Der CIO - Spezialist ohne Befugnis

Der CIO geniesst in der Geschäftsleitung hohes Ansehen und Vertrauen. Trotzdem darf er nach wie vor wenig mitreden und in Sachen IT praktisch gar nichts entscheiden. Das schadet vor allem der Innovation.

» Von Susann Klossek , 04.01.2013 11:45.

weitere Artikel

Schweizer Firmenchefs setzen grosse Stücke auf ihre CIOs. Allerdings nur so lange, wie diese kein Mitspracherecht oder gar einen Sitz in der Geschäftsleitung fordern. Dann ist ganz schnell das Ende der Fahnenstange erreicht und der IT-Chef wird wieder auf seinen eigentlichen Platz als Dienstleister des Business verwiesen. Denn Innovation kommt aus der Chef-Etage und keinesfalls aus der IT-Abteilung, so das Ergebnis einer aktuellen Computerworld-Umfrage unter Schweizer CEOs und CFOs. Dabei ist der Respekt für die Informationstechnologie und deren Innovationskraft seitens des Managements für die schlagkräftige Zusammenarbeit von Business und IT besonders wichtig.

Zumindest ihrer Selbsteinschätzung nach, fühlt sich die Führungsetage durchaus IT-fit, wie unsere Umfrage ergab: 39 Prozent der rund 170 teilnehmenden Top-Mana­ger grös­serer Schweizer Unternehmen gaben an, über vertiefte IT-Kenntnisse zu verfügen. Weitere 23 Prozent bescheinigten sich selbst einen guten Marktüberblick. Aber sehen das die CIOs in den Unternehmen auch so? Frühere Umfragen (z.B. Computerworld Swiss IT 2011 und 2012) hatten ergeben, dass die IT-Leiter dieser Einschätzung ganz und gar nicht zustimmen und hinsichtlich der IT-Kompetenz des Managements grosses Verbesserungspotenzial sehen.

In die gleiche Kerbe schlägt auch eine Studie unter 800 Unternehmens- und IT-Chefs in acht Ländern: 80 Prozent der befragten CIOs und IT-Verantwortlichen sind demnach der Meinung, ihrer Führungsetage mangele es an digitalem Verständnis (Why IT Needs to Lead Now, Vanson Bourne/CA Technologies). Die Konsequenz: Die Unternehmen können nur langsam auf Marktentwicklungen reagieren und verpassen somit Chancen. Ausserdem führt der fehlende Fokus auf Innovationen dazu, dass strategische Ziele wie Umsatzsteigerung, Ausbau von Marktanteilen, Verkürzung von Markteinführungs-zeiten oder Erhöhung der Kundenzufriedenheit nicht erreicht werden. Laut CA-Umfrage ist das Verhältnis zwischen CEO und CIO alles andere als entspannt: 34 Prozent der Firmenchefs gaben an, ihre Beziehung zur IT sei konkurrenzbetont, misstrauisch und eher distanziert. 31 Prozent der IT-Chefs teilen diese Meinung. 

Der IT wird vom Management nur wenig Innovationskraft zugeschrieben. «Die IT-Ressourcen werden grösstenteils dafür eingesetzt, den Laden am Laufen zu halten», kommentiert Andi Mann, Vice President Strategic Solutions bei CA Technologies, die Studienergebnisse. Die IT müsse jedoch entscheiden, wie unternehmenswichtige Projekte schneller und effizienter gestaltet werden können und sich Ineffizienzen beseitigen lassen. Dafür müsste die Chefetage jedoch zuerst einmal das Potenzial neuer Technologien für das Business nachvollziehen können. Dazu ist die Unternehmensführung aber oft nicht in der Lage, wie eine weitere CA-Studie einmal mehr bestätigt (The Future Role of the CIO: Digital Literacy). Diese «Digital Illiteracy» auf Führungsebene vermindert die Reaktionsfähigkeit am Markt.

Neue Studie: Swiss IT 2013

Sagen Sie uns Ihre Meinung: Computerworld führt in regelmässigen Abständen Studien zur ak­tuellen Lage der Schweizer IT-Branche durch. Zurzeit befragen wir gemeinsam mit den Marktforschern von IDC für unsere grosse jährliche Studie «Swiss IT» die CIOs und IT-Verantwortlichen Schweizer Unternehmen, was sie aktuell bewegt und vor welchen Herausforderungen sie im kommenden Jahr stehen. Als Teilnehmer erhalten Sie die Ausgabe mit den ausführlich kommentierten Ergebnissen kostenlos.

Zur Online-Umfrage

Auf der nächsten Seite: Vertrauen ja, Mitbestimmung nein.

Werbung

KOMMENTARE

Keine Kommentare

KOMMENTAR SCHREIBEN

*
*
*
*

Alles Pflichfelder, E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt.

Die Redaktion hält sich vor, unangebrachte, rassistische oder ehrverletzende Kommentare zu löschen.
Die Verfasser von Leserkommentaren gewähren der NMGZ AG das unentgeltliche, zeitlich und räumlich unbegrenzte Recht, ihre Leserkommentare ganz oder teilweise auf dem Portal zu verwenden. Eingeschlossen ist zusätzlich das Recht, die Texte in andere Publikationsorgane, Medien oder Bücher zu übernehmen und zur Archivierung abzuspeichern.