Bereit zum Abheben

Vom Paketdienst über Lagerhallenlogistik bis zur Landwirtschaft: Unbemannte Flugobjekte sind keine Spielerei mehr, sondern ein ernst zu nehmendes Geschäft.

» Von *Bernd Reder, 20.03.2017 07:00.

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Sie liefern Pakete aus, bringen die Pizza, vermessen Areale, untersuchen Windkraftanlagen und zeigen dem Landwirt, wo er mehr Dünger einsetzen muss. Drohnen sind auf dem besten Weg, sich von einem Spielzeug zu einem Multifunktions-Tool für kommerzielle Zwecke zu entwickeln. Doch beim Einsatz von Drohnen gibt es auch kritische Punkte wie etwa Sicherheitsfragen und der Schutz der Privatsphäre.

Ein Milliardenmarkt entsteht

Mittlerweile tummeln sich Hunderte von Unternehmen in diesem Marktsegment. Dazu zählen neben den Drohnenherstellern auch die Anbieter von Zubehör wie spezielle Kameras, Steuerungssysteme und Sensoren. Hinzu kommen Entwickler von Programmen, die Drohnen intelligenter machen oder fit für spezielle Einsatzfelder, etwa für die Analyse von Bodenstrukturen oder die Überprüfung von Gebäuden. Auch Fluggesellschaften wie die Lufthansa und der Flugzeughersteller Airbus bieten inzwischen Drohnen und darauf basierende Services an.

Das amerikanische Beratungshaus PricewaterhouseCoopers (PwC) schätzt, dass der weltweite Markt für Drohnen und Dienstleistungen, die mithilfe solcher Fluggeräte erbracht werden, im Jahr 2020 ein Volumen von rund 127 Milliarden Dollar aufweist. Die wichtigsten Segmente sind mit 45 Milliarden Dollar die Überwachung und Analyse von In­frastrukturen wie Pipelines, Gebäude, Industrieanlagen und Kraftwerke. Auf dem zweiten Platz rangiert mit 32 Milliarden Dollar der Agrarsektor. Drohnen können bei Konzepten wie «Precision Farming» eine wichtige Rolle spielen. Bei diesem Ansatz werden Detailaufnahmen von Feldern oder Weinbergen erstellt und mit speziellen Programmen analysiert. Der Landwirt kann auf Grundlage dieser Daten die Bearbeitung des Bodens optimieren, etwa indem er bestimmte Bereiche eines Feldes gezielt düngt.

Verschiedene Drohnentypen

Im zivilen Bereich lassen sich Drohnen nach Angaben des Investment-Beratungshauses Oppenheimer Equity Research drei Kategorien zuordnen:

Nano- und Mikrodrohnen sowie Systeme für den Freizeitbereich: Sie sind ab etwa 40 Franken erhältlich. Die kleinsten Modelle sind nur handtellergross und können in Räumen eingesetzt werden. Von diesen Systemen werden mehr als 10 Millionen Exemplare pro Jahr abgesetzt.

«Prosumer»-Modelle, die auch von ambitionierten Fotografen verwendet werden: Sie verfügen über einen Tragrahmen aus hochwertigen Materialien wie Kohlefaser, hochauflösende Kameras und eine komplexe Software für die Kontrolle des Fluges. Verstärkt integriert werden zudem KI-Funktionen (künstliche Intelligenz). Der Preis kann mehrere Tausend Franken betragen. Bereits 2015 wurden mehr als 1 Million dieser Systeme verkauft. Nach Angaben der Marktforschungsfirma Skylogic Research werden 61 Prozent der Prosumer-Drohnen kommerziell genutzt.

Rein professionelle Systeme: Von ihnen werden laut Oppenheimer Equity Research um die 100 000 Systeme pro Jahr produziert. Solche Drohnen verfügen über eine grössere Reichweite als Nano- und Prosumer-Modelle, lassen sich mit kostspieligen Spezialsensoren ausrüsten und können eine grös­sere Nutzlast transportieren. Beispiele für solche Systeme sind die Pakettransportdrohnen Prime Air von Amazon und Parcelcopter von DHL.

Unterschiede gibt es nicht nur in Bezug auf den Preis und die Ausstattung. Anbieter wie senseFly, einem Tochterunternehmen des französischen Drohnenherstellers Parrot, setzen auf Systeme mit starren, V-förmigen Flügeln. Solche Drohnen bewegen sich ähnlich wie Flugzeuge. Sie haben im Vergleich zu Multicoptern mit vier, sechs oder acht Propellern eine grös­sere Reichweite (bis zu einer Stunde Flugdauer) und eine höhere Geschwindigkeit (bis 110 km/h). Dafür sind sie nicht so beweglich wie Multicopter mit mehreren schwenkbaren Rotoren, die beispielsweise in der Luft stehen bleiben und variabler manövrieren können.

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