Querdenker mit Mehrwert

  

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» Von Hansjörg Honegger, Michael Kurzidim, 12.03.2010 06:00.

Computerworld: Beim letzten Gespräch vor einem Jahr sprachen wir über das Thema «Fit für die Krise». Jetzt heisst es: «Fit für den Aufschwung». Firmen, welche die Krise gut überstanden haben, gehen gestärkt daraus hervor. Haben wir in den letzten 24 Monaten etwas gelernt? Oder war die Krise nur unangenehm?

Boschung: Viele Punkte haben wir schon angesprochen: Fokussierung, Prioritäten setzen, weiter in Forschung und Entwicklung investieren, um sicherzustellen, dass die Zukunft sonniger aussieht.

Waser: Wir und andere Firmen haben gelernt, die vorhandenen Mittel effizient zu nutzen. Der wirtschaftliche Druck hat uns dazu gezwungen und Freiräume geschaffen.

Computerworld: Die Frage ist doch: Wie können wir diese Spannung von der Krise in den Aufschwung retten? Nach einer Krise wird man auch gerne wieder bequem und lehnt sich zurück.

Sieber: Das ist sicherlich eine Management-aufgabe. Es gibt für uns alle keinen Grund zum Zurücklehnen; der Markt wird uns weiterhin auf Trab halten. Unsere Fusion mit Sunrise sorgt für zusätzliche Spannung und die wird anhalten. Auch wenn demnächst das Gröbste überwunden ist, wird uns der Markt dazu zwingen, effizient zu wirtschaften, gewisse Kosten zu reduzieren und zu verschlanken. Es geht mehr um eine laufende Effizienzsteigerung, die der Markt erzwingt, unabhängig von der Krise.

Waser: Wir haben Marktanteile in dieser Zeit gewonnen. Andere Firmen, welche die Situation für sich nutzen konnten, ebenfalls.

Boschung: Viele CEOs von Grosskunden haben die Krise zum Anlass genommen, gewisse Innovationen anzustossen. Ich war gestern bei einem Grosskunden, der gesagt hat: «Diese Krise war super, denn sie hat mir erlaubt, den Wandel in meinem Rechenzentrum durchzuführen und den Widerstand meines mittleren Managements zu überwinden.»

Computerworld: Das klingt ja so, als ob wir für die Krise dankbar sein müssten und uns schon auf die nächste freuen sollten. Die Krise hat aber nicht nur positive Effekte gehabt. Sie hat ja auch unendlich viele Werte zerstört, die Arbeitslosigkeit gesteigert. Nicht zuletzt wurden auch sehr viele Projekte erst einmal auf Eis gelegt.

Boschung: Man hat Projekte auf Eis gelegt, aber das waren Projekte «as usual», ohne tief greifende Transformation, ohne Querdenken. Was bei vielen Firmen aber nicht auf Eis gelegt wurde, das waren Projekte, welche die Art, wie Firmen ihr Geschäft führen, verändern werden. In bestimmten Segmenten hat die Krise einen tief greifenden nachhaltigen Wandel bewirkt.

Sieber: Man muss zwischen Business- und Consumer-Umfeld unterscheiden. Orange steht mit eineinhalb Füssen in der Consumer-Welt. Sie haben die Arbeitslosigkeit angesprochen, die wird so schnell nicht wieder zurückgehen, im Gegenteil. Das wird auf den Consumer-Markt durchschlagen. Im Business-Umfeld zeichnet sich eine gewisse Entspannung ab, es wird wieder mehr investiert.

Waser: Man muss das unter dem Titel «Suche nach Wertschöpfung» sehen. Wir haben, besonders im Finanzsektor, massiv Wertschöpfung verloren. Das lässt sich nicht einfach so wettmachen. Die Suche nach Wertschöpfung hat aber auch mit E-Economy zu tun. Wirtschafts-Konjunkturpakete für Infrastruktur wie beispielsweise Strassen- und Brückenbau, d. h. für Beton, sind einfach durchgewunken worden. Die Frage ist, ob wir unsere Ressourcen dort richtig einsetzen. Die Schweiz ist ein Wissens- und Denkplatz. Diese Stärken müssen wir nutzen und an einer zukünftigen E-Economy bauen. Das schafft auch neue Arbeitsplätze, allerdings sind es andere Arbeitsplätze. Mitarbeitende müssen neue Kompetenzen aufbauen. Die Schweiz hat keine natürlichen Rohstoffe, unsere Ressourcen haben wir im Kopf. Wir müssen unserer Wirtschaft helfen, einen anderen Wertschöpfungsmix als in der Vergangenheit aufzubauen.

Boschung: Consumer- oder Businessorientiert - die Prognosen 2010 für IT-Ausgaben kommen auf plus 4,5 Prozent gegenüber minus 5 Prozent im Jahr 2009. Du hast recht, der Consumer-Markt ist ein anderer Bereich, aber insgesamt ist das eine gute Perspektive.

Computerworld: Stellen Sie schon wieder Mitarbeiter ein?

Sieber: Man muss einen Mittelweg finden, Effizienzsteigerung wird ein permanentes Thema sein. Zügel anziehen, wieder loslassen, das ist gar nicht so einfach im Management. Wir werden genau schauen, wo wir investieren, und da gegebenenfalls auch Mitarbeiter einstellen.

Boschung: Wir sind dabei, unsere Belegschaft um 5 Prozent aufzustocken. Wir investieren massiv in Geschäftsfelder, wo wir Wachstums-potenzial sehen und in die wir schon 2009 investiert haben.

Computerworld: Ist es heute einfacher, qualifizierte Leute einzustellen?

Boschung: Eine sehr gute Frage und die paradoxe Antwort: Es ist nicht einfacher, Arbeitskräfte zu finden, die unseren hohen Anforderungen entsprechen, die zukunftsorientiert sind, die Mehrwert generieren und in positiver Weise querdenken können.

Waser: Die Anforderungen sind ja auch gestiegen und die Anzahl der Kandidaten, die in Frage kommen, wird nicht grösser. Wir wachsen in den nächsten zwölf Monaten und werden in die Aus- und Fortbildung investieren, um die vorhandene Belegschaft künftig besser einsetzen zu können.

 

X Days 2010

Die Wirtschaftskrise hat die Welt veränder. Was sollen Führungskräfte jetzt konkret tun? Unter dem Motto "querdenken" trifft sich die Schweizer ICT-Branche zum jährlichen Gipfeltreffen, um diese und andere brennende Fragen zu diskutieren.

Am 17. und 18. März 2010 im Kongresszentrum Casino Interlaken
Info & Anmeldung: www.xdays.ch

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