Hewlett-Packard: Was bedeutet die Aufspaltung wirklich?

Welche Zukunftsaussichten haben die beiden neuen HPs? Was bedeutet der Split in Hewlett-Packard Enterprise und HP Inc. für die Kunden der alten HP?

» Von Michael Kurzidim , 09.10.2014 19:27. Letztes Update, 10.10.2014 08:52.

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Hewlett-Packards Split in zwei Unternehmen macht die beiden neuen Firmen agiler, aber auch anfälliger für Attacken von Rivalen wie Oracle, EMC oder IBM. Die amtierende HP-Chefin Meg Whitman sieht es (natürlich) positiv. "Flinker und agiler zu werden ist für uns der einzige Weg zum Erfolg", betonte Whitman auf einer Pressekonferenz Anfang der Woche. Die Aufsplittung in zwei Unternehmen ermögliche es jedem einzelnen Management-Team, sich besser auf die eigenen Geschäfte zu konzentrieren. Das stimmt im Prinzip, aber das Gespenst der Übernahme geht um.

Bis Oktober 2015 will sich die alte HP in zwei neue Unternehmen aufteilen: Hewlett-Packard Enterprise mit den profitablen Geschäftseinheiten Software, Services und Servern und HP Inc. mit den kränkelnden Druckern, Desktops und Laptops. Es sieht so aus, als habe HP - ähnlich wie die Finanzindustrie vor einigen Jahren - seine weniger profitablen Geschäftseinheiten in eine "Bad Bank" abgeschoben, damit die profitablen und gesunden Units besser durchstarten können.

Hewlett-Packard Enterprise: Marktwert steigt

Die Aussichten für die neue Hewlett-Packard Enterprise beurteilen die Analysten im Grossen und Ganzen als gut. "Ich erwarte, dass Hewlett-Packard Enterprise viel schneller und aggressiver durchstarten wird", sagte Holger Mueller, Vice President und Chefanalyst bei Constellation Research. "Der Marktwert der Enterprise-Seite dürfte steigen, wenn bald das Commodity-Geschäft mit PCs und Druckern abgespalten wird". Aber auch für die neue HP Inc. sieht Mueller die Zukunft nicht ganz so schwarz. Sie könnte etwa ein hochpreisigeres Top-Label werden. Insgesamt, so Muellers Fazit, werde die neue Organisationsstruktur den Fokus und die Intensität beider Unternehmen stärken. Daran habe es der alten HP gemangelt.

Flucht in Enterprise-Apps?

Ein Unternehmen wie HP solle sich so schnell wie möglich Richtung Applikationen bewegen, meint Michael Cote, Leiter Infrastructure Software Practice bei 451 Research. Für HP bedeutete das nicht, in das Geschäft mit Enterprise-Applikationen einzusteigen, sondern sich über die Betriebssyteme hinaus in höhere Level auf dem Stack hochzuarbeiten. Mit dem unteren Stack, der aus Betriebssystemen, Virtualisierungstechnologie und sogar Cloud-Plattformen bestehe, sei nämlich nicht mehr viel Geld zu verdienen.

HP müsse auf Grundlage der Infrastruktur "Use Cases" bündeln und dann sozusagen als fix und fertiges Paket, das sofort in den produktiven Einsatz gehen kann, dem Markt anbieten. Eine Option wäre zum Beispiel, Partnerschaften mit Unternehmen wie SAP, Oracle oder Salesforce, die zum Teil schon bestehen, weiter auszubauen. Etwas aggressiver schätzt Research Analyst Glenn O'Donnell die Situation ein. Software sei für HP über die letzten Jahre eine eher durchwachsene Sache gewesen. HP müsse sich in Software stärker reinknien, und würde dann ein ganz anderes Unternehmen werden, meint O'Donnell. Eine Option bestünde darin, Software-Firmen zu akquirieren, um schneller in den Markt der Enterprise-Applikationen hinein zu kommen.

Wang: "Split insgesamt eine schlechte Idee"

Als einen Schritt in die völlig falsche Richtung schätzt Ray Wang, Gründer und Vorsitzender von Constellation Research, die geplante Aufspaltung in zwei Unternehmen ein. "Der Markt bewegt sich zurzeit in Richtung Software-embedded Hardware, und gerade jetzt spaltet sich HP auf", sagte Wang und schüttelt darüber den Kopf. Es entstehen gerade viele Start-ups, die sich mit eingebetteten Devices und Systemen beschäftigen. Jetzt sei nicht die Zeit, sich in zwei Unternehmen aufzuteilen. HP verliere dadurch Synergie-Effekte in den Bereichen Forschung & Entwicklung, in der Supply Chain und punkto "intellectual property". Insgesamt, so sein Fazit, sei der Split eine schlechte Idee.

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