«Der Informatikberuf ist keine Zirkusnummer»

» Von Jens Stark , 28.09.2007 14:13.

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Müsste auch generell mehr in Weiterbildung investiert werden?

Unbedingt. Nur: In der Schweiz haben wir eine schlechte Weiterbildungskultur. Ich postuliere bereits seit 30 Jahren: Jeder Informatiker und jede Informatikerin sollte mindestens zwei Wochen pro Jahr eine Weiterbildung besuchen, wovon eine Woche sich ausdrücklich dem Konzeptwissen widmen sollte. Das heisst, wir müssen die Firmen davon überzeugen, dass sie ihre Mitarbeiter mindestens eine Woche pro Jahr in Kurse schicken, in denen grundsätzliche Themen ohne direkten, aber nur kurzfristigen Nutzen zu ihrem aktuellen Job vermittelt werden.

Müsste nicht auch das ETH-Studium praxisnaher werden, damit mehr Studenten sich melden?

Nein. Das wäre falsch. Denn es braucht auch einen gewissen Anteil an Informatikern, die primär konzeptionell geschult wurden, Wissenschafter, Ingenieure und auch Lehrer, die die nächste Informatikergeneration ausbilden. Auf Fachhochschulebene ist die Anwendung viel näher und wird dort auch gepflegt.

Ein ganz anderes Thema ist aber die Informatikausbildung für «Nichtinformatiker», namentlich in den Gymnasien. Hier stehen zwar viele Computer, werden aber bloss angewendet und kaum verstanden. Viele Lehrkräfte sind eben selbst erst vor kurzem mit der Informatik in Berührung gekommen und können diese deshalb nicht so vermitteln, wie es nötig wäre. Wir haben es also mit dem klassischen Huhn-und-Ei-Problem zu tun.

Auch hier soll das Jahr der Informatik 2008 Impulse geben. So sind etwa die Hasler-Stiftung und die Universität Bern daran, ein Informatik-Lehrmittel für die Mittelschulen zusammenzustellen.

Informatica 08
Gegen den Nachwuchs-GAU


In Sachen Informatik kann in der Schweiz von einer Nachwuchskatastrophe gesprochen werden. Ob auf Uni- oder Fachhochschulniveau: Überall begannen 2006 dramatisch weniger Leute ein Informatikstudium als noch 2001. Zum Teil lassen sich nur noch ein Drittel für die Ausbildung begeistern.Grund hierfür ist das schlechte Image, das der Informatikberuf hat. Das Bild soll nun mit Hilfe des Jahrs der Informatik, kurz: Informatica 08, gerade gerückt werden. Mit einer Medienkampagne und mit Veranstaltungen soll die Bedeutung der Informatik ins Bewusstsein der Bevölkerung gehämmert werden. Mit von der Partie sind eine Reihe Polit- und Wirtschaftspromis. Angeführt von Bundesrätin Doris Leuthard haben Logitech-Chef Daniel Borel, Urs Hölzle von Google, CS-CIO Karl Landert und die beiden emeritierten ETH-Professoren Niklaus Wirth und Carl August Zehnder ein Patronat übernommen.

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