Stress am Arbeitsplatz: Junge und Angestellte ohne Führungsfunktion besonders betroffen

Jeder vierte Arbeitnehmer in der Schweiz ist übermässig gestresst. Die Folge ist ein Milliardenschaden für die Schweizer Wirtschaft, sagt eine Studie.

» Von Fabian Vogt , 21.10.2014 16:51.

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Rund ein Viertel aller Arbeitnehmer (rund eine Million Menschen) in der Schweiz ist übermässig gestresst. Zu diesem Ergebnis kommt der «Job-Stress-Index 2014», der von der Uni Bern und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) ausgearbeitet wurde. Wer gestresst sei, sei weniger zufrieden mit der Arbeit und weniger emotional verbunden mit dem Unternehmen, schreiben die Studienautoren. Was zu Kündigungsabsichten und geminderter Produktivität führen kann. 

Die Autoren wollten deswegen herausfinden, ob es Merkmale der berufstätigen Menschen gibt, die sich entweder als gestresst oder stressfrei bezeichnen. Als «signifikante Unterschiede» wurden das Alter und die Position im Unternehmen festgemacht. Personen mit Führungsfunktion haben demnach weniger Stress als gewöhnliche Angestellte. Und je älter ein Arbeitnehmer ist, desto weniger Stress empfindet er. Allerdings sind die Unterschiede minim, allgemeingültige Aussagen sind deshalb nur schwer zu treffen. Einen Erklärungsversuch wagen die Studienautoren dennoch: Chefs könnten öfters entscheiden, wie und wann sie Arbeitsaufgaben erfüllen wollen, was zu weniger Stress führt. Bezogen auf andere Indikatoren wie Grossregionen, Geschlecht, Branchen oder Bildungsabschluss konnten keine Unterschiede festgestelltwerden.

Erschöpfung als Grund für Invalidenrente

Nebst dem Stress-Faktor wurde auch die Erschöpfung am Arbeitsplatz untersucht. Diese geht von einem «Gefühl der Überbeanspruchung, des Energieverlustes und des Ausgelaugtseins» aus. Nichts reize mehr, nichts fordere heraus, nichts entfache das früher vorhandene Feuer für eine Sache. Sie sei wichtiges Bindeglied zwischen Belastungen undgesundheitlichen Folgen. Zu hohe Erschöpfung könne sich in einem Burnout, Depressionen, Schlafstörungen oder chronischen Krankheiten wie Rückenschmerzen manifestieren, sagen die Autoren. Was wiederum zu Leistungsrückgang, Entscheidungsproblemen, Arbeitsausfällen, Krankheitsbehandlungen oder sogar Invalidenrenten führen könne.

Indem die rund 3500 Teilnehmer der Online-Umfrage Auskunft über Fragen zu Müdigkeit, Erholungszeiten, emotionalem Ausgelaugtsein und der eigenen Fitness gaben, wurde die Erschöpfungsrate definiert. 40 Prozent der Befragten berichteten über Erschöpfung. Ein Viertel über ziemlich hohe bis hohe Erschöpfung. Frauen und Vollzeitangestellte sind davon mehr betroffen als Männer und Teilzeitarbeitende. Und erneut jüngere mehr als ältere Arbeitnehmer.

5,5 Milliarden durch Stressabbau sparen

Stress-Faktor und Erschöpfungsrate hängen natürlich zusammen. Wer hohe Werte erreicht, beeinträchtigt höchstwahrscheinlich sowohl seine Gesundheit als auch seine Produktivität. So fehlen Menschen mit hohem Job-Stress-Index im Durchschnitt 4,3 Prozent der Arbeitszeit wegen Krankheit (gegenüber 3,3 Prozent von Menschen, die keinen hohen Job-Stress-Index aufweisen). Und arbeiten sie trotzdem, ist ihre Produktivität um 15,3 Prozent verringert (gegenüber 10,3 Prozent).

Würden die Arbeitnehmer weniger stark belastet, könnte die Wirtschaft deshalb 5,5 Milliarden jährlich sparen, wird in der Studie geschätzt. Diese Zahl kommt zustande durch eine verbesserte Arbeitsleistung, die 75 Prozent des ökonomischen Potenzials (4,2 Milliarden Franken) ausmacht, und die Reduktion von Fehlzeiten, die 25 Prozent des ökonomischen Potenzials (1,3 Milliarden Franken) ausmacht.

Und Stressprävention würde wirken, sagt Gesundheitsförderung Schweiz, die die Studie in Auftrag gab. Sie führte eine eigene Studie in acht Schweizer Grossbetrieben mit 5000 Mitarbeitern durch. Bei jedem vierten Teilnehmer hätten Präventionsmassnahmen klare Wirkung gezeigt.

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KOMMENTARE

Irgend Einer: 22-10-14 17:54

Positiver Stress ist, wie es das Wort schon sagt, absolut positiv. Negativen Stress gibt es nicht, das ist letztlich schlicht die eigene Überforderung. In meinen Augen sind Burnouts, Erschöpfungszustände, etc, etc lediglich ein Mode-Thema. Alles Weicheier.

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