Analyse: SAP im Aufschwung

Der ERP-Weltmarktführer verzeichnete im zweiten Quartal in fast allen Geschäftsbereichen zweistellige Wachstumsraten. Die magische Marke von 100'000 Kunden ist erreicht.

    

» Von Michael Kurzidim, 27.07.2010 15:02.

Das SAP-Führungsduo Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe gab auf einer Telefonkonferenz, die soeben zu Ende ging, die Geschäftsergebnisse für das zweite Quartal 2010 bekannt. Danach stiegen die Umsatzerlöse in den beiden Amerikas um 16 Prozent. Insbesondere die U.S.A. habe ein aussergewöhnliche gutes Ergebnis erzielt, sagte McDermott. Aber auch Südamerika und die aufstrebenden Märkte in Asien seien zweistellig gewachsen. "Kunden beginnen, wieder zu investieren und haben ihr Vertrauen in den Markt zurückgewonnen", so McDermott. SAP hat im zweiten Quartal 2010 insgesamt fünf Millionen Aufträge (orders) an Land gezogen, was einem Wachstum von 20 Prozentpunkten entspricht.

Umsatzwachstum: 12 Prozent (IFRS)

Hagemann Snabe und McDermott führen das zweistellige Wachstum des Softwareriesen vor allem auf Restrukturierungsmassnahmen und eine strategische Neuausrichtung zurück, die beide CEOs in den letzten Monaten vorangetrieben haben. Aber auch der sich abzeichnende, spürbare weltwirtschaftliche Aufschwung mag sein sein Scherflein dazu beigetragen haben. Konkret stiegen die SAP-Umsätze um 12 Prozent von 2,576 Millarden (Q2 2009) auf aktuell 2,894 Milliarden Euro (Q2 2010). Stark zogen im Jahresquartalsvergleich die Softwareerlöse mit einem Plus von 17 Prozent und die Erlöse aus Software und software-bezogenen Leistungen mit einem Zuwachs von 16 Prozent an (nach IFRS). Zu software-bezogenen Leistungen zählen auch Wartungsverträge wie der heftig kritisierte Enterprise Support, auf den viele SAP-Kunden trotz starker Proteste dann doch umgeschwenkt waren (Kennzahlen 2. Quartal 2010: siehe Grafik).

Magische Marke: 100.000 SAP-Kunden

Jim Hagemann Snabe sieht vor allem zwei Gründe für das gute Abschneiden des ERP-Schwergewichtes aus Walldorf: Die Rückkehr der grossen Deals und das Neukundengeschäft im zweiten Quartal 2010. In Q2 habe SAP insgesamt 10600 Neuaufträge abschliessen und pro Tag 20 Neukunden (net new customers) gewinnen können. Damit sei die magische Marke von weltweit 100.000 Kunden erreicht, so Hagemann Snabe.

Sybase, der von SAP kürzlich akquirierte Spezialist für Datenbank- und Mobil-Lösungen, habe in Q2 ein Umsatzwachstum von neu Prozent erzielt. "Sybase-Kunden kaufen auch nach der Akquise die Lösungen von Sybase", betonte Co-CEO Hagemann Snabe und deutet dies als ein gutes Zeichen des Vertrauens. Details über die gemeinsame Produkt-Roadmap von SAP und Sybase wollen die Walldorfer am 19. August 2010 bekannt geben. Es wird vor allem um mobile Lösungen für Geschäftskunden gehen.

Diese Woche Freitag, den 30. Juli, startet der Verkauf der On-Demand-ERP-Suite Business ByDesign, unter anderem in den U.S.A., Deutschland, Frankreich und Grossbritannien. Von Journalisten auf die Anzahl der bereits abgeschlossenen Auträge angesprochen antwortete McDermott, SAP habe eine erfreulich solide Auftrags-Pipeline (pretty solid pipeline). Etwa 4000 Unternehmen zeigten sich stark interessiert und kaufbereit. Über die tatsächlich bereits abgeschlossenen Deals hüllte sich McDermott allerdings in Schweigen. Für die bereits auf der Sapphire in Frankfurt/Main und Orlando angekündigte Hochgeschwindigkeits-Appliance, mit der Kunden mithilfe von In-Memory-Technologie viele Millionen Daten in Bruchteilen von Sekunden auswerten können, habe man 20 Pilot-Kunden gewonnen, sagte McDermott. Interessantes Detail: Stammkunden sollen die "High Performance Analytics Appliance" auch an Altsysteme wie R/3 relativ einfach sozusagen andocken können.

Ehrgeizige Ziele 2010

SAPs Ziele für das Gesamtgeschäftsjahr 2010 bleiben ehrgeizig. In Q2 2010 stieg die operative Marge im Jahresquartalsvergleich von 27,6 (2009) auf 29,0 Prozent (2010) - beides Non-IFRS. Für das Geschäftsjahr 2010 peilt der Software-Riese ohne Berücksichtigung der Wechselkurse eine operative Marge zwischen 30 und 31 Prozent an (Non-IFRS). Die Erlöse aus Software und software-bezogenen Leistungen sehen die Walldorfer im Geschäftsjahr 2010 um 9 bis 11 Prozent wachsen. Die Wechselkurse und die Wachstumsschwäche des Euroraumes aber könnten den rosigen Aussichten einen gehörigen Dämpfer verpassen.

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