«Die 190'000 Stellenanzeigen schöpfen wir kaum aus»

» Von Mark Schröder , 26.10.2017 11:00.

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Müssen Sie in Zeiten von Mobile Recruiting viel Überzeugungsarbeit leisten, dass ein Stelleninserat als PDF nicht mehr optimal ist?

Wir mussten auf den Mobile-Trend frühzeitig reagieren. Unsere Webseiten sind heute alle «seamless», sie passen sich der jeweiligen Display-Auflösung an. Bei den Kunden müssen wir tatsächlich viel Überzeugungsarbeit leisten, damit sie auf PDF-Inserate verzichten. PDF-Inserate und Mobile-Nutzung beissen sich einfach. Teilweise ist es für die Kunden aber schlicht unrealistisch, eine Alternative zu liefern. Viele sind Kleinst- und Kleinunternehmen, bei denen der Inhaber die Inserate selber schreibt. Wir unterstützen sie mit intuitiven Formularen auf der Webseite, um von den klassischen Formaten weg zu kommen.

Geht JobCloud womöglich noch weiter und lanciert einen Werkzeugkasten mit PDF-Import, Videoclips und Vorlagen für Recruiter? Oder auch für Bewerber?

Teilweise haben wir diese Tools schon. Sie stammen unter anderem von der Wiener Firma JoinVision, die zu 100 Prozent zu JobCloud gehört. JoinVision steckt hinter unserer Funktion «CV-Extraktion», die Inhalte aus Lebensläufen extrahiert und kategorisiert um diese mit den Vakanzen abgleichen zu können. Der umgekehrte Mecano funktioniert via «Vakanzen-Extraktion». Zurzeit arbeitet das Team in Wien an einer Spracherkennung für Videos. So kann heute schon das gesprochene Wort in Bewerbervideos via Spracherkennung in Text umgewandelt und mittels eines Algorithmus kategorisiert werden.

Wird JobCloud vom reinen Stellenvermittler zum Recruiting Manager?

Die Überlegungen gibt es, insbesondere mit dem Blick auf unsere primäre Kundengruppe, die KMU. Aufgrund der knappen Ressourcen in den Betrieben ist die Nachfrage nach HR-Dienstleistungen gross. Ein Ziel von JobCloud ist, den Unternehmen alle Services rund um die Rekrutierung aus einer Hand zu bieten. Heute loggen sich die Kunden zwar schon auf unserer Plattform ein, aber nur um Inserate aufzuschalten und die eingegangenen Bewerbungen abzurufen. Noch endet unser Service hier. 

Auf der anderen Seite ist es für uns natürlich interessant zu erfahren, was nach der Stellenausschreibung geschieht. Denn bis anhin können wir nicht messen, ob ein Inserat respektive ein Bewerber erfolgreich war. Wir können einem Unternehmen lediglich eine gut besuchte Plattform bieten, auf der sich Jobsuchende bewegen und sich bewerben. Die Firmen wollen allerdings nicht unbedingt möglichst viele Bewerbungen erhalten, sondern die richtige Person einstellen. Eine Möglichkeit ist, über Schnittstellen zu den ATS-Lösungen (Applicant Tracking Systems) der Unternehmen erfolgte Bewerbungen zu messen. So erfahren wir zumindest, ob sich ein Kandidat über unsere Webseite beworben hat. Allerdings wissen wir noch immer nicht, ob die Bewerbung auch erfolgreich war. Um dem tatsächlichen Rekrutierungserfolg auf die Spur zu kommen, testen wir auch Prämienzahlungen an Bewerber. Eine finale Evaluation steht aber noch aus.

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