IBM: Kunden in die Geschäftsleitung

Jeder einzelne Kunde wird in Zukunft einen Einfluss auf Unternehmensgeschäfte haben. Das sehen Führungskräfte als Herausforderung an, sie sehen sich dem aber auch mit IT nicht gewachsen.

» Von Mark Schröder , 29.11.2013 16:05.

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Die Geschäfte der Zukunft werden in der Schweiz weniger von neuen technologischen Entwicklungen beeinflusst als auch schon. Hiesige Führungskräfte sehen vielmehr erstens die sich verändernden Märkte, zweitens die stärkere Regulierung und drittens makroökonomische Entwicklungen als entscheidende externe Einflussfaktoren auf die Zukunft ihrer Unternehmen an. Laut der «Global C-suite Study» billigen die Schweizer Kader der Technologie erstmals nicht die höchste Priorität zu. In den vergangenen Umfragen war es noch so.

Verliert jetzt der CIO an Gewicht in der Geschäftsleitung? Nein, meinen die 92 hierzulande befragten Führungskräfte – und auch die weltweit über 4000 Kollegen. Auf den IT-Leiter sowie auch den Marketingchef (CMO) kommen vielmehr grosse Herausforderungen zu. Wie die Umfrage des IBM Institute for Business Value (IBV) auch ergab, wird jeder einzelne Kunde einen Einfluss auf das Geschäft gewinnen. Über Kanäle wie Mobile, Social Media und Online äussern schon heute die Verbraucher ihre Meinung, bewerten Produkte und geben Kaufempfehlungen. Diese Entwicklungen beobachten hierzulande 42 Prozent, weltweit sind es sogar 54 Prozent. Den neuen Marktverhältnissen müssen sich Schweizer und auch Firmen weltweit anpassen – mit einer «digitalen» Strategie für Informatik und Marketing.

Wie IBMs Urs Karrer an der Präsentation der Umfrageresultate in Zürich erklärte, sind die meisten Unternehmen Raum auf die neuen Machtverhältnisse am Markt nicht vorbereitet. Nur 23 Prozent haben eine digitale Strategie, weltweit sind es immerhin 36 Prozent, sagte der Senior Managing Consultant Global Business Services bei IBM. Umgekehrt verweigern sich 38 Prozent der Schweizer und 32 Prozent der Führungskräfte, eine digitale Strategie festzulegen.

Die Gründe für die Verweigerung einer digitale Strategie sind eher organisatorisch als rechtlich oder technisch: Am häufigsten genannt wurde der Mangel einer durchgängigen Social-Media-Strategie (73 Prozent), die Priorität anderer Projekte (53 Prozent), die Schwierigkeiten bei der Erfolgsmessung (45 Prozent) und die fehlende Unterstützung durch die Unternehmensführung. Rechtliche und Sicherheitsbedenken, Missbrauchsängste und Technologiemängel spielen hierzulande nur eine untergeordnete Rolle (36, 24 und 20 Prozent). «Der Weg zur digitalen Strategie ist noch keine Schnellstrasse, sondern eher ein Trampelpfad», meinte Karrer.

Die Schweizer Unternehmen sind laut Umfrage aber nicht vollkommen untätig. Nach Aussage des IBM-Managers ist für viele Firmen der e-Commerce ein starker Treiber der Digitalisierung des Geschäfts. Durch einen Online-Shop würden aber auch neue Märkte erschlossen. Anders sehen die Führungskräfte den Einsatz von Social Media im Geschäft. Facebook, Twitter & Co. werden eher als Herausforderung betrachtet, ihre wirtschaftliche Relevanz eher (noch) nicht anerkannt. Entsprechend hat Social Media tiefste Priorität in den hiesigen Führungsetagen. Diese Ansicht steht laut Karrer im Widerspruch zu den 42 Prozent der Firmenverantwortlichen, die den Kunden einen signifikanten Einfluss auf das künftige Geschäft zubilligen.

 

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