Chaos beim Enterprise Content Management

Schweizer Unternehmen sind bereit, im Jahresdurchschnitt 440.000 Franken in ECM-Lösungen zu investieren. Die Hälfte steckt jedoch noch in der Experimentierphase. Wo liegen die Pain Points?

  

» Von Michael Kurzidim, 10.06.2010 20:04.

Die weltweite Datenmenge steigt mit einer jährlichen Wachstumsrate von 50 Prozent. Nur etwa zehn Prozent der Informationen steckt jedoch in Applikationen mit strukturiertem Ablagesystem wie ERP-, SCM- oder Legacy-Lösungen. 90 Prozent sind unstrukturierte, gleichwohl wichtige Daten, die irgendwo einmal abgespeichert wurden. "Ablagitis" bringt dabei jedoch gar nichts. Denn benötigt ein Mitarbeiter dringend einen bestimmten Blogeintrag, eine Produktbroschüre oder eine Kunden-Mail, geht die Sucherei los.

500'000 Franken pro Jahr

ECM-Systeme (Enterprise Content Management) sind - im Prinzip - in der Lage, das Chaos zu bändigen. Das ist auch Schweizer Unternehmen in den letzten Jahren klar geworden, und 19 Prozent sind sogar bereit, tief in die Tasche zu greifen und pro Jahr mehr als 500.000 Franken in die Hand zu nehmen, hat die Unternehmensberatung Sieber & Partners in ihrer Studie "Enterprise Content Management 2010" herausgefunden. Die Hälfte der Firmen ist jedoch über das Experimentierstadium noch nicht hinausgekommen. Zum Vergleich: In der Disziplin ERP haben 70 Prozent bereits die Reifephase erreicht, in der vor allem Optimierung und Integration auf der To-do-Liste stehen. Sieber & Partners befragte von April bis Mai 2010 269 Schweizer Entscheidungsträger aus den Wirtschaftsbereichen (Wissensclustern) Industrie (83), Dienstleister (121) und Experten (67).

Woran liegt es, dass gut die Hälfte der Schweizer Organisationen in punkto ECM noch im Dunkeln tappen? Die Herausforderungen sehen je nach Marktsegment anders aus. Das grösste Problem der Industrieunternehmen und Dienstleister liegt in der zweckgerechten Aufbereitung von Kenntnissen und Erfahrungen (Wissensmanagement). Auch die unternehmensweite Suche nach elektronischen Dokumenten zeitigt anscheinend noch keine befriedigenden Resultate. Die Industrie sieht sich in erster Linie bei der Prozessautomation (Workflow Management) vor riesige Probleme gestellt. Die Automation von Geschäftsprozessen stellt für Industrieunternehmen sogar das Hauptproblem dar. Die revisionssichere Ablage ist vor allem für Banken, Ämter und Spitäler noch nicht zufriedenstellend gelöst.

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