«Schweizer Unternehmen sind falsch organisiert»

» Von Michael Kurzidim , 15.06.2015 12:57.

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Wie kommen wir aus diesem extrem teuren, trägen und ineffizienten System heraus?

Sonntag: Wenn wir verstehen, nach welchen relativ einfachen Prinzipien lebendige Systeme funktionieren, werden wir fähig, in sehr effizienter Weise mit Komplexität umzugehen. Jeder Mensch macht das intuitiv. Unser Gehirn ist sehr gut darin, komplexe Situationen schnell zu erfassen, und in Kooperation mit anderen Menschen, zum Beispiel unserer Frau, die besten Handlungsoptionen zu erkennen.

Schauen Sie auf den CEO eines amerikanischen Unternehmens. Da gibt es Quartalsberichte, und wenn die nicht stimmen, sinkt der AKtienkurs, es drohen möglicherweise feindliche Übernahmen, die Aktionäre steigen auf die Barrikaden und im schlimmsten Fall geht das Unternehmen in Konkurs. Was soll dieser CEO also tun?

Sonntag: Die Geister, die Sie durch die reine Orientierung an kurzfristiger Shareholder-Maximierung riefen, werden Sie jetzt nicht mehr so schnell los. Das ist ein echtes Problem. Aber wenn man auf die Prinzipien schaut, nach denen lebendige Systeme aufgebaut sind, kommt man zu hochspannenden Aussagen. Lebendige Systeme haben im Kern die Aufgabe, nachhaltig und gemeinsam Wert zu schaffen, der von möglichst Vielen geteilt wird. Die Natur schafft das: minimaler Energieaufwand, maximale Performance und Effizienz, maximal anpassungsfähig. Diese Kernziele möchte auch jeder CEO erreichen, gerade wenn er aktienkotiert ist. Deshalb müssen wir uns lebendige Systeme zum Vorbild nehmen.

«Es gibt genug KPIs im roten Bereich. Die Menschen spüren, dass es so nicht weitergeht.»

Wie sollen das Schweizer Unternehmen konkret anfangen? Flache Hierarchien, ein Experimentiertag pro Woche wie Google?

Sonntag: Flache Hierarchien oder ein Experimentiertag reichen nicht aus. Was es braucht, sind netzwerkartige Strukturen mit radikal dezentralisierten Entscheidungsprozessen, die von relativ kleinen, möglichst multiprofessionellen Teams in Zusammenarbeit mit dem Kunden oder anderen Stakeholdern gefällt werden. Nur so werden wir fähig, ganz nah an der Realität zu bleiben, die dort entstehenden Synergien zu nutzen und so gemeinsam nachhaltigen Wert zu kreieren. Und was es vor allem braucht, ist ein entsprechendes Menschenbild von kompetenten, engagierten Menschen, die fähig und willens sind, ohne zentrale Kontrolle das jeweilig Richtige zu tun und die auch bereit sind, dafür die Verantwortung zu übernehmen.

«Konsequent dezentral, menschlich, vertrauensbildend: Das ist nicht nur der einzige, sondern auch der mit Abstand preiswerteste Weg.»

Der lange Weg hin zu einer nachhaltigeren Unternehmensstruktur, die sich an lebendigen Systemen orientiert, ist nicht ohne Risiko.

Sonntag: Sich nicht zu verändern ist das grössere Risiko. Es gibt heute genug KPIs im roten Bereich: die Unfähigkeit, sich schnell anzupassen, die Schwierigkeit, qualifizierten Fachkräfte zu finden, der hohe Prozentsatz derer, die bereits innerlich gekündigt haben. Die Menschen spüren, dass es so nicht weiter geht. Es fehlt aber das Verständnis dafür, wie ein anderes, besseres System konkret aussehen könnte.

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KOMMENTARE

Adam Christ: 16-03-16 02:01

Beide herren haben exakt das beschrieben woran nicht nur viele ch unternehmen kranken... Auch im auslan, in eu, ist das nicht anders. Dieses 'berater' system stammt -natuerlich- aus den usa ... Und genau da wird der verstand ausgeschaltet weil manager konditioniert sind, usa kapitalistische syteme als superior zu beurteilen. Das fuehrt dann dazu dass ma sich mit viel geld angeblich ein besseres 'management' ins haus holt weil sich 'manager' erst dann sicher fuehlen wenn ihnen 'extern' ihre 'entscheidungen' bestaetigt werden. Natuerlich entfernt man sich damit mehr von der realitaet und vom kunden. Die dann sinkenden gewinne muessen anschliessend von neuen 'externen' und auch neuen managern wieder muehsam 'eingebracht' werden... Aber gottseidank werden ja jeden tag neue dumme verbraucher geboren. LOL

Karl Gusraff: 11-07-15 12:41

Auch ein Berater, der sein Geld verdienen möchte. Seine Aussagen lassen den Leser mit Pauschalaussagen im Regen stehen. Fakt ist, dass viele Manager eben managen und eben keine Unternehmer sind. Und am besten sind die Consultans die das sehen, aber keine Lösung haben. Da verlasse ich mich lieber auf mein Bauchgefühl und KPI welche mich höchstens bestätigen, nicht unbedingt entscheidend sind

Armin Heinzmann: 10-07-15 20:20

War für eine Ironie! Genau solche Strukturen hatten wir in der Schweiz schon vor 20 oder 30 Jahren, aber man musste ja mit aller Gewalt externe Barater, Consultants, sonstige externe Mitarbeiter (die ja so viel günstiger sind, oder alles besser können ...) in die grossen Firmen reinholen oder noch besser offshoren wie bei den grossen Schweizer Banken. Nun fingen die Probleme an, dass sich diese Leute z.T. wie z.B. aus Indien aus total unterschiedlichen Kulturkreisen nicht mehr selber motivierten und nicht mehr das beste für die Firma, sonder nur noch für sich wollten und so fing man an, für alles detaillierte Planungen und Budgets zu machen und im Nachhinein 10x zu kontrollieren. Diesen Niedergang konnte man z.B. in der CS Jahr für Jahr genau beobachten und es wird immer noch schlimmer.
Die Frage ist, nur wo unsere Manager diesen BS her haben? Offensichtlichen Dank and UNIs, ETH, HSG und anders HS's ...

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