Requirements Engineering in drei Tagen

  

» Von Marcel Altherr, Dominik Neff, 01.06.2010 06:00.

Erfolgskritische Faktoren

Neben dem geschilderten Vorgehensmodell sind noch weitere erfolgsbestimmende Faktoren zu berücksichtigen, z.B. die richtige Ortswahl bei der Organisation des Workshops. Vor allem ist auch die Auswahl der einbezogenen Stakeholder entscheidend: je vollständiger, desto besser (vgl. Liste unten).

Neben den organisatorischen Voraussetzungen bedarf es zudem einer umfassenden inhaltlichen Vorbereitung. Die Teilnehmer sollten vorab über die Zielsetzung des Workshops informiert sein sowie darüber unterrichtet werden, was mit dem neuen System erreicht und unter welchen Rahmen-bedingungen dieses eingesetzt werden soll. Auf Basis dessen können sich die Teilnehmer entsprechend darauf einstellen, welche Anforderungen aus ihrer Sicht für das Projekt in Frage kämen.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Wahl des richtigen Diskussionsleiters. Er sollte über sehr gute Moderationsfähigkeiten verfügen, um verhindern zu können, dass die Diskussionen zu sehr in die Tiefe gehen und so das eigentliche Ziel verfehlen. Ausserdem sind Erfahrungen im Bereich Requirements Engineering sowie fachliches Domänenwissen wünschenswert. Auf keinen Fall sollte der Moderator fachlich oder inhaltlich in das Projekt involviert sein, da er sonst den Diskussionsverlauf zu stark beeinflussen würde. Er darf also weder Anwender, Entwickler oder gar Sponsor des zu entwickelnden Systems sein.

In seiner Rolle als Moderator zählt es zu seinen zentralen Aufgaben, sicher-zustellen, dass auch neue Lösungsideen berücksichtigt werden. Zudem muss er verhindern, dass Ausnahmefälle im Vergleich zu anderen User Stories zu intensiv diskutiert werden. Diese oft zeitraubenden und emotionsgeladenen Diskurse muss er abfedern können, um sicherzustellen, dass am Ende des Workshops eine vollständige Liste der User Stories existiert. Zudem ist eine umfassende Dokumentation der Diskussionen und Resultate unabdingbar.

Fazit: Erfolg in kurzer Zeit

Je nach Setup der Veranstaltung lässt sich mithilfe dieses Drei-Tages-Workshops innerhalb kürzester Zeit eine grosse Menge zu bearbeitender User Stories verabschieden. Vorteilhaft ist zudem, dass sich diese Methode auf sämtliche Vorgehensweisen anwenden lässt, ganz egal, ob es sich dabei um agile oder klassische Projekte handelt. Idealerweise erhalten Verantwortliche damit gleich zu Beginn des Projekts einen grundlegenden Überblick über die Anforderungen und können diese sehr zeitnah umsetzen. Im Umkehrschluss lassen sich mit dieser Methode dank des hohen Vernetzungsgrads auch eventuelle Hürden vorab identifizieren. Bisherige Methoden erlauben es hingegen nicht, derart wertvolle Ergebnisse innerhalb so kurzer Zeit zu liefern.

Dennoch darf ein wesentliches Kriterium nicht unterschätzt werden: die nötige Erfahrung seitens der Workshop-Organisatoren. Dies gilt generell für das Requirements Engineering, speziell aber auch für die angewandte Methodik. Es bedarf eines detaillierten Know-hows, den beschriebenen Intensiv-Workshop initiieren, organisieren und moderieren zu können. Erst dann lassen sich Anforderungen wirklich umfassend erheben - und das innerhalb von drei Tagen.

 

Stakeholder im Projekt

Beziehen Sie möglichst viele in das Projekt mit ein. Je vollständiger Ihre Liste ist, desto besser.

Zur Auswahl stehen etwa:

- Vertreter sämtlicher Anwendergruppen
- Wirtschaftlich Verantwortliche (Budget)
- IT-Management (IT-Strategie, EAM)
- Support- und Betriebsvertreter
- Administratoren
- Entwickler des Vorgängersystems
- Repräsentanten benachbarter Systeme
- Entwickler/Architekten des zukünftigen Systems
- Product-Owner

Optional:

- Datenschutzbeauftragter
- Arbeitnehmervertretungen
- Testverantwortliche

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