HPs Desaster: schlechte Manager und falsche Sparmassnahmen

Rigorose Sparmassnahmen und krasses Missmanagement machen die Experton-Analysten Zilch und Vogt für die aktuelle Situation bei HP verantwortlich. Die Technologieführerschaft sei verloren gegangen. Dem angekündigten Split stellen sie ein gemischtes Zeugnis aus.

» Von Michael Kurzidim , 11.10.2014 16:05.

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Die Experton-Analysten Andreas Zilch und Arnold Vogt nehme die neue HP unter die Lupe. Hewlett-Packard spaltet sich in zwei rechtlich selbstständige Einheiten auf: HP Inc. wird das Drucker- und PC-Geschäft weiterführen, Hewlett-Packard Enterprise fasst das Geschäft mit Professional Services, Servern, Storage, Netzwerken und Software unter einem Dach zusammen.

Diese Organisationsänderung bei HP, so das Fazit der beiden Analysten, habe kurzfristig keine positiven Einflüsse auf das Angebot und die Leistungen des Unternehmens. Kunden müssten durch Unsicherheiten und Übergänge eher mit negativen Einflüssen rechnen. Gesamtverträge mit HP gehörten deshalb auf den Prüfstand. Zudem seien solche Veränderungen für die Konkurrenz immer eingefundenes Fressen und eine Chance, verunsicherte HP-Kunden zu übernehmen.

Historisches Desaster

HP sei immer ein technologischer Marktführer gewesen und konnte Innovationen sehr zeitnah in Enterprise-Qualität für seine Kunden umsetzen. Diese Technologieführerschaft sei aber - primär durch Sparmassnahmen - fast komplett verloren gegangen. Dieses harsche Urteil fällen die beiden Analysten im Wesentlichen über alle Hardware-Komponenten, also Clients, Server und Storage. "Dies ist ein historisches Desaster und auf krasse Management-Fehler zurückzuführen", schreiben Zilch und Vogt in einem aktuellen Newsletter. Es zu korrigieren sei möglich, aber schwierig.

Services: massiver Qualitätsverlust

HP sei ausserdem gerade bei seinen Enterprise-Kunden wegen des herausragenden Services (TS - Technical Services) sehr beliebt gewesen. "Selbst wenn HP einmal nicht technologisch führend war, waren die Kunden zufrieden und treu". Der Technische Service für Enterprise-Kunden habe jedoch in den letzten Jahren massiv an Qualität eingebüsst. "Wo früher die Kunden dies als wesentlichen Grund für die Zufriedenheit und langfristige Zusammenarbeit mit HP angaben, hat sich das bei einigen uns bekannten grossen HP-Kunden ins komplette Gegenteilt verkehrt", sagen Zilch und Vogt mit Fokus auf den deutschen Markt.

Etablierte HP-Unkultur

Die Gründe dafür seien vielfältig, hätten aber sicher auch mit den zwischenzeitlichen Kürzungen und der Erosion der installierten Basis zu tun. Ein weiterer Grund für die Schwäche im Technologiebereich sei die mittlerweile etablierte HP-Kultur, viel zu lange an veralteten und nicht mehr marktkonformen Produkten festzuhalten.

Aus finanzieller Sicht und aus Aktionärsperspektive sei der HP-Split durchaus positiv zu bewerten. Die Geschäftsmodelle von HP Inc. und Hewlett-Packard Enterprise seien sehr unterschiedlich und könnten getrennt besser angepasst werden. Beide Bereiche lassen sich zudem getrennt besser verkaufen. Zudem sei die Entflechtung von Mischkonzerne ein globaler Business-Trend, um den Unternehmenswert (Aktienkurs) insgesamt zu steigern. Für aktuelle und zukünftige HP-Kunden seien jedoch noch keine Vorteile in Sicht.

Positive Trends

Durch den Split teilt sich die alte HP in zwei, zumindest finanziell gleich starke Unternehmen auf, beide mit einem Jahresumsatz von etwa 57 Milliarden US-Dollar. HP Inc. trauen die Experton-Analysten zu, wieder zur alten Innovationskultur zurückzufinden. Denn bei PCs und Druckern sei ein positiver Trend erkennbar. Bei Hewlett-Packard Enterprise dagegen sehe es aktuell eher negativ aus.

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KOMMENTARE

Armin Heinzmann: 14-10-14 00:08

Wer wie HP 90% der Einnahmen an verwaltungsgeile Manager und Excel-Hengste weitergibt, muss sich nicht wundern, wenn alles den Bach runter geht. Gleiches passiert 'dank' immer mehr US-Managern derzeit in fast allen Schweizer Grossbetrieben. Einzige Lösung wäre, sämtliche angelsächsischen Manager per sofort rauszuwerfen - nur dann hätten wir vielleicht noch eine Chance ... aber nur vielleicht, denn an UNI, HSG, ETH usw. wird mittlerweile der gleiche Mist gepredigt, was Firmen wie HP zu Fall gebracht hat ...

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