Bereit zum Abheben

» Von *Bernd Reder, 20.03.2017 07:00.

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Smart Farming und Umweltschutz

Die Landwirtschaft ist ein Gebiet, in dem häufig aus der Luft operiert wird. In Japan sind unbemannte Minihelikopter im Agrarsektor bereits seit 1990 im Einsatz, etwa um Pflanzenschutzmittel zu versprühen. Kürzlich haben die Deutsche Telekom und die Deutsche Flugsicherung zusammen mit der Hochschule Geisenheim ein Pilotprojekt gestartet, das die Einsatzmöglichkeiten von Drohnen im Weinbau prüft. Mit­hilfe von Kameras und Sensoren wird das Wachstum der Rebstöcke erfasst und dokumentiert. Anschliessend soll geprüft werden, ob sich Drohnen auch dafür nutzen lassen, um passgenau auf bestimmten Arealen Dünger oder Spritzmittel auszubringen. In der Schweiz testet die Fenaco gemeinsam mit der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) den Drohneneinsatz in der Agrarwirtschaft.

Mit Multispektralkameras sind Drohnen zudem in der Lage, den Gesundheitszustand von Pflanzen zu prüfen. Sind Teile von Feldern oder Weinbergen von Schädlingen oder Pilzen befallen, dann zeigt sich das auf den Bildern in einer speziellen Farbgebung der betroffenen Pflanzen. Der Landwirt hat anschliessend die Möglichkeit, Gegenmassnahmen zu ergreifen, und das bereits in einem frühen Stadium.

Versicherung ist Pflicht

In einer Doppelrolle finden sich die Versicherungen wieder, wenn es um Drohnen und deren Einsatz geht: Auf der einen Seite lassen sich Drohnen einsetzen, um Schäden an Gebäuden oder auf landwirtschaftlichen Nutzflächen zu erfassen, etwa nach Naturkatastrophen.

Auf der anderen Seite profitieren Versicherungsunternehmen von Boom bei Drohnen, weil dadurch ein neues Geschäftsfeld entsteht: «Egal, ob Sie ein Café oder ein Versandunternehmen führen: Sie müssen versichert sein, um es erfolgreich betreiben zu können. Bei Drohnen ist das nicht anders», erläutert James Van Meter, Aviation Practice Leader bei Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS). So habe es bereits mehrfach Kollisionen und Unfälle gegeben, bei denen Drohnen mit im Spiel waren. Ein Beispiel dafür ist die Hobby-Drohne, die im Januar nahe München ihrem Besitzer «entflog». Nach Aktivierung des automatischen Notlandesystems beendete die Drohne ihren Flug, allerdings auf der Autobahn A99. Die Kollision eines Fahrzeugs mit der Drohne verlief glimpflich.

In der Schweiz muss jede Drohne mit mehr als 500 Gramm Gewicht für allfällige Schäden eine Haftpflichtdeckung im Umfang von mindestens 1 Million Franken gewährleisten. Um Kollisionen mit Flugzeugen vorzubeugen, verbietet das BAZL den Drohnenbetrieb in der Nähe von Flugplätzen (mindestens 5 km Abstand zu den Pisten). Zudem will das Bundesamt eine Registrierungspflicht für grössere, kommerzielle Drohnen einführen, um die Besitzer bei Bedarf ausfindig machen zu können. Technisch soll das mit einem Chip ähnlich wie bei einer SIM-Karte umgesetzt werden.

Schwachpunkt Akkulaufzeit

Es liegt auf der Hand, dass bei einer jungen Technologie wie den Drohnen noch nicht alles perfekt ist. Laut Matthias Beldzik von Intel liegen die grössten Limitierungen in der Akkulaufzeit sowie in der Automatisierung und Redundanz. So halten die meisten kommerziellen Drohnen mit einer Akkuladung nur etwa 20 bis 30 Minuten lang durch. Eine Lösung für dieses Problem ist noch nicht Sicht, zumindest, solange Akkus und Elektroantriebe verwendet werden.

Das Imperial College in London hat eine Technik ent­wickelt, mit der sich Drohnen drahtlos mit Strom versorgen lassen, und zwar mithilfe induktiver Kopplung. Auf ähnliche Weise lassen sich auch Smartphone-Akkus aufladen. Bis diese Technik einsatzfähig ist, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen. Eine weitere Alternative sind Stromkabel. Solche «Systeme an der Leine» sind jedoch nur dann brauchbar, wenn lediglich kurze Distanzen überwunden werden müssen, zum Beispiel bei der Inspektion eines Windrads.

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