Mitarbeiter zunehmend zynisch

» Von Susann Klossek , 13.10.2016 14:30.

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Je mehr das eine gesagt, dann aber nicht getan wird, umso mehr wird die Integrität der Firma in Zweifel gezogen. Auch Ärger und Angst werden mit Zynismus assoziiert. Junge Mitarbeitende haben öfter zynische Gedanken hinsichtlich ihres Unternehmens als ältere. Ansonsten gibt es keine Unterschiede. Weder die Karriereorientierung, noch die berufliche Stellung oder das Geschlecht spielen eine Rolle.

Schaden fürs Unternehmen

Zynische Mitarbeiter schädigen längerfristig das Ansehen eines Unternehmens. Sie schaden sich aber auch selbst, da die Arbeitszufriedenheit sinkt und die Leistung abfällt. «Angestellte, die ihren Arbeitgeber als loyal wahrnehmen, habe eine höhere Bleibemotivation und sind auch weniger zynisch», erklärt Studienautorin Prof. Gudela Grote von der ETH. Zudem entwickelt derjenige eher zynische Tendenzen, der befürchtet, seinen Arbeitsplatz bald zu verlieren. Die Arbeitsplatzunsicherheit spielt also eine tragende Rolle. Unternehmen sollten daher die finanzielle Absicherung, vor allem aber die Arbeitsmarktfähigkeit der Betroffenen fördern, empfehlen die Studienautoren. Bereits bei der Einstellung müssen realistische Erwartungen bezüglich des späteren Jobs geschaffen werden.

Themen im Zusammenhang mit systematischer Laufbahnplanung wie Mentoring und Karrieregespräche werden in vielen Unternehmen jedoch noch immer stark vernachlässigt. In den Genuss von Laufbahngesprächen kommt nur jeder Dritte, Coaching- und Mentoring-Angebote gibts gar nur für jeden Zehnten. Auch die Möglichkeit zur Partizipation für Schweizer Beschäftigte ist seit 2010 immer weiter rückläufig. Fühlen sich Beschäftigte direkt in den Prozess der Arbeitsgestaltung eingebunden, sind sie loyaler und zeigen weniger zynisches Verhalten.

Trotzallem ist das Vertrauen in den Arbeitgeber konstant hoch: Drei Viertel vertrauen ihm, 17 Prozent teilweise und nur 9 Prozent bringen dem Arbeitgeber überhaupt kein Vertrauen entgegen.

Aufschwung für Sicherheitsorientierung

Sowohl die traditionell-aufstiegsorientierte als auch die sicherheitsorientierte Karriereausrichtung haben 2016 wieder einen Aufschwung erlebt. Die Eigenverantwortung für ihre Laufbahn wollen aber immer weniger wahrnehmen. Diese Ergebnisse passen zu der negativen Entwicklung der wahrgenommenen Arbeitsmarktfähigkeit. Die Chancen, auf dem Markt wieder eine Stelle zu finden, werden viel pessimistischer eingeschätzt als in den Vorjahren. Und: Immer mehr fürchten sich vor einer Zunahme der Arbeitsbelastung. Zwar erwartet keiner vom Arbeitgeber, dass dieser die Karriere für ihn plant, die meisten wünschen sich jedoch, lang im Unternehmen bleiben zu dürfen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Mit Unsicherheiten umgehen lernen

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