Big Data Analytics für KMU: Chancen nutzen

Vielen Firmen fällt es schwer, Nutzen und Aufwand von Big Data Analytics abzuschätzen. Eine Einstiegshilfe in die Welt der Daten.

» Von Beatrice Paoli, Andrea L. Sablone, Monika Laner & Hagen Worch, 29.09.2016 10:20.

Die systematische Analyse aller Daten eines Unternehmens liefert zunehmend die Grundlage für viele strategische Entscheidungen. Daten können einerseits das unternehmerische Bauchgefühl untermauern, andererseits erlauben sie es, Vermutungen über künftige Geschäftsentwicklungen auf den Prüfstand zu stellen. Die gute Nachricht: Die meisten Unternehmen verfügen bereits über hinreichende Daten (z. B. Verkaufszahlen, Kundeninformationen, Branchenentwicklungen Konkurrenzbeobachtung) oder können diese mit vernünftigem Aufwand verfügbar machen. Der Einstieg in eine Big-DataStrategie setzt jedoch eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit den Themen Datensammlung und Datenauswertung voraus: Welche Art der Datenanalyse ist relevant? Welche unternehmenskulturellen Änderungen sind notwendig? Welche Ressourcen müssen aufgebaut und in welche IT-Infrastrukturen soll investiert werden? Die Antworten auf diese Fragen verlangen nach Interdisziplinarität und neuen Denkansätzen.

Zur Methode

Der Beitrag beruht auf einer Zusammenarbeit des Laboratory for Web Science (LWS) und des Instituts für Management und Innovation (IMI) an der FFHS. In einem interdisziplinären Ansatz kombinieren die Teams ihre Kompetenzen und verbinden den technischen Aspekt der Data Science mit der wirtschaftlichen Perspektive des  Innovationsmanagements. Um der Frage nachzugehen, wie KMU in die Datenanalyse und Big Data einsteigen können, sprachen die Autoren mit Marcel Blattner, Chief Data Scientist Tamedia Digital, und Frank Block, Chief Data Scientist ricardo.ch. Dabei ging es um Potenzial, Anforderungen und Herausforderungen von Big Data.

Das Potenzial der Daten

Schon eine punktuelle Beobachtung der Daten liefert Informationen über Marktverhältnisse und Kundenbedürfnisse. Noch aussagekräftiger sind Analysen über längere Zeit. Sucht man in den verfügbaren Daten nach sogenannten «schwachen Signalen», d. h. den ersten Anzeichen von Veränderungen, lassen sich frühzeitig Trends erkennen. Die Analyse der Daten ist also eine wertvolle Ideenquelle für Innovationen, nah am Markt zu entwickelnde Produkte oder ganz neue Geschäftschancen. Ausserdem können datenbasierte Einsichten zur Vereinfachung von Prozessen beitragen und somit zu Kosteneinsparungen führen. Die systematische Analyse von Unternehmensdaten ist auch eine wichtige Voraussetzung, um bei der fortschreitenden Digitalisierung mithalten zu können. In welche Richtung die Trends der Zukunft gehen werden und wie ein Unternehmen darauf reagieren und diese nutzen kann, sollte aufgrund solider Daten bestimmt werden.

CEOs – insbesondere,
wenn sie Gründer oder Eigen tümer sind –
neigen dazu, ihrer Intuition zu trauen.
Verändern sich die Rahmen bedingungen,
verliert das Erfahrungswissen
jedoch seine Gültigkeit

In einem ersten Schritt ist es deshalb für ein Unternehmen wichtig, sich einen fundierten Überblick über die vorhandenen Daten zu erarbeiten und die gezielte Erhebung weiterer Daten zu definieren. In vielen Start-ups werden Daten schon heute ausschliesslich digital erhoben. Traditionelle Firmen tun sich dabei schwerer. Sie sollten zwar nicht auf die gewohnten Finanz- und Marktdaten verzichten, aber zusätzlich digitale Daten erheben und auswerten. Dies kann etwa durch die Messung webbasierter Aktivitäten der Kunden erfolgen. Die daraus abgeleiteten Massnahmen führen wiederum zu einer verbesserten User-Experience und damit zu mehr Klicks.

Um in die Welt der Datenanalyse einzusteigen, braucht es weder grosse Investitionen in IT-Infrastruktur noch hochspezialisierte Fachkräfte. Entscheidend ist jedoch, ein Bewusstsein über die Bedeutung von Daten und deren Nutzen im Unternehmen zu verankern. Oft erfordert dies einen kulturellen  Wandel, der zuerst beim Unternehmer bzw. der Geschäftsleitung stattfinden und danach den Mitarbeitenden vermittelt werden muss. Geschäftsleiter – insbesondere, wenn sie selbst Gründer oder Eigentümer sind – neigen oft dazu, ihrer  Intuition zu trauen, die auf jahrelanger Erfahrung gründet. Ändert sich ein Unternehmen schnell durch Wachstum oder verändern sich die Rahmenbedingungen, so verliert das Erfahrungswissen seine Gültigkeit. Spätestens dann sollte es mit fundierter Datenanalyse ergänzt werden. Die so generierten Frühwarnindikatoren machen die Anzeichen tiefgreifender Veränderungen überhaupt erst erkennbar.

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