«Die Lehre hält mit dem digitalen Wandel mit»

» Von Mark Schröder , 23.02.2017 14:30.

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Wo hapert es bei der Forschung und Lehre in der Schweiz?

Es hapert an wenig. Vielmehr ist die Schweiz sehr gut aufgestellt. Die politischen Rahmenbedingungen sind nach der wieder Vollassoziierung der Schweiz zu «Horizon 2020» wieder gut. Es wäre wünschenswert, dass dies so bleibt. Absolutes Gift ist zum Beispiel die Masseneinwanderungsinitiative, die für viel Verunsicherung gesorgt hat. Die ETHs, die Universitäten und auch die Fachhochschulen sind auf ausländische Forscher angewiesen. 

Was benötigen Auszubildende und Studierende für neue Kompetenzen? 

Neben den klassischen Basiskompetenzen wie Mathematik, Mechanik, Physik und Wirtschaft müssen die Studenten vermehrt Informationskompetenz erlernen. Der Zugang zu Information war noch nie so einfach wie heute. Aber die Studenten müssen lernen, welche Information für sie relevant sind und welchen Quellen sie trauen können. Sind die Inhalte der Wikipedia richtig, wird ein Thema im YouTube-Video korrekt wiedergegeben?

Wie reagieren Sie, wenn ein Student Sie mit einer vermeintlichen Wikipedia-Wahrheit konfrontiert?

Ich halte die Studenten an, sich kritisch mit den Quellen auseinanderzusetzen. Ein Beispiel: Jüngst legte mir ein Student eine Marktstudie zu 3D-Printing vor. Sie basierte rein auf Studien und Umfragen aus Online-Quellen. Da wurden Deloitte, Gartner, IDC und Wohler zitiert, die dem weltweiten Markt ein starkes Wachstum prognostizierten. Auf meine Frage nach dem Schweizer Markt beschied mir der Student, dass er im Web keine lokalen Informationen gefunden habe. Daraufhin beauftragte ich ihn, an eine Messe zu gehen, auf der die Anbieter ausstellten, und den Metallindustrie-Verband Swissmem zu kontaktieren. Aus beiden Quellen bekam er schliesslich aussagekräftige Daten für den Schweizer Markt, der übrigens ebenfalls wächst. 

Was kommt in den nächsten drei Jahren neu auf die Forschung, die Lehre und die Studierenden zu?

Die Forschung wird immer interdisziplinärer werden. Dabei ist wie gesagt die FHNW mit den Querschnittsfunktionen schon fortgeschritten, aber noch nicht am Ziel angekommen. Zu erwarten sind auch hochschulübergreifende Teams, die dank zum Beispiel Skype nicht einmal an einem Ort sitzen müssen. Erste Erfahrungen sind schon vorhanden. 

Die Lehre ist gerade den Schritt vom maschinengeschriebenen Skript zum PowerPoint gegangen. Heute liegen die Präsentationen nach der Vorlesung im öffentlichen Ordner zum Abruf bereit. Das Verkaufen und Kopieren der Texte ist Vergangenheit. Demnächst wird noch die Präsenzlehre durch MOOCs ergänzt oder je nach Stand weiter ausgebaut.

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