Buchbesprechung: Ein bitterböser Blick auf den Alltag von Managern

Thomas Ramge kreiert in seinem Buch «Montags könnt ich kotzen» aus Gesprächen mit «leidenden Angestellten» und Coaches eine böse Persiflage auf das Leben in der Konzern-Matrix.

» Von Carina Groh-Kontio, Computerwoche.de *, 04.06.2015 14:03.

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* Die Autorin schreibt als freie Mitarbeiterin für unsere Schwesterpublikation «Computerwoche.de». Der Artikel erschien ursprünglich unter «Computerwoche.de». 

Es wird gepitcht und vom Ending her gedacht, die kreative Challenge angenommen, ein Innovationsapproach entwickelt, an den Stellschrauben für mehr Sustainability gedreht, Value geaddet, restrukturiert, gechanged und sich zeitnah committed - und plötzlich verliert man vor lauter Worthülsen und Floskeln das Wesentliche aus dem Blick: Die Arbeit.

Was für ein grosser, zynischer Spass, den Thomas Ramge hier auf 256 Seiten gepackt hat. Der Autor, der zurzeit als Technologie-Korrespondent des Wirtschaftsmagazins «Brand eins» arbeitet, hat früher als Unternehmensberater selbst viel Bullshit erlebt und produziert und jetzt aus unzähligen Anekdoten eine wunderbar böse Persiflage auf den alltäglichen Büro-Bullshit kreiert.

In seinem Buch «Montags könnt ich kotzen», das im Rowohlt Taschenbuch Verlag erschien, punktet Ramge durchgehend mit gelungenen Sprüchen, Pointen und Szenen des Büro-Alltags, die jedem von uns so oder so ähnlich bekannt vorkommen.

Am Beispiel seines Alter Egos «Lukas Frey» («Heute früh bin ich fast daran gescheitert, überhaupt ins Büro zu kommen»), der in einem grossen Konzern die Markteinführung eines neuen Produktes begleiten soll, zeigt Ramge, welche absurden Blüten die modernen Managementmethoden treiben und vergleicht gerne auch mal einen 30'000 Euro teuren «interdisziplinären» Innovationsworkshop, bei dem alle 15 Teilnehmer lernen sollen, «Out-of-the-Box» zu denken, mit einem dadaistischem Theaterexperiment, wo alle Schauspieler zwei Stunden lang nichts anderes sagen als die Wortfolge murmel, murmel, murmel und so weiter; kurzweilig wie ein Roman, entlarvend wie ein Sachbuch.

Die Hauptcharaktere sind zwar allesamt frei erfunden, aber doch so authentisch beschrieben, dass sie in der realen Welt branchenübergreifend überall zu finden sind. Da gibt es beispielsweise den ehrgeizigen Aufsteiger und Überstundenrekordhalter Daniel (kommt in der Woche mit fünf Stunden Schlaf gut aus), der seinen Kollegen, wenn sie um halb sieben ihre Sachen packen, regelmässig den Spruch reindrückt: «Na, halben Tag Urlaub genommen?».

Lesen Sie auf der nächsten Seite: «Wir haben in punkto Produkteinführung noch null results»

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