Stefan Arn, CIO der UBS, im grossen Interview
Stefan Arn hat als CIO der UBS keinen einfachen Job: Die Politik bestimmt mit den Doppelbesteuerungsabkommen seine Agenda. Doch je schwieriger ein IT-Problem ist, desto stärker blüht der begeisterte Rennfahrer auf.
UBS-CIO Stefan Arn spricht mit Computerworld über seine Aufgaben, seinen Führungsstil und die Zukunft der IT.weitere Artikel
» Von , 20.07.2012 09:45.
Computerworld: Einen Termin bei Ihnen zu bekommen, ist ganz schön schwierig! Im Mai war gerade noch einer frei, morgens um halb acht. Sind Sie dermassen verplant?
Stefan Arn: Ja, im Moment bin ich ziemlich getrieben. Das ist die auffälligste Entwicklung in den letzten drei Jahren: Es gibt keine ruhigen Phasen mehr.
Inwiefern?
Kaum einer ist sich bewusst, dass die Schweiz mit Österreich innert acht Wochen ein Doppelbesteuerungsabkommen aus dem Boden stampfte. Das ist ein sehr kurzer Zeitraum. Das Abkommen wird am 1. Januar 2013 in Kraft treten. Für eine erfolgreiche Umsetzung sind sieben Monate zwischen Ankündigung und Go-Life sehr anspruchsvoll. Und es ist ja nicht so, dass z.B. für die Doppelbesteuerungsabkommen mit England und Deutschland die gleichen Regeln gelten…
Kommt Ihre IT an ihre Grenzen?
Ja, langsam kommen wir an die Grenze dessen, was wir stemmen können. Nicht wegen des Budgets. Aber es gibt nur sehr wenige Leute in meinem Metier, die ein Doppelbesteuerungsabkommen wirklich verstehen. Das ist der limitierende Faktor.
Gerade im Bereich Regulierung sind die Resultate schwer vorhersehbar. Wie muss man sich organisieren, um innert nützlicher Frist adäquat reagieren zu können? Die Politik wird ja kaum auf die Bedürfnisse der IT Rücksicht nehmen.
Ich habe die Gunst der Stunde genutzt, als die Abkommen mit England und Deutschland langsam spruchreif wurden. Lassen Sie mich zur Erklärung etwas ausholen: Die frühere Haltung in der IT – ob bei UBS oder anderswo – war diese: Erst wurde ganz genau über die Anforderungen diskutiert. Auf dieser Grundlage definierte die IT dann einen Zeitpunkt, zu dem sie liefern konnte. Unklare Ansprüche führten zu Verspätungen, an denen die Auftraggeber selbst schuld waren. So ging das Spiel bisher. Das hat sich fundamental geändert. Niemand kann nach Bundesbern gehen und sagen, die Anforderungen seien noch nicht klar, darum könne man nicht liefern. Das interessiert dort niemanden – berechtigterweise.
Was haben Sie getan?
Für die deutsche Doppelbesteuerung prüfen wir zwei Varianten und treiben sie vorwärts.
Einfach so, ins Blaue hinein?
Wir haben den Vorteil, dass wir als relevanter Marktteilnehmer sehr gut mit den wichtigen Stellen in Behörden und Politik vernetzt sind. Zusammen mit der Bankiervereinigung konnten wir bereits relativ früh abwägen, welche Variante am wahrscheinlichsten ausgewählt würde. Darauf haben wir uns fokussiert und werden nun ready sein.
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