Recruiting 4.0

» Von Susann Klossek , 05.07.2017 07:15.

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Der Fisch stinkt vom Kopf her

Voraussetzung ist eine Unternehmenskultur, die auf ethisch-moralischen Werten aufbaut und integres Verhalten fördert. Eine solche sei aber keinesfalls schon überall vorhanden, sagt Häuselmann. «Wir müssen mit den Führungskräften schaffen und diese schulen. Der Fisch stinkt bekanntlich ja vom Kopf her.» Auch Chefs handeln mitunter unmoralisch, sind keine Vorbilder und schaden dem Unternehmen, indem sie den Nährboden für Ver­stös­se gegen gesetzliche und soziale Regeln bereiten. Die Führungsebene muss einerseits an sich selbst arbeiten, andererseits aber auch den Mitarbeitern erlauben, die Hand zu heben und gegen den Chef zu sprechen, kritisch zu sein und auch mal Nein zu sagen.

Wenn eine Firmenkultur funktioniert, gibt es im Unternehmen Möglichkeiten, um erwähnte Interessenkonflikte und Probleme anzusprechen und zu lösen. Diese reichen von
regelmässigen Teamsitzungen bis zu einer Compliance-, Integrity- oder Whistleblower-Hotline.

Die Recruiting-Prozesse werden also insgesamt strenger, genauer und auch komplexer. Darauf müssen sich Unternehmen und auch potenzielle Kandidaten einstellen. Am Ende noch ein Rat eines anonym bleiben wollenden Fachkräftebeschaffers: Er rekrutiert seit zwei Jahren neue Mitarbeiter primär über Connections auf Messen, Empfehlungen aus dem Umkreis und in ungezwungenem Rahmen, beispielsweise beim Essen: «Seitdem sind die Rekrutierungserfolge stark gestiegen.»

Recruiting mit KI: Du bist, wie du sprichst

Das Aachener Unternehmen Precire Technologies hat eine Software entwickelt, die anhand der Sprache Rückschlüsse auf den Charakter eines Menschen geben und erkennen will, ob ein Bewerber zu einem Unternehmen passt oder nicht. Sprache ist so individuell wie ein persönlicher Fingerabdruck. Die gleichnamige Technologie identifiziert mit künstlicher Intelligenz Muster in gesprochener und geschriebener Sprache, leitet daraus linguistische, psychologische und kommunikationsbezogene Merkmale ab und erstellt ein detailliertes Persönlichkeitsprofil. Dabei werden neben sogenannten Natural-Language-Processing-Verfahren auch spezi­fische Textmuster wie Wortkombinationen, Wortfolgen und Satzstrukturen sowie Sprechgeschwindigkeit, Betonung, Anzahl Pausen, Lautstärke etc. erfasst und ausgewertet. Aus einer Referenzmasse von über 5000 Personen wurde ermittelt, welche Sprachmuster typisch für die jeweiligen Charaktergruppen (bezüglich Motiven, Einstellungen, Verhalten) sind. Precire verwendet Machine Learning und Data-
Mining-Algorithmen, die Treffsicherheit soll bei 85 Prozent liegen.

Ein zwanzigminütiges, automatisiertes Telefoninterview soll valide Aussagen zu Kommunikation, Persönlichkeit und Kompetenzen machen. Das Unternehmen verspricht eine Senkung der Frühphasenfluktuation um 45 Prozent, der Time2Hire um 60 Prozent und auch, dass keine echten Talente versehentlich ausgesiebt werden. Die Software lässt sich auch bei der Personalentwicklung, für die Messung der Kundenzufriedenheit und in den Bereichen PR und Media sowie Risk und Chance einsetzen. Mit «VoiceCheck» und «VoiceReflection» sollen sich zudem psychische und mentale Belastungen sowie fördernde und hemmende Kommunikationsmuster im Berufsalltag erkennen lassen.

www.precire.com

 

 

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