«Die Lehre hält mit dem digitalen Wandel mit»

» Von Mark Schröder , 23.02.2017 14:30.

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Wie können Forschung und Lehre den Schweizer Betrieben bei der digitalen Transformation helfen?

Wichtige Leistungen ist die Aufklärung und die Ausbildung von qualifizierten Fachkräften. Dafür hat die FHNW als erste Hochschule der Schweiz die Kompetenzen gebündelt. Früher wurden Anfragen aus der Industrie von einem Institut beantwortet. Das geht heute nicht mehr, denn die Digitalisierung erfordert interdisziplinäres Know-how. Zum Beispiel benötigt ein Industriebetrieb bei einer Automatisation mit dem Ziel «Losgrösse eins» Fachwissen zu Sensoren für die Erkennung des Produkts, Wissen zu Aktoren für die Bearbeitung, Kenntnisse in Elektronik und Robotersteuerung sowie für die Entwicklung der Software. Für die Schnittstelle zwischen Maschine und Mensch ist auch noch die Psychologie gefragt. Die Disziplinen bringt die FHNW neu in einem Kompetenzzentrum zusammen.

Können Sie ein Beispiel für ein interdisziplinäres Projekt geben?

Ja, gerne. Ein Schweizer Armaturenhersteller strebte eine Massenproduktion mit Ziel «Losgrösse eins» an. Die Kunden wünschen sich heute vollkommen individualisierte Wasserhähne. Beim Wechsel der Serien fordert der Schleif- und Polierprozess aber Umrüstzeiten von rund sieben Stunden. Der Hersteller wandte sich an die FHNW mit der Bitte, eine Automatisation für einen schnelleren Umrüstvorgang der roboterisierten Zelle zu entwickeln. Heute übermittelt ein Cyber-Physisches-System dem Roboter das Produktdatenmodell des Rohlings. Anschliessend erkennen Sensoren die Konturen und steuern so den Prozess. Anstatt sieben dauert die Einrichtung des Roboters nun noch etwas mehr als eine Stunde.

Ein anderes Beispiel ist Christenguss aus Bergdietikon. Früher mussten für die Produktion von Sandformen ein Giessereimodell hergestellt werden. Dieser Prozess dauerte zwischen drei Wochen und drei Monaten. Der Junior-Chef Florian Christen entschied, einen 3D-Sandrucker anzuschaffen. Das Gerät druckt nun die Sandform direkt und in einem Bruchteil der Zeit. Die Anschaffung des Druckers rief die ETH auf den Plan: Die Wissenschaftler bekundeten für die Architektur ihr Interesse, komplexe Modelle aus Sand drucken zu wollen. Die Aufträge der ETH entwickeln sich für Christenguss nun zu einem weiteren Standbein. 

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