«Es wird sehr grosse Änderungen geben»

» Von David Lee , 02.06.2017 14:47.

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CW: Sie forschen also nun an etwas, von dem Sie wissen, dass es nur wenig nützt?

Volk: Ja, denn wir müssen als Forschungsgruppe eine Nische suchen, die nicht schon von den ganz Grossen wie Google bearbeitet wird. Wir konzentrieren uns dementsprechend auch auf Sprachen, die für die Schweiz besonders wichtig sind, zum Beispiel Deutsch-Französisch-Übersetzungen. Bei Google steht ja hauptsächlich Englisch im Fokus.

CW: Darum wird das Projekt wohl auch vom Nationalfonds unterstützt.

Volk: Das ist beim SNF ein gutes Zusatzargument, aber kein zwingendes Kriterium. Wir haben ein Übersetzungssystem für die Sprachen Spanisch und Quechua untersucht, und das wurde auch vom SNF gesponsert. Ich finde es bemerkenswert und dankenswert, dass der SNF sich auf so etwas einlässt. Es war ja völlig klar, dass dies reine Grundlagenforschung ist und weder wir noch irgendwelche Firmen in der Schweiz damit jemals reich werden können. Quechua hat zwar 10 Millionen Sprecher, aber kaum Schriftliches – es erscheint nicht eine einzige Zeitung in dieser Sprache. Es ging in diesem Projekt auch um die Erhaltung dieser Sprache.

CW: Wie entstehen denn Forschungsprojekte? Oder anders gefragt: Wer entscheidet, in welche Richtung geforscht wird? Welche Rolle spielt die Finanzierung?

Volk: Da spielen mehrere Dinge eine Rolle. Zuerst einmal gibt es eine langfristige Forschungsstrategie. Zum Beispiel haben wir uns bisher immer auf schriftliche Texte beschränkt. Jetzt ist die Phonetik-Forschungsgruppe zu uns gezogen, damit sieht das etwas anders aus. Ein langfristiger Grundsatz ist auch, dass alle unsere Projekte mehrsprachig ausgerichtet sind. Zum Beispiel soll Meinungsanalyse nicht nur auf Deutsch funktionieren. Zum Zweiten orientieren wir uns auch an internationalen Entwicklungen – das beste Beispiel sind hier die neuronalen Netze. Und das dritte Kriterium: Wir müssen bei Forschungsprojekten unsere lokalen Kompetenzen berücksichtigen. Das Projekt mit Quechua haben wir nur deshalb gemacht, weil Annette Quechua kann.

Rios: Das ist übertrieben. (lacht)

Volk: Oder weil sie Kenntnisse in Quechua hat. Kompetenzen kann man sich zwar erarbeiten, aber wir lassen die Finger von Sachen, bei denen sich niemand von uns auskennt. Zum Beispiel hat sich hier nie jemand intensiv mit computerbasiertem Sprachenlernen beschäftigt. Das wäre auch ein Thema der Computerlinguistik, aber das machen wir nicht.

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