Recruiting 4.0

» Von Susann Klossek , 05.07.2017 07:15.

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In der Schweiz noch viel Handarbeit

Doch bevor es damit in unseren Breitengraden richtig losgeht, kann es noch etwas dauern, denn meist fehlt es noch an den digitalen Informationen und nicht jedes Schweizer Unternehmen kann Big Data vorweisen. Switzerland Global Enterprise (S-GE) beispielsweise nutzt kein Roboter Recrui­ting, weil die Anzahl Rekrutierungen zu gering ist, also die Kosten den Nutzen überschreiten würden, sagt Denise Müller, Head of HR + Training bei S-GE. Kosten und Nutzen stünden heute noch in einem ungünstigen Verhältnis, sagt auch SBB-CIO Peter Kummer. Die SBB beobachten daher lediglich den Einsatz von Cognitive Computing bei Rekrutierungen. «Im Moment sind die Ansätze jedoch noch zu wenig ausgereift», so Kummer. Ausserdem erkennt die Software Erfolgsmuster noch zu wenig. Bei Valora werden Bewerbungsdossiers zwar systematisch digitalisiert, die Potenzialanalyse und (Vor-)Selektion erfolge jedoch analog, durch persönliche Sichtung und Beurteilung durch interne Funktionen (HR Consultants, Vorgesetzte der Servicebereiche), so Valora-CIO Roberto Fedele. Er räumt allerdings ein, dass «bei weiter zunehmender Maturität in der system­gestützten Verarbeitung zukünftig auch die Nutzung von Robo-Diensten denkbar ist». Auch Netcetera verzichtet auf den Recruiting-Roboter: «Wir legen grossen Wert auf eine persönliche Begutachtung und Prüfung der Dossiers und entsprechend individuelle Kommunikation mit den Kandidaten», sagt Netcetera-CEO Andrej Vckovski.

Selbst bei IBM oder Sulzer, die beide aufgrund ihrer Grös­se und der Menge an zu besetzenden Stellen für die Kandidatenauswahl per Software prädestiniert wären, wird jede Bewerbung manuell angeschaut. «Wir arbeiten über Plattformen wie LinkedIn oder unsere eigene Karriereseite. Für Nischenrollen greifen wir auf Headhunter zurück», erklärt Sulzer-CIO Ursula Soritsch-Renier. Bei IBM gibt es zwar einen Systemabgleich der Anforderungen der Stelle mit den Erfahrungen des Kandidaten, die dieser im Bewerbungs-Tool eingegeben hat, heisst es aus der Recruiting-Abteilung von Big Blue. Das Bewerbungs-Tool löse allerdings keine Absagen aus. Den meisten Bewerbern bleibt also vorerst der Recruiting-Roboter erspart. Und das ist auch gut so, denn Kreativität, Originalität, Individualität und Persönlichkeit eines Kandidaten erkennt der Computer nicht. Und auch nicht seine Integrität.

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KOMMENTARE

Barbara Carl: 18-10-17 11:11

Wer hätte vor 10 Jahren gedacht, dass eines Tages ein Roboter den passenden Mitarbeiter finden wird? Ich bin ja heute noch etwas skeptisch. Aber vorstellen kann ich es mir schon. Die Frage ist ja nun: wird dieses System das klassische Recruitung von heute komplett ersetzen? Also so ganz ohne Bewerbung und Mitarbeitergespräch.

Schwer vorzustellen oder? Ich habe nun schon ein paar Jahre hinter mir und habe mich auch im Laufe meines Lebens öfters mal umbeworben. Und in diesen Jahren war der Bewerbungsablauf fast immer gleich, außer das Bewerbungsschreiben viel öfters nur elektronisch angefragt werden. Aber das klassische Bewerbungsgespräch gibt es immer noch. Um so souverän wie möglich zu wirken, habe ich mich immer schick und passend angezogen. Das hat mir so eine innere Sicherheit und Ruhe gegeben, die ich auch nach außen signalisieren konnte. Bei https://www.itailor.de/ habe ich schon des öfteren passende Klamotten gefunden!

Diese Entwicklungen sollten auf jeden Fall beobachtet werden. Denn spannend ist diese ganze Thematik allemal.

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