«Der Informatikberuf ist keine Zirkusnummer»

» Von Jens Stark , 28.09.2007 14:13.

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Reicht das allein aus, um den Beruf des Informatikers in ein so schlechtes Licht zu rücken?

Es gibt weitere Gründe, die dem Image sehr geschadet haben. Ein sehr wichtiger ist die Angst vor Arbeitslosigkeit, und die hat nach der Internetblase bei den Informatikern zugenommen. Aber nur relativ. Sehen Sie, hier habe ich eine Statistik zur Arbeitslosensituation bei frisch diplomierten Hochschulabsolventen in Deutschland in den Jahren 2001 und 2002. Da kommen beispielsweise im Jahr 2001 auf 100 arbeitslose Juristen 50 Stellenangebote, 2002 noch deren 30. Bei den Informatikern aber kommen 2002 immer noch 200 Jobs auf 100 Stellensuchende, während es 2001 deren 600 waren! Für die Informatiker ist das Angebot somit auf einen Drittel zusammengeschrumpft. Das Problem ist nun, dass in der Öffentlichkeit nur dieser Einbruch im Stellenangebot wahrgenommen wird, nicht aber, dass Informatiker weiterhin Hände ringend gesucht werden.

Wie sieht die Arbeitsplatzsituation derzeit aus?

Bedenklich! In der Schweiz müssten wir allein um den Bestand an Informatikern halten zu können, 5000 bis 7000 Leute pro Jahr neu ausbilden, bei einem Totalbestand von weit über 100000 hauptberuflich in der Informatik Tätigen - nicht Informatikanwender, das wären 3 Millionen. Wir bilden aber nicht mal die Hälfte dieser Zahl aus. Dabei haben Informatiker viele Entwicklungschancen, auch in leitenden Positionen in einem Unternehmen. Der Bedarf nach gutausgebildeten Informatikern - und Informatikerinnen! - ist daher sehr gross.

Was passiert also? Die gesuchten Leute werden wenn möglich ins Land geholt. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen ausländische Informatiker. Es ist längerfristig einfach schlecht für unsere Volkswirtschaft, wenn wir uns ganz auf den Zustrom von Fachkräften aus dem Ausland verlassen. Wir müssen unsere Hausaufgaben selber machen, speziell in der Ausbildung. Und das bedingt, dass wir unsere Jugend dazu motivieren, auch Ausbildungswege zu beschreiten, die mit einem gewissen Aufwand verbunden sind.

Was für Auswirkungen auf das Image hatte die Diskussion, dass Programmieraufgaben nach Indien und China ausgelagert werden?

Das Outsourcing ist ein weiterer unsachlicher Grund zur Ablehnung einer Informatikausbildung. Denn nur ganz bestimmte Aufgaben eignen sich überhaupt fürs Outsourcing. Es sind dies vor allem jene reinen Programmierarbeiten für den Bau von Applikationen. Die Planung dieser Anwendungen sollte dagegen in jedem Fall hier erfolgen. Schon beim Betrieb der Anwendungen ist ein Outsourcing höchstens zum Teil möglich. Hierher gehört etwa auch der Support: Wir haben gut drei Millionen Bildschirmarbeitsplätze in der Schweiz. Wenn sie für 60 Arbeitsplätze eine Person im Support rechnen, dann ergibt das bereits 50000 Arbeitsplätze, und zwar in der Schweiz. Ich kann natürlich nicht garantieren, dass es auch in zehn Jahren noch so viele Supporter braucht wie heute, da ja auch hier eine gewisse Automatisierung stattfindet, aber neue Aufgaben kommen dafür dazu.

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