Amazon - die heimliche Supermacht

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich Amazon.com zum wichtigsten Public-Cloud-Provider entwickelt. Mit immer neuen Diensten dringt der Anbieter in das Terrain klassischer ITK-Grössen ein.

Amazons CEO, Jim Bezos, hat eine klare Strategie

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» Von Wolfgang Herrmann , 23.05.2012 16:26.

Dieser Artikel ist ursprünglich in unserer Schwesterpublikation Computerwoche.de erschienen. 

Einkaufen mit einem einzigen Mausklick. So kennen die meisten Web-Nutzer den weltgrössten Online-Einzelhändler Amazon.com. Das Angebot reicht von Büchern, Musik und Software über Elektronikgeräte aller Art bis hin zu Bekleidung und Lebensmitteln. Mit rund 56.000 Mitarbeitern setzte das einstige Startup-Unternehmen aus Seattle im vergangenen Jahr mehr als 48 Milliarden Dollar um.

Weit weniger bekannt ist die Rolle Amazons als IT-Dienstleister. Abseits der klassischen IT-Branche hat sich die erst 2006 gegründete Sparte Amazon Web Services (AWS) zum wichtigsten Anbieter von Public-Cloud-Diensten gemausert. «Amazon ist hier unangefochtener Marktführer und hat gegenüber den Konkurrenten einen Vorsprung von mehreren Jahren», urteilt Carlo Velten vom Marktforschungs- und Beratungshaus Experton Group. Kein anderer Player investiere in vergleichbarem Ausmass in die Public Cloud. Zu den ersten Nutzern der Amazon-Cloud gehörten E-Commerce-Shops und Startups ohne eigene IT-Ressourcen. Heute stehen Unternehmen aller Grössenklassen aus unterschiedlichsten Branchen auf der Kundenliste.

«Alles begann mit dem Storage-Dienst S3, den wir unseren Handelskunden anboten», berichtet Matt Wood, Technology Evangelist Amazon Web Services für die Region Emea. Seitdem hat AWS das Portfolio an Cloud-Services massiv ausgebaut. Neben klassischen Infrastrukturdiensten, vulgo Server und Speicher zur Miete, gehören dazu etwa relationale und NoSQL-Datenbanken in der Cloud (RDS, DynamoDB), die Middleware Simple Queue Service (SQS) oder Elastic Beanstalk für das Deployment von Java- und PHP-Anwendungen. 

Insgesamt 28 verschiedene Cloud-Services hat AWS mittlerweile im Angebot (Details dazu im Beitrag: AWS drängt in die Unternehmens-IT). Besonders jüngere Angebote wie der Simple Workflow Service (SWF) für die Entwicklung komplexer Geschäftsanwendungen in der Amazon-Cloud oder auch der im April vorgestellte AWS Marketplace lassen einen klaren Trend erkennen: AWS bewegt sich vom reinen IaaS-Anbieter (Infrastructure as a Service) zu einem PaaS-Provider (Platform as a Service), der längst nicht mehr nur Internet-Startups, sondern auch die IT-Abteilungen grosser Unternehmen im Visier hat.

Wie gross ist die Amazon-Cloud?

Wie viele andere Cloud-Provider macht Amazon ein grosses Geheimnis um seine Rechenzentren. So gibt es heftige Spekulationen um die Anzahl der Server, die das Unternehmen unter anderem in den USA, Europa, Brasilien, Singapur und Tokio betreibt. Der Accenture-Analyst Huan Liu etwa geht von 445.000 Servern aus, eine Zahl, die andere Branchenbeobachter für zu hoch halten. Allein das Data-Center-Cluster im US-Bundesstaat Virginia beherberge rund 322.000 Rechner, schätzt Liu. 

Welche Bedeutung die Amazon-Cloud schon jetzt im weltweiten Internet-Verkehr hat, verdeutlicht eine Traffic-Analyse des amerikanischen Startups Deepfield Networks für die Region Nordamerika. Demnach besucht rund ein Drittel aller Internet-Nutzer jeden Tag eine Website, die auf Amazons Infrastruktur aufsetzt. Craig Labovitz, ein bekannter Internet-Analyst und Mitgründer von Deepfield, beschreibt Amazon als «massive utility», über die rund ein Prozent des gesamten Internet-Traffics in Nordamerika laufe.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Welche Strategie verfolgt AWS?

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