte Woche in Paris vor. Um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, möchte man «Partner der Digitalen Transformation sein», sagte CEO Thierry Bonhomme der Computerworld. Um das zu bewerkstelligen, hat man einige Ideen, beispielweise Business VPN Internet. Kunden sollen dadurch geschäftskritische Anwendungen priorisieren, Überlastungen des IP-VPN vermeiden und Sicherheits-Policies durchsetzen können. OBS kümmert sich dabei als Provider gleichzeitig um IP-VPN und Internetservices um den Managementaufwand auf Kundenseite zu reduzieren. Zugang zum Service gibt es über 15 globale Internet-Gateways auf fünf Kontinenten. Damit komme der Traffic näher zum Anwender, Latenzen verkürzten sich, sagt OBS. Das klingt nach einer sinnvollen Anwendung, ansonsten fehlen aber die grossen Ideen. 

So konnten bei Demos nur ein System für RFID-Tracking, eine Art Infotainment-System für Autohersteller und eine Plattform für eHealth präsentiert werden. Diese Ideen hat man kaum exklusiv.

Das ist das Problem vieler Provider: im B2B-Markt sind die Innovationszyklen viel langsamer als im B2C-Bereich. Weswegen viele potenzielle Kunden sehr preissensitiv sind – und die asiatischen Firmen damit deutlich im Vorteil sind. Und schon ist auch ein 300-Milliarden-Markt nicht mehr so gross.

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