SAP: Gerichtsverfahren drückt auf den Gewinn

Weil SAP einen grösseren Patentstreit zu verlieren droht, leiden die Quartalszahlen.

» Von AWP , 17.07.2014 14:30.

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Ein langwieriger Patentstreit kommt SAP teuer zu stehen: Da Europas grösster Softwarehersteller vor Gericht in der Auseinandersetzung mit dem US-Unternehmen Versata wohl den Kürzeren ziehen wird, legt SAP vorsichtshalber schon einmal rund 350 Millionen Franken zurück. Der Nettogewinn lag deshalb im zweiten Quartal nach Minderheitsanteilen mit rund 675 Millionen Franken ( 557 Millionen Euro ) knapp ein Viertel niedriger als vor einem Jahr, wie der Dax-Konzern mitteilte. An der Börse sorgte das dennoch nicht für Kopfzerbrechen. Papiere von SAP kletterten nach Handelsöffnung gut 4 Prozent nach oben.

Mit der Rückstellung für das Versata-Patentverfahren holt SAP ein mittlerweile sieben Jahre währender Streit ein, der bereits über mehrere Instanzen lief. Die US-Firma wirft dem deutschen Softwarespezialisten vor, ein Patent zur Ermittlung von Preisen verletzt zu haben. Obwohl das Patent mittlerweile gelöscht worden sei, sehe es nach jüngsten Entwicklungen vor Gericht ganz danach aus, dass SAP an Versata zahlen müsse, hiess es.

Abgesehen von dem Patentstreit liefen die Geschäfte der Walldorfer in den drei Monaten bis Juni aber auch weitgehend wie von Experten erwartet. Wechselkurseffekte fielen nicht mehr so stark ins Gewicht wie zuletzt. Der Umsatz wuchs um zwei Prozent auf 5 Milliarden Franken, das bereinigte Betriebsergebnis um vier Prozent auf 1,5 Milliarden Franken. Der Produktumsatz mit Software und Services (SSRS) legte währungsbereinigt mit acht Prozent am oberen Ende der fürs Jahr anvisierten Spanne zu. Händler am Markt waren zufrieden mit den Zahlen.

Cloud läuft weiter rund

Im erklärten künftigen Hauptstandbein, dem Geschäft mit Mietsoftware aus dem Internet, wuchsen die Erlöse weiter kräftig. Die sogenannte Cloud-Sparte wuchs um Sondereffekte bereinigt um fast ein Drittel auf 293 Millionen Franken Umsatz. Damit gewann das Unternehmen auf dieser Seite mehr hinzu als es im klassischen Lizenzgeschäft mit fest installierter Software einbüsste. Mittelfristig erhofft sich SAP mit der Mietsoftware höhere Gewinne, weil die Programme jedes Jahr neu in Rechnung gestellt werden können.

Vor allem wegen des abgeschlossenen Zukaufs Fieldglass peilt SAP mit dem noch jungen Erlösmodell nun mehr Umsatz im Jahr an, die Prognosebandbreite hob das Management um Bill McDermott um 60 Millionen Franken. Die neue Spanne liegt nun bei 1,00 bis 1,05 Milliarden Euro. Analysten hatten mehrheitlich mit einem solchen Schritt gerechnet. Die abgeschlossenen Verträge wuchsen weiter stark - sie schlagen sich durch die Ratenzahlungen aber erst nach und nach im Umsatz wider.

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