«Wir profitieren von der Globalisierung»

Die Genfer Société Générale de Surveillance (SGS) ist Weltmarktführerin in der Prüf- und Zertifizierungsbranche. Group CIO Christoph Heidler erklärt, warum IoT und Digitalisierung zum Kerngeschäft gehören.

» Von Interview: Barbara Mooser, Fotos: Markus Senn, 24.04.2017 07:00.

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Computerworld: SGS hat weltweit rund 90 000 Mitarbeiter und 2000 Niederlassungen. Kann man da als CIO überhaupt noch wissen, wo was läuft?

Christoph Heidler: Das ist wirklich nicht so einfach, aber wir haben unsere Systemlandschaft komplett inventarisiert und über die Jahre eine sehr gute Change Governance geschaffen. Für jede Veränderung gibt es genau definierte Prozesse. So hat man als CIO immer noch das Steuer in der Hand.

CW: Wie weit dürfen die lokalen Niederlassungen bei der IT mitreden?

Heidler: Wir haben einen Budgetrahmen gesteckt, in dem auch lokal entschieden werden kann – sofern es nicht standardverletzend ist. Der Kern unseres Business ist ein lokales Geschäft mit lokalen Bedürfnissen. Die Niederlassungen brauchen die entsprechende Flexibilität und Agilität, um auf solche Bedürfnisse eingehen zu können.

CW: Die Niederlassungen dürfen also selbst IT einkaufen?

Heidler: Nach den Regeln des Standards und den Budgetvorgaben.

CW: Welche sind das?

Heidler: Wir haben überall im globalen Netzwerk der SGS Standards: den gleichen PC, ein CRM, ein ERP und demnächst auch das gleiche HR-System. Selbst wenn Standorte für 500 Franken eine CRM-Cloud-Subskription kaufen könnten, dürften sie es nicht, obwohl der Kaufpreis weit unter der lokalen Freigabegrenze liegt. Spätestens bei einem Projekt mit mehr als 100 Manntagen oder Kosten ab 100'000 Franken muss ein solches Projekt auf meinem Schreibtisch landen.

CW: Ist Konsolidierung bei Ihnen ein Thema oder haben Sie die schon erledigt?

Heidler: Konsolidierung ist für uns ein wich­tiges Thema. Wir haben in den letzten Jahren mehr auf das Backoffice und die Labore fokussiert. In diesen Bereichen sind wir schon sehr gut konsolidiert. Jetzt arbeiten wir an den Systemen, die unsere Inspektoren und Auditoren beim Kunden vor Ort einsetzen. Dieser Bereich hat die höchste Komplexität. Wir sind an so vielen Orten tätig und bieten so viele Services an, die in hohem Masse auf den Kunden zugeschnitten sind, dass es nicht immer offensichtlich ist, wie konsolidiert werden kann.

CW: Es macht wohl auch nicht überall Sinn. Ich kann mir vorstellen, dass es schneller geht, für einen spezifischen Zweck neue IT anzuschaffen, ohne den ganzen Standardisierungsprozess zu durchlaufen.

Heidler: Das ist genau der Punkt: die Agilität. Natürlich denken wir auch über eine digitale Plattform nach und führen dazu verschiedene Gespräche. Aber realistisch gesehen, haben wir heute noch einen extrem hohen Mix an verschiedenen Systemen.

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