Mitarbeiter geraten in eine Krise - wie der Chef reagieren sollte

Nicht auf alles im Leben kann man sich vorbereiten. Schicksalsschläge wirken sich auch auf die Arbeit aus. Wie Chefs mit plötzlichen Änderungen im Team umgehen können.

» Von Bettina Dobe, Computerwoche.de *, 29.07.2014 11:30.

Bettina Dobe ist freie Journalistin in München. Der Artikel wurde ursprünglich in unserer Schwesterpublikation Computerwoche.de veröffentlicht.

Als ein Mitarbeiter durch einen Unfall ums Leben kam, informierte der Chef die Kollegen per Rundmail, liess den Schreibtisch für den Praktikanten räumen und fuhr danach in den Urlaub. Es gab weder einen Kondolenzbrief an die Familie, noch Gespräche mit den Mitarbeitern, um die Situation zu verarbeiten. Ein anderes Beispiel: Ein Mitarbeiter sagte ein Meeting mit der Firmenchefin ab mit der Begründung, seine Mutter liege im Sterben. Ein paar Tage später beim nächsten Meeting erkundigte sich die Vorgesetzte, ob er sein Projekt zu Ende gebracht habe. Der Mitarbeiter verneinte und erklärte, seine Mutter sei in den letzten Tagen gestorben. Die Chefin verzog keine Mine, kondolierte nicht und ging wortlos zum Tagesgeschäft über.

Kein Zweifel: So sollten sich Chefs nicht verhalten. Aber die Realität belehrt uns eines Besseren. Immer wieder kommt es vor, dass Vorgesetzte bei persönlichen Krisen von Mitarbeitern, oder sogar im Falle des Todes eines Teammitglieds, falsch reagieren. Wir haben einen CIO gefragt, wie man am besten mit solchen Situationen umgeht.

Verständnis, Verständnis, Verständnis

Eine schwere persönliche Krise trifft jeden irgendwann einmal im Leben. Das wirkt sich auch auf die Arbeit aus, denn Mitarbeiter sind keine Roboter. Für Chefs kann nur eines gelten: Verständnis zeigen. «Ich hatte schon Fälle, wo sich bei Kollegen im Familienumfeld Schwieriges ereignet hatte. Aber wenn der Vater krank wird oder eine Geburt schwierig ist, muss klar sein, dass der Chef für einen da ist», rät Torsten Hedemann, Vice President IT des Windanlagenherstellers Senvion SE. Auch ein Arbeitsplatz sei schliesslich ein soziales Umfeld. «Es hilft oft, einfach nur zuzuhören», sagt Hedemann. «Auch für solche, teilweise schon seelsorgerischen Aufgaben nachgehen, ist ein Chef da.»

Nur wenige Menschen können sich nach einer Hiobsbotschaft noch konzentrieren. Entscheider sollten darauf flexibel reagieren. Hedemann schildert das Beispiel, wie bei einem Mitarbeiter gesundheitliche Probleme in der Familie aufkamen. «Gemeinsam haben wir geplant, wie er sich mehr Zeit für die Familie nehmen kann», erzählt er.

Hedemann rät dazu, mit der Personalabteilung zu besprechen, wie man bei Krankheit oder Schicksalsschlägen helfen kann. Teilzeitangebote seien etwa eine Möglichkeit, um den Kollegen zu entlasten. Um weiteren Druck zu verhindern und um unnötigen Ängsten vorzugreifen, hat Hedemann noch einen weiteren Tipp parat: «Der Mitarbeiter wird dann auch aus dem Bewertungssystem herausgenommen», sagt er. Eine faire und richtige Bewertung unter solchen Umständen ist kaum möglich. Ein solches Verhalten, meint der CIO, sei für ihn selbstverständlich. Die Situation selbst ist schon schwierig genug für den Mitarbeiter. Da sei es die Rolle des Chefs zu sagen, dass man gemeinsam einen Weg findet.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Verständnis erzeugt Vertrauen

Werbung

KOMMENTARE

Keine Kommentare

KOMMENTAR SCHREIBEN

*
*
*
*

Alles Pflichfelder, E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt.

Die Redaktion hält sich vor, unangebrachte, rassistische oder ehrverletzende Kommentare zu löschen.
Die Verfasser von Leserkommentaren gewähren der NMGZ AG das unentgeltliche, zeitlich und räumlich unbegrenzte Recht, ihre Leserkommentare ganz oder teilweise auf dem Portal zu verwenden. Eingeschlossen ist zusätzlich das Recht, die Texte in andere Publikationsorgane, Medien oder Bücher zu übernehmen und zur Archivierung abzuspeichern.