Open Source machts passend

Der Austausch heterogener Geschäftsdaten scheitert oft an inkompatiblen Formaten oder horrenden Lizenzkosten. Open Source schafft die Datensteuer ab. Mit quelloffener B2B-Software drücken Schweizer KMU die Kosten.

    

» Von Christopher Hackett, 12.05.2010 06:00.

Christopher Hackett ist Sales Director DACH bei der Talend GmbH

Seit dem 25. November letzten Jahres ist es amtlich: Open Source gilt für kostenbewusste Firmen auch bei komplexen Themen wie unternehmensweiter Datenintegration als vollwertige Alternative. An diesem Tag tauchte im «Gartner Magic Quadrant for Data Integration Tools» mit Talend erstmals ein Open-Source-Anbieter auf. Quelloffene Software erobert den B2B-Sektor. Damit haben auch mittelständische Firmen die Möglichkeit, professionell Daten zu integrieren, ohne hohe Lizenzkosten an proprietäre Software-Anbieter abdrücken zu müssen.

Kooperation zwingt zum Austausch

Schweizer Firmen stehen heute vor der Herausforderung, all ihre Anwendungen aufeinander abzustimmen, um mit Partnern und Anbietern zusammenarbeiten, den Betrieb rationalisieren und ihre IT bestmöglich nutzen zu können. Ein gangbarer Weg besteht darin, möglichst viele Funktionen in einer einheitlichen ERP-Suite, in Europa meist SAP-Software aus Walldorf, abzubilden. SAP bietet heute neben der Kernanwendung Module für unterschiedliche Branchen wie für spezielle Einsatzzwecke und setzt seit NetWeaver auch auf webbasierende Technologie. Alle SAP-Module haben dabei eines gemeinsam: Sie produzieren tagtäglich jede Menge Daten, die in der Regel in einem zentralen oder mehreren verteilten Data Warehouses aufbewahrt werden.

Firmen, die in SAP-Lösungen investieren, wollen idealerweise alle erfolgskritischen Funktionen auf einer einzigen Plattform vorhalten. Ein Problem dabei: Unternehmen können zwar ihre eigene IT organisieren, haben aber keine Kontrolle über die Systeme ihrer Partner oder Kunden. Selbst die eigene IT-Landschaft ist zumeist alles andere als homogen. Oft gibt es dort neben der SAP-Installation noch Legacy- oder unersetzliche Nicht-SAP-Systeme, die eingebunden werden müssen.

Daten fliessen zwischen verschiedenen Plattformen und Anwendungen, zwischen mehreren Niederlassungen und zwischen Lieferanten, Kunden und Partnern, daran führt praktisch kein Weg vorbei. Unglücklicherweise unterscheiden sich diese Daten in den meisten Fällen in Struktur oder Format, was den Austausch erschwert oder sogar unmöglich macht.

Gefährliches Software-Gestrüpp

Datenintegration ist daher für jede grössere Organisation unumgänglich. Je nach Einsatzzweck kann diese über Nacht im Batch-Betrieb erfolgen oder muss zeitnah, bis zur Transaktion in Echtzeit, geschehen. Grosse Konzerne setzen auf professionelle Datenintegrations-Suiten. Die meisten mittelständischen Firmen hatten diese Option bislang nicht, weil die Kosten für diese Lösungsplattformen in aller Regel sechsstellige Höhen erreichen. Ihnen blieb daher nur die Möglichkeit, auf einzelne Anwendungen zugeschnittene In-tegrations-Software einzusetzen oder eigene Schnittstellen für den Datentransfer zu programmieren. Im Gegensatz zu einer homogenen Suite führen diese Lösungen aber schnell zu einem Software-Gestrüpp, das sich mit wachsender IT-Infrastruktur exponentiell ausbreitet.

Aber auch für die zahlenden Anwender ist der Einsatz einer Standard-Datenintegrationsplattform häufig ein zweifelhaftes Vergnügen. Denn bei nahezu jeder Erweiterung der bestehenden Installation wird der Kunde erneut zur Kasse gebeten: Die Anbieter lizenzieren ihre Software nach Parametern wie Repositories, CPUs, Datenquellen und -ziele. Als Faustregel gilt: Wer mehr Daten bewegen oder eine neue Anwendung integrieren will, muss neue Lizenzen erwerben. Da die Datenvolumina im Business-Umfeld seit Jahren nur den Weg nach oben kennen, fallen ständig Nachlizenzierungen an. Mehr Daten, mehr Kosten: Für die Kunden fühlt sich das wie eine Datensteuer an.

Kosten sparen

Mit der Open-Source-Lösung Talend Open Studio besteht die Möglichkeit, Datenintegrationsprojekte umzusetzen, ohne jedes Mal zusätzlich Lizenzkosten zu zahlen. Denn die Software kann als vollständige Datenintegrationsplattform, aber auch ergänzend zu bestehenden Lösungen anderer Anbieter eingesetzt werden. Angenommen, ein KMU nutzt die Datenintegrations-Software von Informatica und seine Lizenz beinhaltet die Einbindung von Oracle und Sybase als Datenquellen, ein Repository mit einer fixen Anzahl an CPUs und ein Data Warehouse als Zielsystem. Der zum Import und Export von SAP-Daten notwendige SAP-Konnektor kann kostenlos als Ergänzung zu Talend aus dem Netz geladen werden.

Bedenkt man, dass mehr Datenvolumen immer auch mehr Rechenleistung erfordert, spart dieser kleine Umweg schnell eine sechsstellige Summe pro Jahr ein. Die Investitionen in die bestehende Daten-integrationsplattform - das betrifft nicht nur die Lizenzkosten, sondern vor allem auch Personalkosten für die Entwicklung interner Mappings - bleiben geschützt.

Datensteuer ade

Auch wenn Open Source nicht kostenlos zu haben ist: Der Hauptgrund für den Einsatz quelloffener Software ist in den meisten Unternehmen immer noch der Kostenfaktor. Bei vergleichbarem Funktionsumfang lassen sich durch einen Umstieg oft erhebliche Summen einsparen. Punkten kann Open Source aber auch mit schnellen Entwicklungszyklen, umfangreicher Funktionalität und offenen Standards. Nicht zu vergessen die grosse Community, die ständig neue Funktionalitäten entwickelt und diese zusammen mit den Herstellern in die Software integriert.

Diese Vorteile überzeugen immer mehr Unternehmen: Die Marktforscher von IDC erwarten, dass allein der Markt für Open Source Services weltweit jedes Jahr um 22,4 Prozent wächst und 2013 ein Gesamtvolumen von über acht Milliarden US-Dollar erreichen wird (vgl. Worldwide Open Source Services 2009-2013 Forecast). Open Source überzeugt nicht nur technisch, sondern ist auch als Geschäftsmodell im B2B-Markt angekommen.

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