«Technik an sich ist noch kein Konkurrenzvorteil»

» Von Jens Stark, Barbara Mooser , 20.02.2017 06:54.

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CW: Wenn aber Menschen immer dabei sind, wo bleibt da die Effizienzsteigerung und Ersparnis? Schliesslich führen Firmen genau aus diesen Gründen Roboter ein.

Wäfler: Es kommt darauf an, mit welchen Kriterien man dies misst. Kurzfristig erreicht man sicher durch die reine Automatisierung einen finanziellen Gewinn. Aber wenn man in Betracht zieht, dass durch die Automatisierung relevante Fähigkeiten verloren gehen, ist längerfristig mit ökonomischen Einbussen zu rechnen.

Ich kann Ihnen sogar ein Beispiel nennen: Wir hatten ein Projekt, bei dem der Roboter zum Schleifen von Gelenken eingesetzt werden sollte. Es war alles andere als einfach, dem Roboter die Fingerfertigkeit der Arbeiter beizubringen. Das ist nur gelungen, indem die Arbeiter den Roboter steuerten und er sich dies merkte. Es bedurfte also des spe­ziellen Know-how-Transfers vom Arbeiter zum Roboter. Doch dann musste man feststellen, dass die Roboter nur solche Produkte schleifen konnten, bei denen es ihnen ein Arbeiter beigebracht hatte. Sollte ein neues Produkt be­arbeitet werden, war die Maschine nicht in der Lage, dies zu erlernen. Den Arbeiter konnte man dagegen darum bitten auszuprobieren, wie er das neue Gelenk am besten herstellt. Darum meine ich, kurzfristig schleift der Roboter ökonomischer als ein Arbeiter, aber der Roboter kann gewisse Dinge nicht, beispielsweise etwas ausprobieren oder etwas weiterentwickeln. Und wenn die Arbeiter, die es noch können, in Pension gehen, kann es keiner mehr.

CW: Können es sich Firmen denn leisten, die Arbeiter weiter zu beschäftigen nur für den Fall, dass sie dem Roboter wieder etwas Neues beibringen müssen?

Wäfler: Doch, ich glaube schon. Es braucht diese Kombination. Der Ansatz, mit Technologie Menschen ersetzen zu wollen, funktioniert nur dort, wo es tatsächlich gelingt, den Prozess ohne den Menschen laufen zu lassen. Sobald ich aber noch einen Menschen brauche, der etwas überwachen, weiterentwickeln oder eingreifen soll, wenn etwas nicht klappt, dann funktioniert die Vollautomatisierung nicht. Dann brauche ich Menschen, die diese Kompetenz haben, und zwar nicht nur für heute, sondern auch um diese Systeme weiterzuentwickeln. Konkret heisst das, gewisse Dinge sollten nur teilweise oder gar nicht automatisiert werden, um den Menschen im Prozess zu halten. Nicht weil es kurzfristig ökonomischer ist, sondern weil der Mensch Erfahrungswissen aufbauen kann, das in der Zukunft weiter benötigt wird.

CW: Ist das Bewusstsein dafür, dass es eine geschickte Mensch-Maschine-Kooperation in Zukunft braucht, bei den Unternehmen vorhanden?

Wäfler: Ich habe den Eindruck, dass sich viele der Problematik heute bewusster sind als beispielsweise in der letzten Automatisierungswelle mit CIM (Computer Integrated Manufacturing). Die Tatsache, dass Sie mich als Computer-Fachzeitschrift interviewen und nach arbeitspsycho­logischen Aspekten fragen, zeigt, dass es ein anderes
Bewusstsein gibt, das bei der letzten Welle gefehlt hat.

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