Kündigen: Wie mache ich es richtig?

» Von Stefanie Seiz / Weka *, 07.12.2016 10:38.

Vorgesetzte tragen Verantwortung

Die Durchführung des Kündigungsgesprächs ist grundsätzlich die Aufgabe des Vorgesetzten. Es kann durchaus hilfreich sein, wenn die Fachpersonen aus der Personalabteilung den Linienvorgesetzten zur Seite stehen. Es ist jedoch wichtig, dass die Verantwortung trotzdem von der Linie getragen wird. Die Führungskräfte haben auch dafür zu sorgen, dass die Vorgespräche stattfinden und ein möglichst reibungsloser und einvernehmlicher Abgang erfolgt.

Trennungsgrund im Vorfeld klären

Für niemanden von uns ist es einfach, eine Kündigung auszusprechen. Deshalb ist es wichtig, mit einer guten Vorbereitung in das Gespräch zu gehen und sich dabei auch seinen eigenen Emotionen bewusst zu sein. Wichtig ist es, sich selbst darüber Klarheit zu verschaffen, wieso dieser Schritt notwendig ist und wieso Sie hinter dieser Entscheidung stehen. Nur so können Sie im Kündigungsgespräch auch die Klarheit gegenüber der zu kündigenden Person vermitteln. Sollten Sie das Gefühl haben, Sie hätten selbst noch nicht genügend Informationen, dann fordern Sie diese bei den entsprechenden Stellen ein. Sobald Sie sich selber darüber im Klaren sind, welches der Grund für die Kündigung ist, geht es darum, Ihren Gefühlen Raum zu geben:

  • Welche Erfahrungen haben Sie selber mit Kündigungen gemacht? 
  • Haben Sie in der Vergangenheit schon Kündigungen ausgesprochen? Wie sind diese verlaufen? Worauf können Sie stärkend aufbauen?
  • Welche dieser Erfahrungen möchten Sie der gekündigten Person mitgeben?    
  • Was könnte hilfreich sein für den Wechsel in eine zukunftsweisende Perspektive?

!Es geht bei einem Kündigungsgespräch nicht darum, dass Sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Sie dürfen der gekündigten Person durchaus zeigen, dass es auch für Sie nicht einfach ist. Dennoch sollten Sie klarstellen, dass es aus Ihrer ganz persönlichen Sicht der richtige Weg ist und Sie deswegen hinter dieser Entscheidung stehen können. Kommunizieren Sie klar, dass Sie dem Gekündigten in seiner schwierigen aktuellen Situation zur Seite sehen, wenn er Fragen hat.

Im Gespräch Wertschätzung zeigen

Sollte das Verhältnis zwischen der gekündigten Person und Ihnen nicht zum Besten stehen, da schon über die letzten Monate verschiedene, schwierige Ereignisse das positive Arbeitsklima erschwert hatten, versuchen Sie zu einer neutralen Haltung zu kommen. Überlegen Sie sich, was an dem Menschen trotz seinen möglichen Schwächen positiv ist, wo seine Stärken liegen und wie Sie diese im Kündigungsgespräch erwähnen können. Gerade in einer solch angespannten Situation ist ein vorbereitendes Gespräch mit der Personalabteilung oft sehr hilfreich. Inwieweit diese dann auch an dem Kündigungsgespräch teilnehmen soll, können Sie gemeinsam definieren. Wichtig ist, dass die Trennung in einem wertschätzenden Rahmen stattfindet. Nur dies gewährleistet eine konfliktfreie Restzeit im Unternehmen und damit keine Imageschädigung durch stark emotionsgeladene Äusserungen der gekündigten Personen gegenüber den verbleibenden Mitarbeitenden.

Mögliche Reaktionen erahnen

Ein professionelles Trennungsmanagement beinhaltet das Bewusstsein dafür, wie der Gekündigte auf die neue Situation reagieren könnte. Natürlich sind die Reaktionsschemen in solchen Situationen sehr unterschiedlich, doch grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass es einige Themen gibt, die für alle Betroffenen eine Rolle spielen:

Wut und Angst
Die natürliche Reaktion auf eine stark belastende Situation ist Wut, die Suche nach der Schuld im Aussen («Wieso tut mir dieser so etwas an?»), verbunden mit der Angst des Verlusts. Viele Personen haben bei einer Kündigung bildlich das Gefühl, dass ihnen der Teppich unter den Füssen weggezogen wird. Es wird über sie bestimmt, was der Mensch so oder so nicht schätzt. Wut ist der erste Schritt einer Verarbeitung und ist auch gleichzusetzten mit einer ersten Ablösung vom bestehenden Arbeitgeber. Die Verlustangst ist oftmals die länger andauernde Emotion, die häufig auch gekoppelt ist mit falschen Vorstellungen über die Reaktion von aussen.

Wie sage ich es meiner Familie?
Wir erleben in unserer täglichen Praxis immer wieder Menschen, die während Wochen ihren Partner, ihre Freunde oder ihre Bekannten nicht über die anstehende Trennung informieren. Dies führt für die Betroffenen zu zusätzlichem Stress, da eine Scheinwelt aufrechterhalten werden muss. So oder so ist die Kommunikation mit dem Partner oder den nächsten Angehörigen gar nicht so einfach, gerade wenn es Abhängigkeitsverhältnisse gibt, die mit der Kündigung ins Wanken geraten.

Die Verbleibenden nicht vergessen
Die Trennung von einem Mitarbeitenden hat auch immer starke Konsequenzen auf die verbleibende Belegschaft. Wie Sie die gekündigte Person behandeln, was Sie dieser für ein Angebot für die Neuorientierung offerieren, wird beobachtet und gewertet. In dieser schwierigen Situation zeigen Sie, wie ernst Sie Ihre unternehmerische Verantwortung leben und sich um die Mitarbeitenden kümmern. Keine Organisation kann heute mehr eine Arbeitsplatzsicherheit garantieren, aber Sie können als Organisation garantieren, dass Kündigungen sozial verträglich, transparent und wertschätzend erfolgen. Nur so stellen Sie sicher, dass es nicht zu einem Imageverlust kommt und Sie trotz der Entlassung Ihre bestehenden Leistungsträger erhalten.

Mit all diesen Massnahmen – einer fundierten Vorbereitung, einer wertschätzenden Gesprächsführung und der Berücksichtigung der bestehenden Belegschaft – schaffen Sie es, als Person und Organisation gestärkt aus dieser schwierigen Situation herauszutreten. Denn das Trennungsmanagement ist nicht zuletzt ein Gradmesser Ihrer Unternehmenskultur.

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