Führungskraft werden - Führungskraft bleiben

Wie Sie zum Start Ihrer Karriere als Vorgesetzter vorgehen sollten und welche Fehler zu vermeiden sind, sagt Stefan Bald.

Ein guter Start garantiert nicht, dass man ein guter Chef sein wird.

» Von Computerwoche, 09.07.2012 11:26.

Dieser Artikel wurde ursprünglich in unserer Schwesterpublikation Computerwoche.de publiziert. Als Autor ist Stefan Bald, Co-Geschäftsführer der Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner, angegeben.

Die ersten 100 Tage entscheiden meist über den Erfolg einer neuen Führungskraft. Macht sie in dieser Zeit grosse Fehler, bekommt sie oft kein Bein mehr auf den Boden. Hier einige Tipps, die Sie (nicht nur) frischgebackene Führungskraft beim Antritt einer neuen Stelle beherzigen soll

Ein Beispiel: Ein 32-jähriger Betriebswirt wird zum Leiter der Abteilung Kundenbetreuung befördert. Schwungvoll geht er ans Werk. Flugs gestaltet er in den ersten Tagen zentrale Arbeitsabläufe in seiner Abteilung um. Ausserdem streicht er die gewohnten Besprechungen am Wochenanfang, die von allen als Zeitverschwendung angesehen werden. Danach beschäftigt er sich wochenlang vor allem mit dem Austüfteln eines Beschwerdemanagementsystems. Mit ihm will er Pluspunkte bei der Firmenleitung sammeln.

Anfangs lassen sich die Mitarbeiter vom Tempo ihres neuen Vorgesetzten und von dessen Organisationstalent und -eifer inspirieren. Hoch motiviert arbeiten sie in den ersten drei, vier Wochen. Doch dann fällt ihre Leistung spürbar ab. Solche Prozesse registriert man immer wieder, wenn eine junge Führungskraft ihr Amt antritt. Warum?

Die Mitarbeiter ins Boot holen

Ein zentrales Versäumnis des neuen Leiters der Abteilung Kundenbetreuung war: Er holte seine Mitarbeiter nicht «mit ins Boot». Er informierte sie weder über seine Arbeit, noch nutzt er ihre Erfahrung. Deshalb fragten sich seine Mitarbeiter irgendwann: Mit welch nutzlosem Kram beschäftigt der sich eigentlich den ganzen Tag? Der neue Leiter der Abteilung Kundenbetreuung vermittelte seinen Mitarbeitern zudem keine Vision, wie sich die Zusammenarbeit künftig gestalten solle. Er verständigte sich mit ihnen auch nicht auf Ziele, die es bei der gemeinsamen Arbeit zu erreichen gilt.

Also legten sich die Mitarbeiter zwar anfangs ins Zeug, um dem Neuen zu signalisieren: Ich bin ein guter Mann beziehungsweise eine gute Frau. Doch dann registrierten sie: Unser neuer Chef interessiert sich eigentlich gar nicht für uns und unsere Arbeit; er ist weitgehend mit sich selbst beschäftigt. Also schalten sie ein, zwei Gänge runter. Das heisst: Ihr anfänglicher Elan liess nach - auch weil ihnen die nötige Orientierung im Arbeitsalltag fehlte.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Wie hätte die junge Führungskraft dies vermeiden können?

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