«Die 190'000 Stellenanzeigen schöpfen wir kaum aus»

» Von Mark Schröder , 26.10.2017 11:00.

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Nutzen Sie Big-Data-Anwendungen für die Rekrutierung, beispielsweise beim Matching, bei der Analyse oder der Erfolgsvorhersage?

Wir fangen gerade damit an. Seit circa einem Jahr haben wir in allen Abteilungen einen Daten-Experten eingestellt. Die Spezialisten aus der IT, aus dem Marketing, der Produktentwicklung und dem Sales arbeiten in einer Task Force zusammen. Ausserdem arbeiten wir aktuell an einem Data-Pool-Konzept, welches als Grundlage für künftige Fragestellungen dienen soll. Aktuell tracken wir natürlich die Benutzerinteraktionen mit der Webseite: Was machen die Benutzer auf der Plattform? Was suchen sie? Wie lange verweilen sie in einzelnen Bereichen? Diese produktspezifischen Daten könnten Anhaltspunkte dafür sein, ob es sich um einen aktiven Kandidaten oder um einen latent an Jobs interessierten User handelt. 

Eine zweite Datenquelle sind die Unmengen an Stelleninseraten über die wir verfügen. Stand jetzt zählen wir rund 190'000 Anzeigen. Diesen Pool an Daten schöpfen wir viel zu wenig aus. Die Vision wäre aber ein Predictive Recuiting: Wenn ein Kunde ein neues Inserat erfasst, könnte ihm das System automatisch Empfehlungen für eine gezielte Ausschreibung geben oder gleich passende Kandidatenprofile vorschlagen. 

«Den Pool von 190'000 Stellenanzeigen schöpfen wir aktuell noch viel zu wenig aus»

Renato Profico, CEO JobCloud

Wer sind die grössten Wettbewerber? Was macht die Konkurrenz besser?

Die grössten Mitbewerber sind die Karriereseiten der Unternehmen. Blende ich diese Seiten aus, sind wir mit Abstand marktführend in der Schweiz. Wir stehen jedoch im Wettbewerb mit internationalen Anbietern wie Indeed oder Google for Jobs, das jüngst in den USA gestartet ist und wohl 2019 nach Europa kommen wird. Die Stärken dieser Anbieter liegen im Suchmaschinenmarketing und in der Suchmaschinenoptimierung. Andere Marktbegleiter wie Glassdoor und the muse bieten sehr viel Inhalt für die User.

Um was wird JobCloud vom Wettbewerb beneidet?

Die Konkurrenz beneidet JobCloud um die vielen User, die grosse Reichweite und den Zugang zum lokalen Markt. Einige der KMU besitzen keine eigene Webseite. Wenn sie eine Stelle ausschreiben, geschieht das exklusiv auf jobs.ch. Auf diese Inhalte haben dann weder Indeed noch Google Zugriff.

Wie wichtig ist es für die Unternehmen, dass JobCloud eine Schweizer Firma ist? Spielt Ihr Standort eine Rolle für die Rekrutierung?

Wir haben den Vorteil, den lokalen Markt zu kennen und können uns an die lokalen Gegebenheiten anpassen. Ein internationaler Mitbewerber wird – wie es in der Vergangenheit oft der Fall gewesen ist – sich nicht für die kleine Schweiz verbiegen. Wir schon!

Legen die Bewerber Wert darauf, dass ihre persönlichen Daten wie der Lebenslauf in der Schweiz gespeichert wird?

Nein, dieses Anliegen haben wir kaum je gehört. Wahrscheinlich hat man heute weniger Vorbehalte, weil Clouds allgegenwärtig sind. Ich denke nur an Apple, Facebook, Google, Instagram und Snapchat.

Zur Firma: JobCloud

ist im Jahr 2013 aus einer Fusion der Firmen jobs.ch und Jobup entstanden und beschäftigt heute 180 Mitarbeiter in Zürich und Genf. Neben den beiden regionalen Jobportalen besitzt das Unternehmen 100 Prozent an dem Wiener Anbieter JoinVision, einem Spezialisten für mehrsprachige semantische Recruiting-Technologien.

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