Schweizer Arbeitnehmer verhalten sich meist korrekt

Mehr als die Hälfte der Schweizer Arbeitnehmer verhält sich am Arbeitsplatz falsch. Vor allem Tagträumereien sind an der Tagesordnung, sagt eine Studie der ETH und der Uni Zürich.

» Von Fabian Vogt , 29.11.2012 16:19.

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Fünfzig Prozent der Schweizer Arbeitnehmer haben sich am Arbeitsplatz schon einmal falsch verhalten. Am häufigsten wird dabei während der Arbeit fantasiert und geträumt, eine zusätzliche längere Pause eingelegt oder sich wenig bei der Arbeit angestrengt. Deutlich seltener kommen die Beschäftigten ohne Erlaubnis zu spät zur Arbeit. Zu diesem Ergebnis kommt das «Schweizer Human-Relations-Barometer» (PDF), eine Arbeitsverhaltensstudie der Universität Zürich und der ETH Zürich, die 1483 Beschäftigte in der Schweiz befragt hat.

Unerlaubtes Bereichern kommt sehr selten vor

Die Studie zeigt allerdings, dass es auch Arbeitnehmer gibt, welche wesentlich unternehmensschädigerende Dinge tun. So hat jede vierte Person im letzten Jahr vertrauliche Firmeninformationen mit einer unautorisierten Person geteilt, jede sechste mindestens einmal innerhalb des letzten Jahres Firmenei­gentum entwendet, jede siebte Person mindestens einmal absichtlich die Arbeitsumgebung verschmutzt, jede achte mindestens ein­mal Arbeit hinausgezögert, um Überstunden zu verbuchen und jede zwölfte Person hat mindestens einmal innerhalb des letzten Jahres ille­gale Drogen oder Alkohol am Arbeitsplatz konsumiert. Und fast jede hundertste Person gab am, innerhalb des letzten Jahres häufiger als fünfmal eine Quittung gefälscht zu haben, um mehr Geld zu erhalten.

Als einziger personaler Faktor hat die Studie das Alter der Teilnehmer festgestellt. Jüngere Arbeitnehmer neigen demnach eher zu Fehlverhalten am Arbeitsplatz als die älteren Kollegen. Wesentlich mehr Gewicht für das eigene Verhalten scheint die Arbeitsbeziehung zu haben: Je geringer das Vertrauen der Beschäftigten zum Arbeitgeber, desto eher neigen sie zu Fehlverhalten. Befragte, die mit dem Vorgesetzen offen über Probleme reden können, verhalten sich zudem deutlich seltener fehl. Ebenfalls ein Faktor ist die Selbstreflexion. Je leistungsstärker sich ein Arbeitnehmer einschätzt, umso seltener verhält er sich falsch. Auch Beschäftigte, die bei einem möglichen Arbeitsplatzverlust glauben, auf dem Arbeitsmarkt schnell eine vergleichbare Stelle zu finden, neigen zu weniger Fehlverhalten. Somit lohnt es sich für die Unternehmen, eine vertrauensvolle Umgebung zu schaffen, in der offen über Probleme diskutiert werden kann.

Dies  scheint momentan nur für zwei Drittel der Befragten der Fall zu sein. Der Rest gibt an, Probleme am Arbeitsplatz nur teilweise (16 Prozent) oder gar nicht (18 Prozent) ansprechen zu können. Am ehesten können  die Angestellten mit ihrem Arbeitgeber gut über gesundheitliche Probleme sprechen (63 Prozent), immerhin die Hälfte (55 Prozent) kann gut über Konflikte mit Arbeitskollegen reden. Mehr Probleme haben die Befragten wenn es darum geht, mangelnde Kompetenzen und Leistungen von anderen, Probleme mit der Firmenpolitik und vor allem auch Lohnprobleme anzusprechen. Nur 42 Prozent der Befragten können dies mühelos tun, 23 Prozent können es teilweise tun und 35 Prozent haben grosse Mühe, mit Vorgesetzten über den Lohn zu sprechen.

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